Zirkusgeschichten: „Bravo Pulcinella“ von Brigitte Endres, mit Bildern von Karsten Teich

Zirkusse galten einmal als Orte des Träumens und Staunens. Als solche waren sie meist mit Kindheitserlebnissen verbunden und hatten in der Vorstellungswelt von Kindern einen festen Platz. Wieviele Clowns traf man an Fasching verkleidet im Kindergarten? Sicher mehr als Supermans oder Spidermans. Heute führen Zirkusse ein Nischendasein. Zwei Beobachtungen habe ich dazu in den letzten Monaten gemacht.

Vor kurzem gastierte der sehr große Zirkus „Krone“ in unserer Stadt. Alles war riesig an diesem Zirkus: das Zelt, der Fuhrpark, die Zäune zur Absperrung. Die Schlange an der Kasse vor den Vorstellungen war auch nicht zu verachten. Uns war der Eintritt zu teuer. Außerdem wurde mir ein schlechtes Gewissen gemacht: Neben dem Eingang demonstrierten Tierschützer gegen die schlechte Behandlung der Zirkustiere. So erscheint der Zirkus als fragwürdige Unterhaltungsmaschine, der nichts von Zauber und Träumen mehr anhaftet.

Daneben gibt es aber auch eine kleine Renaissance des Zirkus: In sozialpädagogischen Projekten und großstädtischen Kinderfreizeitangeboten, wo Kinder lernen, Kunststücke zu vollbringen, sich also konzentriert mit einer Sache zu beschäftigen, diese anderen zu zeigen und Geschicklichkeit und Ausdauer zu trainieren. Der Cabuwazi-Kinder- und Jugendzirkus in Berlin bietet z.B. jungen Menschen in sozialen Brennpunkten Trainings, Auftritte und Austausche mit anderen europäischen Kinderzirkusgruppen. Trotz dieser kleinen Renaissance des Zirkus und der Erkenntnis, welche Wert diese Institution für Kinder haben kann, ist das Thema in Kinderbüchern noch recht selten vertreten.

Die Faszination des Zirkus nimmt das Buch „Bravo Pulcinella!“ von Brigitte Endres mit Bildern von Karsten Teich auf. Die Flohdame mit dem etwas komplizierten und extravaganten Namen Pulcinella mischt fleißig mit im Zirkus Rinaldini. Dort nimmt sie an allen Vorstellungen teil, reitet auf Pferden, dressiert den Elefanten und steht immer im Rampenlicht. Bis ihr eines Tages eine fiese Mücke eröffnet, es würde sie kein Mensch bei den Vorstellungen sehen, der Applaus gelte den großen Tieren und Dompteuren. Sie sei ja viel zu klein, als dass die Zuschauer sie überhaupt bemerken könnten. Pulcinella wird sehr nachdenklich und traurig. Sie verlässt den Zirkus. Glücklicherweise trifft sie ein paar Katzenflöhe, die ihr vom Flohzirkus berichten, wo Pulcinella eine neue Heimat findet und ihre Künste im richtigen Rahmen bestaunt und bewundert werden können.

Eigentlich ist die Geschichte soweit recht stereotyp, aber durch die Einbettung in das Zirkusmilieu wird sie sehr bunt und außergewöhnlich. Die Bilder von Karsten Teich, die den Fokus mal auf die Welt der großen Tiere und Erwachsenen setzen und mal die kleine Pulcinella unter die Lupe nehmen, zitieren klassische Vorstellungen vom Zirkus mit einer Manege, Scheinwerfern und dem staunenden Publikum. Große Bilder voller Trubel wechseln sich ab mit ruhiger gestalteten Seiten und Detailzeichnungen. So macht die Renaissance des Zirkus im Kinderbuch Spaß und die Faszination für diese bunte Welt kehrt zurück.

Brigitte Endres: Bravo Pulcinella! Mit Illustrationen von Karsten Teich. Aufbau Verlag 2011. ab 4 Jahren. 14,90 Euro.

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