Herzlichen Glückwunsch zum 100. Geburtstag, Biene Maja!

Die Zeichentrickserie kennt wohl jeder, den Titelsong von Karel Gott auch. Aber woher kommen die Geschichten von der Biene Maja? 1912 erschien ein Kinderbuch des ehemaligen Missionskaufmanns, Verlegers, Vagabunden und Autors Waldemar Bonsels, der mit „Die Biene Maja und ihre Abenteuer“ einen sensationellen Erfolg erzielte. Fortan wurden die Bücher des Schriftstellers vor allem in den 1920er Jahren massenhaft verkauft.

Die Geschichte von der Biene Maja erzählt, wie das frisch geschlüpfte, neugierige und wissensdurstige Insekt sich gegen den Alltag der Honigbienen sträubt und die Welt kennen lernen möchte. Bei ihrem ersten Flug kehrt sie nicht in den Bienenstock zurück, nistet sich in einem Baumloch ein und begegnet verschiedenen anderen Insekten. Schließlich wird sie von Hornissen gefangen genommen, kann sich aber befreien und ihr Bienenvolk vor der Gefahr durch die Hornissen warnen.Der Überfall der Feinde kann durch Majas Warnung abgewehrt werden, die kleine Biene wird zur Beraterin der Königin ernannt.

Über die Qualität dieses Kinderbuchklassikers gibt es sehr kontroverse Meinungen: Viele Leser schätzen das Buch wegen seiner Poesie, den Naturbeschreibungen und seinem pädagogischen Wert, der darin bestehen soll, dass die Begegnungen der Biene Maja mit den anderen Insekten, Gefühle wie Angst, Trauer, Freundschaft, Neugierde sehr lebendig vermitteln. Andere Leser wiederum sehen diesen pädagogischen Wert skeptisch, denn die Geschichte des Ausbruchs der Biene Maja wird am Ende durch ihre Rückkehr in den Bienenstock und ihre Eingliederung in das Volk in sehr konservative Bahnen gelenkt. Außerdem strotzt das Buch, entsprechend seinem Entstehungszeitpunkt, vor nationalistischen Phrasen. In „Die Biene Maja und ihre Abenteuer“ würde angedeutet, wohin Waldemar Bonsels sich politisch entwickelte: Er schrieb 1943 einen antisemitischen Roman, mit dem er sich den Nationalsozialisten andienen wollte.

Diesem Generalverdacht gegen die „braune Biene Maja“, der von ihrem Autor abgeleitet wird, möchte ich mich nicht anschließen. Dennoch hatte auch ich einige Bedenken bei der Lektüre des „Klassikers“. Denn so zeitlos, wie diese Bezeichnung suggeriert, ist die Geschichte und Sprache des Buchs keinesfalls. Die Beschreibungen der Insekten, Wiesen, Blumen und der Landschaft vermitteln in der Tat einen poetischen Blick auf die Natur, den ich sehr schön fand. Die Dialoge zwischen den Protagonisten erscheinen mir aber schwer verdaulich: der Umgang der Insekten untereinander ist sehr förmlich, Rede und Gegenrede holpern oft, die verhandelten Begriffe und Konzepte sind kompliziert. Auf jeden Fall sollte man nicht von der Zeichentrickserie ausgehend darauf schließen, dass die Geschichten einfach zu verstehen und niedlich wären. Im Gegenteil: Es geht teilweise recht grausam zu und der lustige und gemütliche Freund von Maja, die Honigbiene Willi, wurde auch erst später für die Fernsehserie hinzugedichtet.

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