Mal kein Kinderbuch: „Die verkaufte Kindheit. Wie Kinderwünsche vermarktet werden und was Eltern dagegen tun können“ von Susanne Gaschke

Da Kinderbücher ebenso Konsumgüter sind, wie z.B. Klamotten oder Spielzeug, genauso vermarktet werden und Kinder bzw. Eltern als Käufer finden sollen, hat mich das im letzten Herbst erschienene Buch „Die verkaufte Kindheit“ von Susanne Gasche sehr interessiert und ich möchte euch gerne von meinen Eindrücken beim Lesen berichten.

Eigentlich hatte ich mir einen schlechten Zeitpunkt ausgesucht für die objektive und unvoreingenommene Lektüre von „Die verkaufte Kindheit“: Zu Weihnachten, dem Konsumfest, an dem Spielzeuggeschenke eine wichtige Attraktion ausmachen, erscheinen konsumkritische Argumente und Gedanken noch viel plausibler als in den restlichen Monaten des Jahres.

So entfalteten die Thesen von Susanne Gaschke gut ihre Wirkung. Sie postuliert in ihrem Buch, dass die Kindheit heute schon mit 7 Jahren zu Ende geht, weil Kinder früh die Medien der erwachsenen Kommunikationsgesellschaft nutzen. Ein Zuviel an Konsumkultur behindert Kinder beim Spielen und in ihrer Entfaltung. Überdeterminisierte Spielzeuge (also solche mit zu viel Ausstattung, mit zu vielen Geräuschen und Effekten) lassen keinen Raum für Fantasie. Die Autorin beschreibt, wie Marketingexperten systematisch die Kaufkraft von Kindern abschöpfen möchten, wie „Kids“ in der Sprache der Werber zu Konsumenten gemacht werden und ihre natürliche Neugierde und Begeisterungsfähigkeit ausgenutzt werden soll. Marketing-Fachleute suggerieren, ihnen läge das Wohl der Kinder am Herzen, tatsächlich zählt natürlich nur der Umsatz

Dabei geht sie darauf ein, dass Eltern zwar die Hauptverantwortung für den Konsum ihrer Kinder tragen, dass aber nicht die ganze Verantwortung nur auf den Eltern lasten sollte. Susanne Gaschke fordert, dass über den Medienkonsum von Kindern breiter gesellschaftlich diskutiert wird und dass es kindgerechte Räume geben sollte, die werbefrei sind und nicht von Medien dominiert werden. Als wichtigstes Beispiel führt sie hierbei an, dass Schulen als Schutzzonen gegen Werbung und Marketing fungieren sollen und der Computereinsatz dort kritisch hinterfragt wird. Diese Forderungen finde ich sehr sinnvoll. Man könnte jedoch in dieser Richtung viel weiter gehen und noch konkretere Vorschläge machen, wie Werbeverbote im Umfeld von Kindersendungen. Und warum müssen auf allen Spielsachen diese Aufkleber mit „Fördert Geschicklichkeit, Konzentration etc. Ihres Kindes“ drauf sein? Können Spielsachen nicht einfach Spielsachen sein?

Die praktischen Hinweise, wie man als Eltern mit der Konsumkultur umgehen kann, die im Titel des Buches versprochen werden, sind sehr allgemein gehalten. Nichtkommerzielle Kinderkulturprojekte (Pfadfinder, Abenteuerspielplätze) werden vorgestellt, Bücher als Alternative zum exzessiven Medienkonsum empfohlen und Erziehungsmaximen wie „Kinderzimmer aufräumen“ und „Manieren einüben“ ausgegeben. Ich hätte mir da aber noch konkretere Tipps gewünscht wie z.B. für den Umgang mit Verwandten , die Spielzeug schenken, oder konsumorientierten Freunden in der Schule. So löst das Buch nicht ganz ein, was es verspricht und bedient sich der Logik, die es eigentlich kritisiert.

Susanne Gaschke: Die verkaufte Kindheit. Wie Kinderwünsche vermarktet werden und was Eltern dagegen tun können. Pantheon Verlag 2011. 14,99 Euro.

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