Kinderbücher bodenständig und praktisch: Die Conni-Reihe

Manchmal schleichen sich Kinderbuchfiguren in den Alltag ein und man weiß nicht, wo sie herkommen. Dann sind sie da und gehen nicht wieder weg. Dann ist man wohl den Marketing-Strategen der Verlage auf den Leim gegangen.

Conni ist so eine Figur, die sich, vor allem in der Form von Pixie-Büchern, bei uns eingeschlichen hat. Die Conni-Reihe bietet eine Rundum-Versorgung mit Webseite für Kinder, Kuschelkissen und Arzttasche. Angefangen hat es bei uns mit der Geschichte „Conni feiert Weihnachten“. Und weil die so praktisch die Abläufe und Begriffe rund um das Weihnachtsfest erzählt, folgte „Conni und der Osterhase“. Und dann ergeben sich für viele weitere Alltagserlebnisse und -ereignisse Anlässe, um mal bei Conni vorbeizuschauen: „Conni kommt in den Kindergarten“, „Conni geht zum Arzt“, „Conni zieht um“ und so weiter und so weiter.

Dabei mag ich die Figur eigentlich ganz gerne: Das Mädchen ist sehr bodenständig, legt nicht viel Wert auf Klamotten und Konsumgüter, weiß sich in allen Situationen zu helfen. In ihrer praktischen und zupackenden Art bleibt sie aber dennoch blass, denn sie hat keine Ecken und Kanten. Conni ist das Gegenteil von Juli, den ich in einem früheren Artikel vorgestellt habe, und in dessen Welt es manchmal etwas chaotisch zu geht. Bei Conni hingegen ist immer aufgeräumt, haben die Eltern stets gute Laune und erklären mit Geduld den Alltag im Vorstadthäuschen. Dabei ergeben sich für die Vorleser noch praktische Tipps, wie man selbst Weihnachtskugeln bastelt oder ein Ostergärtchen mit Häuschen anlegt. Das hilft, den Familienalltag zu strukturieren, es beschleicht mich aber das Gefühl, dass die Bücherwelt meines Kindes nicht nur aus Conni-Geschichten bestehen sollte, in denen alles aufgeräumt ist, Konflikte sich in null-komma-nichts lösen und die Welt nur aus Alltagsbegebenheiten besteht.

Liane Schneider, Eva Wenzel-Bürger: Das große Conni-Buch. Carlsen 2010. ab 2 Jahren. 12,90 Euro.

P.S. Im Moment könnten wir den Band „Conni hilft Mama“ gebrauchen, denn die Erkältungszeit hat mich und unseren Papa erwischt und wir sind etwas eingeschränkt arbeitsfähig. Der Papa kommt in den Conni-Geschichten allerdings nur am Rande vor. Er macht auch keine Arbeit im Haushalt. Wobei wir bei einem weiteren Ärgernis der Conni-Geschichten wären: Die Rollenverteilung zwischen den Eltern ist steinzeitlich. Aber das ist ein Problem, das in zahllosen Kinderalltagsbüchern, besteht.

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  1. Die Conni-Bücher sind auch bei uns ein Begleiter durch den Alltag und werden von unserer Tochter sehr gemocht. Die Vorstadtidylle und die überkommenen Klischees bzgl. der Rollenverteilung von Mama und Papa hinterlassen aber tatsächlich Lücken. Hier eignen sich die Bücher von „Max“ prima zum Ausgleich. Da hilft auch mal die Mama beim Bau des Piratenschiffs und der Papa bringt morgens Max zur Tagesmutter, weil Mama wieder arbeiten geht – und unsere Tochter mag die Figuren und Geschichten (fast) eben so gerne. Gibt`s zum Beispiel hier: http://www.amazon.de/LESEMAUS-Band-32-baut-Piratenschiff/dp/3551088322/ref=pd_sim_b3

    • Vielen Dank für den Tipp! Dann erwartet mich wohl eine neue Herausforderung: ein Piratenschiff bauen! Das mit dem Bau der Holzeisenbahnstrecke kriege ich inzwischen gerade so hin. Da muss ich aber zugeben, dass der Papa das viel besser kann, weil sein räumliches Vorstellungsvermögen ausgeprägter ist.

  2. Pingback: Bücher für „neue Väter“: Willi Wiberg | vorgelesen

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