Eine harte Nuss – meine Schwierigkeiten mit dem Phänomen „Janosch“: „Der Josa mit der Zauberfiedel“ von Janosch

Ich war nie ein Tigerentenfan. Es wäre mir niemals in den Sinn gekommen, mein Fahrrad gelb und schwarz gestreift anzumalen. Trotzdem habe ich nun langsam damit angefangen, mich mit dem Phänomen „Janosch“ zu beschäftigen. Dabei erscheint mir dieser Mythos wie eine harte Nuss, die es zu knacken gilt. Die Schale bildet der ganze kommerzielle Komplex um „Oh, wie schön ist Panama“ und dessen Figuren und Zeichnungen. An den Bildern habe ich mich satt gesehen. Die Geschichte mit ihrer Botschaft, dass ein Aufbruch ins Unbekannte wieder zum eigenen Zuhause zurück führt, erscheint mir zutiefst konservativ.

Um den Autor Janosch nicht auf ein Werk zu reduzieren und beim Argument der Kommerzialisierung stehen zu bleiben, habe ich mir die Geschichten um Lari Fari Mogelzahn angeschaut, die vor „Oh wie schön ist Panama“ erschienen sind. Leider war ich wieder enttäuscht. Ich mag die Idee der „wahren Lügengeschichten“ und finde schön, wie die Rollen in den Geschichten klar verteilt sind: der Nussknacker Lari Fari Mogelzahn tischt die Lügen auf, der ehrliche Löwe Hans widerspricht und zweifelt alles an, was Lari Fari erzählt. Trotzdem sind mir die Geschichten zu verspielt, die Dichte an Phantasienamen und -gestalten überfordert mich. Die Handlungsabläufe sind mir zu verworren und beziehen sich auf Welten, zu denen ich keinen Zugang gefunden habe.

Nach dieser Leseerfahrung mit Lari Fari Mogelzahn hatte ich den Eindruck, die Nuss und das Phänomen „Janosch“ noch nicht geknackt zu haben oder aber auf eine faule Nuss gestoßen zu sein. Dann schenkte uns eine Freundin ein älteres Werk aus den künstlerischen Anfangstagen des Autors. Dieses Mal klappte es: Ich mag „Der Josa mit der Zauberfiedel“ sehr gerne, weil die Zeichnungen viel flächiger, verschwommener und expressiver, und nicht so glatt sind. Die Geschichte vom kleinen Josa, der von einem Vogel eine Zauberfiedel geschenkt bekommt, mit der er die Macht hat, Lebewesen kleiner und größer werden zu lassen, hat etwas Märchenhaftes an sich. Dabei scheinen die Namen, Figuren und Handlungselemente einer osteuropäischen, folkloristischen Tradition entnommen zu sein, die mir vertraut ist. Zum Buch gibt es auch eine Vertonung, die ich mir gerne noch anhören möchte. Durch „Josa mit der Zauberfiedel“ habe ich einen interessanten Aspekt des Phänomens „Janosch“ gefunden und kann nun mit gutem Gewissen die kommerzialisierten Figuren und Geschichten ignorieren.

Janosch: Oh, wie schön ist Panama. Beltz 2011. ab 4 Jahren. 5,95 Euro (zuerst 1978 erschienen).

Janosch: Janosch’s wahre Lügengeschichten. Beltz 2011. ab 8 Jahren. 8,95 Euro. Enthält „Lari Fari Mogelzahn“ (1971), „Die Löwenreise“ (1974), „Der Quasselkasper“ (1980).

Janosch: Der Josa mit der Zauberfiedel. Parabel Verlag 1967. ab 4 Jahren. Nur noch antiquarisch erhältlich.

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  1. Das Buch vom Josa hatte ich auch und habe es noch. Es ist ein wunderschönes Buch. Als Kind fand ich die Zeichnungen etwas komisch und teilweise gruselig. Aber es ist ein Buch, was „hängen geblieben“ ist! In der selben Machart findet sich- neu aufgelegt- „Das Auto hier heißt Ferdinand“. Ein Buch für die Kleineren (ca. 3 Jahren). Ich kann auch mit dem Panama – und Tigerenten- Hype nix anfangen und finde wirklich nur die früheren Werke von Janosch schön! Zumal ich einmal gelesen habe, wie er zu „Panama“kam: nämlich aus lauter Verzweiflung, dass seine Werke (inkl. Romane) keinen Anklang fanden. So dachte er zynisch bei sich, dass er nun ein Buch entwerfen werde, welches Müttern, Frauen und Kindern ein leises Seufzen entlockt und sie sogar zu Tränen rührt. Er persönlich stand zu dem Zeitpunkt überhaupt nicht hinter diesem Werk. Jedoch hat es ihm, wohl oder übel, doch ein bisschen mehr Taschengeld verschafft….

  2. Habe „vorgelesen“ kürzlich zufällig entdeckt und schon einige Bücher auf die virtuelle Wunschliste für die nächste Deutschlandreise oder die Zeit nach unserer Rückkehr gesetzt.

    Ganz frei vom Janosch-Hype ist unsere Familie nicht – v.a. die Elterngeneration. In der nächsten Generation werden „Kasper Mütze… (… darf verreisen“ und … hat Geburtstag“) und „Oh, wie schön ist Panama“ heiß geliebt und das völlig losgelöst von der Tiegerentenkommerzialisierung.

    Janosch ist sicherlich ein wenig „in die Jahre gekommen“. Ich würde der Einschätzung „konservativ“ daher eindeutig zustimmen. Allerdings sind die Themen Freundschaft und der Mut zum Abenteuer, die sich durch viele der Janosch-Geschichten ziehen, recht zeitlose Werte.

    • Schön, dass euch die von mir vorgestellten Bücher gefallen. Das mit dem Mut zum Abenteuer stimmt, diese Idee findet sich auch schon in „Josa mit der Zauberfiedel“. Im „Josa“-Buch führt die Reise dann auch wirklich zu einem Ziel, nämlich zum Mond, am Ende der Welt, wo der kleine Junge weiter fiedelt und den Mond größer und kleiner werden lässt, was sein Vater sieht und mit ihm verbunden bleibt. Das finde ich einen schöneren Gedanken, als die Vorstellung, dass man Reisen zu illusorischen Zielen hin unternimmt und sich nur Kleinigkeiten zu Hause ändern.

      • Mir ist auch noch einmal durch den Kopf gegangen, dass ich es beim Vorlesen eigentlich nie so empfunden habe, dass ein Abenteuer einen „nur“ zurück in Altbekanntes bringt. Eher, dass man nicht im emotionalen Nirvana landet, wenn man etwas Verrücktes macht, wie z.B. einem Traum zu folgen, sondern man auch im Neuen auf alte Erfahrungen zurückgreifen kann. Und unabhängig davon, wo man letztendlich ankommt: Der Weg ist das Ziel. Was hätte man alles nicht erlebt, wen man nicht aufgebrochen wäre…

      • Danke für deine Erläuterungen, die ich sehr gut nachvollziehen kann. Diese „emotionale Basis“ ist ja auch sehr wichtig fürs Leben. Ich muss mir die Geschichte nochmal unter diesem Aspekt anschauen. Mit ist immer nur die „Sinnlosigkeit“ der Reise ins Auge gesprungen, vielleicht weil der Bär und der Tiger ihr zu Hause nicht erkennen und deshalb recht „dumm“ und naiv erscheinen ….

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