Kinderbücher global: „Caillou“ von Christine L’Heureux und Hélène Desputeaux

caillouAnfang des Jahres hatten wir das Vergnügen, eine Reise zu unternehmen. Es war die erste Reise für unseren Sohn mit dem Flugzeug. Das war aufregend. Neben den Abläufen am Flughafen und dem ganzen Drumherum um das Fliegen, war auch das Unterhaltungsprogramm im Flugzeug sehr spannend. Wir haben das erste Mal ein Computerspiel ausprobiert. Und haben Caillou kennen gelernt. Er ist kosmopolitischeren Freunden von mir, die aufgrund von binationalen Partnerschaften öfters zwischen Kontinenten hin- und herreisen, schon lange ein Begriff.  Mir fernsehabstinenter Mutter – seit 1998 gibt es eine kanadische Serie, die auch im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wird – war er noch ganz unbekannt.

Caillou ist ein vierjähriger Junge, der fasziniert die Welt entdeckt und von seiner Familie und seinen Freunden durch diese geführt wird. Der Aufbau und das „Strickmuster“ der Geschichten erinnert mich an die „Bobo-Siebenschläfer-Reihe“, nur für etwas ältere Kinder: Der Protagonist meistert in den Episoden alltägliche Herausforderungen. Er bietet viel Identifikationspotential. Unterstützt wird er von seinen Eltern, die immer gute Lösungen parat haben und somit den Vorlesern als Vorbild und Ideengebern dienen können.

Während des Flugs habe ich mir überlegt, warum Turkish Airlines, diese Serie für ihr Unterhaltungsprogramm ausgewählt haben könnte. Ob Caillou unabhängig von der Heimatkultur der ZuschauerInnen funktioniert? Spricht er Kinder egal welcher Herkunft an? Eigentlich sind Erziehungsstile und Kindheiten ja durchaus kulturabhängig. In welchem Maße gilt das auch für Kinderbuchfiguren und Geschichten? Anderen Sprachen gegenüber sind Kinder ja viel aufgeschlossener als Erwachsene. So ist unser Sohn auch sehr bereitwillig dem Englisch gefolgt, das in der Serie gesprochen wurde. Vertrauen auch andere Airlines dieser recht erfolgreichen Figur? Fragen über Fragen, die weiter gereiste und in mehr als einer Kultur aufgewachsene Menschen vielleicht beantworten können. Für Expertenmeinungen bin ich sehr dankbar.

Christine L’Heureux und Hélène Desputeaux: Caillou und der verregnete Tag. Panini-Books 2008. ab 3 Jahren. 6,95 Euro. Die Reihe umfasst 16 Bände.

P.S.: Die Autorschaft der Serie ist etwas unklar. Es scheint einen Streit zwischen den ErfinderInnen der Serie und späteren Rechteinhabern zu geben – siehe die Webseite von Hélène Desputeaux.

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  1. Verrückt. Da habe ich noch nie drüber nachgedacht, dass Kinderbücher ja auch immer die kulturell bedingten Vorstellungen von Erziehung mittransportieren und ob es da nicht zu Missverständnissen kommt. Bzw. die armen Übersetzer schwer wirbeln müssen oder manches eben gar nicht übersetzt wird. Oder ob es wirklich Dinge gibt, die einfach funktionieren… Sehr spannend.

    • Ja, ich habe mich wirklich gefragt, ob chinesiche Kinder etwas mit den „Caillou-Geschichten“ anfangen können. Allein schon die Essensituationen sind ja schon sehr verschieden. Aber vielleicht ist das für Kinder noch gar kein Problem, weil sie nicht darüber reflektieren, was da anders ist und wo der Bezug zu ihrem Leben ist oder nicht.

      • Witzigerweise habe ich über etwas ähnliches nachgedacht, als ich vor einigen Monaten mal wieder meine alten Asterixhefte gelesen habe. Denn da ist mir jetzt aufgefallen, wie – naja, französisch die (natürlich) alle sind. Die Diskussionsfreudigkeit wäre also für französische Kinder (der Generation) wohl nicht so erstaunlich; ich weiß, dass ich das als Kind schon anders, aber sehr großartig fand. Und in meiner Doktorarbeit haben BRD-Autoren der 1950er/60er den mongolischen Tschingis Khaan gerne Angeln geschickt, was natürlich das prima Identifikationsangebot für die heimischen, bürgerlichen Leser war – aber Mongolen gehen grad nicht angeln. Ob es da also doch Grenzen gibt? Nee, sooo spannend.

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