Monstermädchen: „Gute Nacht, Carola“ von Jakob Hein und Kurt Krömer, mit Bildern von Manuela Olten

An den Themen „Monster“ und „Gutenachtgeschichten“ kommt man bei Bilder- und Vorlesebüchern nicht vorbei, die Geschichten füllen Regale. In der letzten Zeit werden öfters Mädchen mit nächtlichen Monsterbesuchen konfrontiert, z.B. in „Gute Nacht, Carola“ oder „Marie und die Nachtmonster“ (das ich in einem späteren Beitrag vorstellen möchte). Endlich bekommen sie auch das Recht, sich gegen die bösen Geister aus der Dunkelheit zu wehren. Leider wirkt die Heldin aus „Gute Nacht, Carola“ dabei etwas angestrengt. Ob es am ziemlich altmodischen Namen „Carola“ liegt? So heißt doch heutzutage kein Kind …

Carolas hervorstechende Eigenschaft ist jedenfalls die Furchtlosigkeit, wie im Bilderbuch ausführlich erläutert wird. „Carola fand, wer sich nicht fürchtet, hat mehr Zeit zum Spielen“. So viel Selbstbewusstsein ist beeindruckend. Doch in einer Nacht ist plötzlich alles anders, denn ihr Bruder schläft auswärts und der Vater ist verreist – da fehlen wohl die männlichen Beschützer. Carola kann nicht schlafen und eine tiefe, grauenvolle Stimme ruft aus der Dunkelheit nach ihr. Unter ihrem Bett entdeckt sie ein Monster, dem sie mit viel Courage begegnet. Das „Wesen“ und das Mädchen verwickeln sich in eine Diskussion über das „Böse“. Carola redet im weiteren Verlauf das arme Monster in Grund und Boden, bis es nicht mehr böse sein möchte, sondern sich friedlich unters Bett legt.

Carola erinnert mich an eine ziemlich verbissene, neunmalkluge Emanze, die ihre Umwelt nervt und es schafft, den letzten Geheimnissen ihre Würde zu nehmen. Ob das ein Kommentar der Autoren zum Feminismus sein soll? Trotz dieser unangenehmen Heldin und ihrer wenig überzeugenden, seltsamen philosophisch angehauchten Konversation mit dem Monster, beeindrucken in „Gute Nacht, Carola“ der originelle Bildaufbau und die liebevollen Details in Manuela Oltens Illustrationen. Die Seite, auf der Carola Grimassen schneidet, weil sie nicht schlafen kann, ist großartig.

P.S.: „Gute Nacht, Carola“ sollte mein Weihnachtsgeschenktipp werden. Da mir das Buch dann noch nicht so gut gefiel, wollte ich es nicht ohne Weiteres empfehlen.

Jakob Hein, Kurt Krömer: Gute Nacht, Carola. Mit Bildern von Manuela Olten. Carlsen Verlag 2010. ab 4 Jahren. 14,90 Euro.

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