Vorankündigungen: „Kiebich und Dutz“ in Frankfurt und Buchmesse in Leipzig

Vor einiger Zeit habe ich über meine Entdeckung des Theaterstücks (und des dazugehörigen Buchs und Films) „Kiebich und Dutz“ von F.K. Waechter berichtet. Bei meinen Recherchen bin ich auch auf den Spielplan des Schauspiels Frankfurt gestoßen. Dort wurde das Stück in einer Inszenierung von Lily Sykes angekündigt, gestern war die Premiere. Die Szenenfotos sehen sehr bunt aus. Ich würde es selbst so gern sehen, habe aber in den nächsten Monaten wahrscheinlich keine Zeit für den weiten Weg nach Hessen. Über Eindrücke und Berichte von Besuchern würde ich mich riesig freuen!

Nach Frankfurt schaffe ich es nicht, aber nach Leipzig! Am nächsten Donnerstag ist es so weit und ich habe zwei sehr beschäftigte Tage vor mir. Es stehen jede Menge interessante kinderliterarisches Programmpunkte auf meinem Plan und ich freue mich auf viele neue Entdeckungen, über die ich natürlich im Blog berichten werde.

Blogfütterung

vogelhäuschenWenn Blogleser Vöglein wären … im Winter auf der Suche nach etwas Nahrung für den Kopf … ein paar Körner, Ideen, Bücher für die langen, dunklen Winterabende … dann möchte der Pincchio gerne helfen und stellt sein Vogelhäuschen nach draußen.

Wie im Vogelhäuschen gibt es heute ein paar kleine Körner, denn für einen großen, leckeren Meisenknödel mit Haferflocken und Nüssen reicht die Zeit im Moment leider nicht. Wenn wir tiefer in die Kunst der  Vogelfütterung eingestiegen sind, dann gibt es ein paar leckere selbst gemachte Futterangebote – und kein industriell hergestelltes Massenfutter – das Internet hat dafür auch schon etwas bereit.

Hier aber erst einmal die kleinen Körner:

– Anfang des Jahres wurde die Blogbetreiberin gebeten, Ihren Blog in einer Reihe,  bei der buchaffine Blogs präsentiert werden, vorzustellen. Dazu habe ich ein kleines Interview gegeben, das hier nachzulesen ist.

– Eine weitere Interviewanfrage von einem befreundeten Blog wird mich in den nächsten Wochen noch ein bisschen beschäftigen. Ich sage euch Bescheid, wenn der Text fertig ist.

– Ich hatte von meinem Umgang mit der Koskosnuss-Reihe berichtet. Ich habe es geschafft, die Figur für eine Weile zu verdrängen … und zwar mit „Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt“. Ein großartiges Kinderbuch, über das ich demnächst gerne mehr schreiben möchte. Da es aber recht umfangreich ist, brauche ich für einen Bericht noch ein Weilchen.

– Eine schöne Lektüre hat uns vor kurzem unser Kindergarten beschert, mit einem so genannten Ich-Buch. Wir sollten Fotos mitbringen und unser Sohn hat der Erzieherin erzählt, was darauf zu sehen ist. Dieser kleine Text wurde aufgeschrieben, die Fotos dazu geklebt und das Ganze mit einem Klemmhosenbügel zusammengebunden. Es war für mich ein sehr rührender Moment, in dem kleinen Buch zu blättern.

– Und zum Schluss noch ein kleiner Berlin-Tipp: Im Zentrum für Kinder- und Jugendliteratur „lesart“ in der Weinmeisterstraße in Berlin-Mitte ist im Moment eine spannende Ausstellung zu Märchenillustrationen zu sehen.  Hier gibt es nähere Informationen dazu.

Viel Spaß beim Picken und Knabbern!

Weihnachtsgrüße

weihnachten 2012Ich wünsche Euch allen frohe Weihnachtsfeiertage mit zahlreichen schönen Vorlesestunden, wunderbaren Geschichten und viel Spaß beim Auspacken von Buchgeschenken.

Wahrscheinlich (hoffentlich) werde ich über die Feiertage auch Zeit und Muße haben, um mich mit einigen schönen Büchern zu beschäftigen und „Futter“ auf Vorrat für den Blog zu produzieren. Mal sehen, wie es dann hier im Neuen Jahr weiter geht.

Einen Post habe ich noch parat und den wollte ich euch gerne zur Unterhaltung über die Feiertage mitgeben. Daher gibt es heute gleich zwei Mal Nachrichten vom Blog. Viel Vergnügen beim Schmökern!

Ein Jahr ohne Buchmesse!

In den letzten vier Jahren war ich Gast bei der Frankfurter Buchmesse. Dabei habe ich viele spannende Entdeckungen gemacht, Bekanntschaften getroffen und mich durch den Messetrubel treiben lassen. In diesem Jahr kann ich nicht dabei sein. Ein leichtes Kribbeln steigt beim Gedanken daran in mir auf und ich male mir aus, wie es wäre, sich doch noch schnell in den Zug zu setzen, was aber derzeit wirklich unmöglich ist …

So begnüge ich mich damit, am Freitag abend die Verleihung des Deutschen Kinder- und Jugendliteraturpreises via Internet zu verfolgen und die Pressematerialien durchzusehen. Am Samstag mache ich mich dann auf den Weg in einen Buchladen, erstehe den Gewinner in der Sparte „Bilderbuch“ und berichte im Blog von meinen Eindrücken. Dann brauche ich hoffentlich keinen Messetrubel für eine schöne Buchentdeckung. Und im Frühjahr probiere ich mal die Leipziger Buchmesse aus – da war ich schon sehr, sehr lange nicht.

Zwei Mal Kamishibai in Neukölln

Ende August hatte ich hier ein kleines Experiment angekündigt: Eine Freundin und ich, wir haben in Berlin-Neukölln einen Kamishibai-Workshop vorbereitet. Wir haben ein Theater gebastelt, eine Geschichte geschrieben und illustriert. Im Zuge unserer „Werbemaßnahmen“ zum Erzählnachmittag ergab sich spontan der Kontakt zur Pfarrerin der Genezareth-Kirche in Neukölln, die uns zum „Nachbarschaftsfest ‚WortReich‘ des interkulturellen Zentrum Genezareth“ einlud.

Diese Einladung nahmen wir gerne an und fanden uns am Freitag, 07. September auf dem Herrfurthplatz wieder, mit einem recht großen Stand und unserem kleinen Theater. Zuerst kamen wir uns ein bisschen verloren vor. Die anderen Stände boten jede Menge Sprachspiele, Bücher, Bilder und vor allem Süßigkeiten. Da kam uns unser Angebot nicht ganz konkurrenzfähig vor. Dann wurden wir jedoch sehr überrascht: Unsere Idee, die Kinder Bilder malen zu lassen, sie im Theater zu zeigen und zu erzählen, was darauf passiert, funktionierte nämlich prächtig. Ganz ohne Süßigkeiten! Wir sammelten so jede Menge schöne Bilder und Geschichten von Mondraketen, Fußballspielen, um die Welt reisenden Drachen, Sonnen in verschiedenen Farben und Autos. An den Themen seht ihr schon, dass vor allem Jungs bei unserem kleinen Theater vorbeikamen.

Der Stand beim Gemeindefest war also eine sehr gute Vorbereitung für unseren Workshop im Kulturcafé Fincan am Sonntag. Hier war unsere Teilnehmerzahl etwas kleiner, dafür waren die beiden Besucherinnen Merle und Hanna umso engagierter und begabter. Es klappte wunderbar, mit den beiden eine Geschichte zu entwickeln, Bilder dazu zu malen und das Ganze in Worte zu kleiden. Zwei Stunden arbeiteten wir konzentriert zusammen, bis wir uns eine Stärkung mit Kuchen und Tee verdient hatten. Den Höhepunkt des Nachmittags stellte die Aufführung der Geschichte vor den Eltern dar, die die beiden Kamishibai-Erzählerinnen wunderbar bewältigten.

Nun überlegen wir, ob und wie wir unseren Kamishibai-Erzählnachmittag verstetigen, wo und wie wir evtl. mit Grundschulen zusammenarbeiten, wo und wie wir finanzielle Unterstützung für unsere Materialkosten herbekommen. Der erste Probedurchgang des Experiments war also ganz erfolgreich, nun basteln wir an einer Fortsetzung, denn Kamishibai ist wirklich spannend.

Urzeitroboter – Der Gewinner!

Nachdem ihr meine Wertung ja schon kennt, hier noch das offzielle Ergebnis des Wettbewerbs. Denn nun steht er fest, der Gewinner des Urzeitroboterpreises und somit das lustigstes Bilderbuch 2012.

Es ist „Das bewegte Buch“ von den Krickelkrakels. Herzlichen Glückwunsch!

Die Preisverleihung fand am 03. September in Hamburg, bei einem Grillen vorm Verlagshaus von Gruner+Jahr statt. Der Gewinner wurde am 05. September in der letzten Ausgabe der Brigitte MOM bekannt gegeben. Wahrscheinlich wurde den Autoren dort auch die Trophäe überreicht. Auf der Seite des „Urzeitroboter“ kann man sicher bald Fotos von der Veranstaltung sehen.

Hier noch die Top 5 aus den 12 der Jury vorgeschlagenen Büchern:

  1. „Das bewegte Buch“ (Oetinger) mit 12 Punkten
  2. „Sieben Hamster“ (Gerstenberg) mit 10 Punkten
  3. „Alle Kinder“ (Klett) mit 8 Punkten
  4. „Opa Jan und der turbulente Geburtstag“ (Esslinger) mit 7 Punkten
  5. „10 kleine Schafe“ (Loewe) und „Herr Anders“ (Tulipan) mit jeweils 6 Punkten

Meine Top 3 für den „Urzeitroboter“

Nun musste ich meine Entscheidung recht schnell fällen, denn die Redaktion der „Brigtte Mom“ hat die Deadline für den Urzeitroboter einfach kurzerhand um zwei Wochen nach vorne verlegt. Aber eigentlich hatten sich meine Favoriten ja schon schnell herauskristallisiert. Hier sind meine Top 3:

3 Punkte – Alexis Deacon und Viviane Schwarz: Sieben Hamster. Wie wir das Meer überquerten, den Berg bestiegen, die Wüste überlebten – und ein neues Zuhause fanden. Gerstenberg Verlag 2011. ab 3 Jahren. 12,95 Euro.

2 Punkte – Anke Kuhl und Martin Schmitz-Kuhl: Alle Kinder. Ein ABC der Schadenfreude. Klett Kinderbuch 2011. ab 6 Jahren. 12,90 Euro.

1 Punkt – Die Krickelkrakels: Das bewegte Buch. Oetinger Verlag 2011. ab 4 Jahren. 12,95 Euro.

Am 05. September werden dann die Sieger des Preises bekannt gegeben. Ich bin sehr neugierig, wie sich die anderen Jurymitglieder entschieden haben.

Kinderbücher aus aller Welt. Eine neue Reihe im Blog

Ich habe selbst zwei Mal längere Zeit im Ausland gelebt. Ich bin sehr gerne in andere Kulturen eingetaucht, die natürlich in Büchern ideal präsentiert werden. Besonders spannend stelle ich es mir vor, mit einem kleinen Kind im Ausland zu leben.

Um etwas über dieses Leben und die Welt der Kinderbücher in anderen Ländern zu erfahren, möchte ich gerne eine kleine Reihe ins Leben rufen. Ich möchte über Eltern berichten, die im Ausland leben und von ihren Erfahrungen mit fremdsprachigen Kinderbüchern erzählen. Ein paar Anknüpfungspunkte habe ich schon, würde mich aber sehr freuen, wenn sich noch Leser des Blogs bei mir melden würden.

Also: Falls ihr gerade im Ausland lebt, schreibt mir, welche Bücher des Gastlandes ihr euren Kindern vorlest, welche Beobachtungen ihr zur Kinderliteratur, besonderen Titeln, Vorlesegewohnheiten bei einheimischen Familien und in Betreuungseinrichtungen gemacht habt. Zusammen mit euch würde ich dann gerne Beiträge erarbeiten. Wie so ein Beitrag aussehen kann, erfahrt ihr in den nächsten Tagen am Beispiel eines Berichts über japanische Kinderbücher. Ich freue mich sehr über eure Rückmeldungen!

Wie das Vorlesen mein Verständnis von Literatur verändert

Ich schreibe nicht nur in meinem Kinderbuchblog, sondern arbeite ab und zu auch bei einem Blog für Erwachsenenliteratur mit. Er heißt „leserleben“ und vor kurzem erschien dort ein Beitrag mit dem Titel „Gedanken einer unperfekten Leserin“, auf den ich geantwortet habe. Da diese Antwort das Vorlesen thematisiert, nehme ich den Artikel hier auf.

„Ja, ich bin eine professionelle Leserin. Ich habe Literaturwissenschaft studiert, sogar in diesem Fach promoviert, unzählige Romane, Gedichte, Erzählungen, Essays und anderes gelesen und damit gearbeitet. Einige Texte waren wichtig für meine wissenschaftliche Beschäftigung mit Literatur – „Berlin Alexanderplatz“ von Alfred Döblin zum Beispiel oder „Peter Schlehmils wundersame Geschichte“ von Adelbert von Chamisso – und ich habe sie dementsprechend sehr oft gelesen. Welche Augenfarbe Franz Biberkopf hat, weiß ich aber immer noch nicht.

Meine Motivation, Literaturwissenschaft zu lernen, lag genau in dem Gefühl, das du beschreibst, liebe Anne – eine unperfekte Leserin zu sein und es gerne besser zu machen. Das Studium und die Promotion konnten mich diesem Ziel jedoch nicht wirklich näher bringen. Erstens haben mich andere Bereiche interessiert als das so genannte close reading – was das Ziel hat, so tief in ein Werk einzusteigen, das man jedes Detail kennt und es mit Bedeutung füllen kann. Ich fand immer eher den Zusammenhang von Literatur und Gesellschaft spannend. Zweitens lernt man dieses sehr genaue Lesen auch nicht im Studium. Dafür ist die Zeit für die einzelnen Werke immer viel zu knapp (oder meine Gehirnkapazität zu beschränkt). Die Beschäftigung mit der Literaturgeschichte verführt eher zum „Bulimie“-Lesen. Man hat immer das Gefühl, nicht genug zu kennen und gelesen zu haben. In jedem Zeitabschnitt gibt es unzählige neue Werke und Autoren zu entdecken. Man vergisst dabei jedoch vieles, weil auch die meisten Texte es nicht wert sind, dass man sie wieder und wieder liest.

Im Studium und in der Promotion habe ich gelernt, wie man über Bücher sprechen und schreiben kann, mit welchen Worten man einfangen kann, was auf den Seiten passiert. Welche Bedeutung dieses Geschehen aber für mich als subjektive Leserin hat, die in Literatur immer auch ein Stück Lebensweisheit sucht, damit sie klüger in ihrem eigenen Leben handelt, das habe ich erst seit kurzem entdeckt, durch das Vorlesen. Bei diesem täglichen Ritual passiert so vieles Erstaunliches und es vermittelt mir so viele Erkenntnisse, nach denen ich schon lange gesucht habe. Da mein Zuhörer die gleichen Texte wieder und wieder verlangt, kenne ich diese inzwischen schon sehr gut. Der kleine Zuhörer kennt sie jedoch meistens noch besser.

Ich bin immer wieder erstaunt, wieviele neue Dinge man aus einem eigentlich schon bekannten Text erfährt. Wahrscheinlich hängt das mit der Wahrnehmung zusammen, die sehr stimmungsabhängig ist und sich ständig ändert. Das tägliche Ritual erlaubt immer neue Sichtweisen auf die Geschichten – je nachdem, ob ich gerade traurig, fröhlich, wütend, müde, aufgeregt oder genervt bin – das Vorlesen gehört zum Tagesablauf. Die eigenen Gefühlsregungen schlagen sich ja auch in der Stimme nieder. Diese lernt man beim Vorlesen ziemlich genau kennen und wundert sich, welche verschiedenen Klangfarben sie annehmen kann, am Abend, am Nachmittag, am Morgen. Und so verändern sich dann auch die Texte. Das Spannende an der Kinderliteratur ist meines Erachtens hierbei auch, dass diese so offen ist für verschiedenen Deutungen. Die Ideen und Werte sind nicht versteckt hinter Bergen von Wörtern, sie liegen meist klar und deutlich vor dem Leser und müssen nicht so mühsam herausgearbeitet werden. Das erleichtert das Nachdenken darüber und macht Perspektivenwechsel einfacher.

Ich habe Literaturwissenschaft studiert, weil ich fasziniert war vom Medium Buch und wissen wollte, wie man Literatur verstehen kann. In der Beschäftigung mit Zahlen, Fakten und Entwicklungen von Epochen, Werken und Autoren wurde mein Zugang zu Literatur aber verschüttet. Bücher sind mir fremd geworden. Erst durch das Vorlesen weiß ich wieder, was mir literarische Texte bedeuten. Dass ich darin nämlich Antworten auf Fragen, Hilfe in bestimmten Lebenssituationen und ein Werkzeug zum Verständnis der Welt finden kann. Bücher unterstützten mich nun wieder dabei, „bewusst“ zu werden.“