Begegnungen mit Jim Knopf

Herzlich willkommen im Blog-Jahr 2012. Auf spannende und fröhliche zwölf kommende Monate mit vielen Entdeckungen beim Vorlesen. 

Und nun geht es los:

Seit nun schon vier Monaten herrscht bei uns die „Jim-Knopfo-Manie“. Es fing mit zwei Bilderbuchausgaben von einzelnen Episoden – „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer machen einen Ausflug“ sowie „Wie Jim Knopf nach Lummerland kam“ – an. Dann wurde es durch eine kleine Theateraufführung im Kindergarten, bei der die großen Jungs die Piratentruppe namens „Die Wilde 13“ spielen durften, aufgegriffen. Die Jungs nannten ihre Erzieherin plötzlich „Frau Mahlzahn“ und ich hatte keine Ahnung, was das zu bedeuten hatte …

Außerdem wurde die Manie unterstützt durch Hörbücher, die ich irgendwann mal günstig gekauft hatte. Auf den CDs liest Michael Ende die Geschichte selbst vor und ich bin immer wieder fasziniert von der Art, wie er das tut. Den Mittagspausen am Wochenende, in denen wir die CDs hören, fieberte ich immer entgegen, um der tollen Stimme lauschen zu können. Schließlich habe ich den Band „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ besorgt und nun steht jeden Abend ein Kapitel zum Vorlesen an. In den Ferien sind es auch öfters mal mehr geworden.

Zwischenzeitlich habe ich mir ziemliche Sorgen gemacht: Zum einen weil bei der Hartnäckigkeit und Ausdauer, mit der mein Sohn nach dem Buch verlangt, jegliche sonstige Lektüreerfahrung, die im Blog dokumentiert werden könnte, unmöglich wird. Zum anderen weil mir immer wieder ein Lied von der Band Tocotronic, die ich in meiner Jugend sehr verehrt habe, in den Sinn kam. Es heißt: „Michael Ende, du hast mein Leben zerstört“, erschien 1995 auf der Platte „Nach der verlorenen Zeit“. Hier ist der Text:

Ein Lied mehr zur Lage der Nation, // und zur Degeneration meiner Generation. // Zur Unentschlossenheit der Jugend, // zur Verdrossenheit der Tugend. // Zu meiner aussichtslosen Lage, // und zur Klärung der Schuldfrage. // Und darum klag ich an:

Michael Ende, nur du bist schuld daran, // Daß aus uns nichts werden kann. // Du hast uns mit deinen Tricks, // aus der Gesellschaft ausgeixt. // Mit den Eltern aller Schichten, // willst du uns vernichten.

Der Song ironisiert Diskussionen über den Einfluss von Büchern auf junge Menschen. Michael Endes Werken, insbesondere auch den beiden Jim-Knopf-Bänden, wurde immer vorgeworfen, sie seien eskapistisch und würden gesellschaftlichen Fragen ausweichen, weil sie Fantasiewelten entwerfen und das Verschwinden von Fantasie anprangern. Seine Bücher seien „Opium für Kinder“.

Diese Kritik ist auf der inhaltlichen Ebene unberechtigt. „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ nimmt mehrere gesellschaftliche Debatten auf und thematisiert wichtige Fragen, wie ich in einem späteren Blogeintrag noch ausführlich erläutern möchte. Diese sind freilich relativ eng an den Entstehungszeitraum des Buches, also die 1950er Jahre und an den Nationalsozialismus gebunden.

Auf der Ebene des Gebrauchs ist die Kritik jedoch nachvollziehbar, denn bei der Sogwirkung, die das Buch bei unserem Sohn bisher entfaltet hat, frage ich mich schon, ob Lesen manchmal vielleicht doch schadet. Weil es von anderen wichtigen Erfahrungen abhält. Weil manche Geschichten den ganzen Verstand einzunehmen scheinen und kaum noch Platz für andere Gedanken bleibt. Das Lesen hat ein sehr positives Image, aber gibt es nicht auch hierbei manchmal ein Zuviel des Guten?

Ich hoffe, es wird euch in den nächsten Wochen nicht zuviel Jim Knopf, denn ich habe noch mindestens zwei Blogeinträge zu Michael Endes Roman in der Schublade. Dabei bin ich auch gespannt auf eure Erfahrungen mit Michael Endes Werk. Welchen Einfluss hatte Michael Ende auf euer Leben?

Michael Ende: Wie Jim Knopf nach Lummerland kam. Thienemann 2010. ab 2 Jahren. 6,95 Euro. (Pappbilderbuch)

Michael Ende: Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer machen einen Ausflug. Thienemann 2007. ab 2 Jahren. 5,95 Euro. (Pappbilderbuch)

Michael Ende: Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer. Thienemann 2004. ab 6 Jahren. 14,90 Euro. (Gebunden mit Halbleinen)

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