Urzeitroboter – Der Gewinner!

Nachdem ihr meine Wertung ja schon kennt, hier noch das offzielle Ergebnis des Wettbewerbs. Denn nun steht er fest, der Gewinner des Urzeitroboterpreises und somit das lustigstes Bilderbuch 2012.

Es ist „Das bewegte Buch“ von den Krickelkrakels. Herzlichen Glückwunsch!

Die Preisverleihung fand am 03. September in Hamburg, bei einem Grillen vorm Verlagshaus von Gruner+Jahr statt. Der Gewinner wurde am 05. September in der letzten Ausgabe der Brigitte MOM bekannt gegeben. Wahrscheinlich wurde den Autoren dort auch die Trophäe überreicht. Auf der Seite des „Urzeitroboter“ kann man sicher bald Fotos von der Veranstaltung sehen.

Hier noch die Top 5 aus den 12 der Jury vorgeschlagenen Büchern:

  1. „Das bewegte Buch“ (Oetinger) mit 12 Punkten
  2. „Sieben Hamster“ (Gerstenberg) mit 10 Punkten
  3. „Alle Kinder“ (Klett) mit 8 Punkten
  4. „Opa Jan und der turbulente Geburtstag“ (Esslinger) mit 7 Punkten
  5. „10 kleine Schafe“ (Loewe) und „Herr Anders“ (Tulipan) mit jeweils 6 Punkten
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Meine Top 3 für den „Urzeitroboter“

Nun musste ich meine Entscheidung recht schnell fällen, denn die Redaktion der „Brigtte Mom“ hat die Deadline für den Urzeitroboter einfach kurzerhand um zwei Wochen nach vorne verlegt. Aber eigentlich hatten sich meine Favoriten ja schon schnell herauskristallisiert. Hier sind meine Top 3:

3 Punkte – Alexis Deacon und Viviane Schwarz: Sieben Hamster. Wie wir das Meer überquerten, den Berg bestiegen, die Wüste überlebten – und ein neues Zuhause fanden. Gerstenberg Verlag 2011. ab 3 Jahren. 12,95 Euro.

2 Punkte – Anke Kuhl und Martin Schmitz-Kuhl: Alle Kinder. Ein ABC der Schadenfreude. Klett Kinderbuch 2011. ab 6 Jahren. 12,90 Euro.

1 Punkt – Die Krickelkrakels: Das bewegte Buch. Oetinger Verlag 2011. ab 4 Jahren. 12,95 Euro.

Am 05. September werden dann die Sieger des Preises bekannt gegeben. Ich bin sehr neugierig, wie sich die anderen Jurymitglieder entschieden haben.

Endspurt! Urzeitroboter 10. Teil: „Keine Sorge, Paulchen!“ von David Melling, „Opa Jan und der turbulente Geburtstag“ von Marius van Dokkum, „Hexe Hatschi macht Geschichten“ von Brigitte Endres und Andrea Hebroch

Ich muss es zugeben: ein wenig hat mein Urzeitroboter-Elan in den letzten Wochen nachgelassen. Zwölf Buchbesprechungen hintereinander sind wirklich ganz schön viel … Daher kürze ich nun zum Ende hin die Prozedur etwas ab und beschränke die Vorstellung der letzten drei Bücher auf ein kurzes Fazit. Das ist ungerecht für die Bücher, die irgendwie nach ganz unten gerutscht sind auf meinem Stapel, ich weiß. Nun wurde aber sogar noch der Einsendeschluss für die Bewertungen nach vorne verlegt, weil meine Jury-KollegInnen scheinbar so fleißig waren und es stehen noch so so viele neue Themen aus.

Hier die Kurzurteile:

David Melling: Keine Sorge, Paulchen. Oetinger Verlag 2011. ab 3 Jahren. 12,95 Euro.

Eine neue Geschichte für jüngere Kinder vom renommierten, britischen Zeichner David Melling, der für seinen Humor bekannt ist. Die großen Bären sind sehr niedlich. Die Geschichte um ein Missgeschick mit einer Wollmütze, das verschiedene Tiere mit unterschiedlichen Vorschlägen beheben möchten, hat für mich nichts Besonderes. Lustig ist das Verzeichnis verschiedener Mützensorten am Ende des Buches. Vom tapsigen Bären Paulchen gibt es noch zwei weitere Bände.

Marius van Dokkum: Opa Jan und der turbulente Geburtstag. Esslinger-Verlag 2012. ab 3 Jahren. 12,90 Euro.

Der Titel hält, was er verspricht: Die Geschichte ist wirklich turbulent. An seinem Geburtstag steckt Opa Jan in der Toilettenschüssel fest, erlebt ein Flugabenteuer und badet im Froschteich. Die Schadenfreude wird mal wieder bedient, Slapstick halt. Opa Jan nimmt alles mit sehr viel Humor hin und am Ende erscheint es allen wie ein gelungener Tag … Die Bilder sind ebenso quirlig wie die Geschichte, aber nicht überfrachtet. Eigentlich ein sehr nettes Buch.

Brigitte Endres: Hexe Hatschi macht Geschichten. Coppenrath-Verlag 2011 ab 5 Jahren. 12,90 Euro.

Hatschi ist eine Hexe, aber sie will gar keine sein. Lieber wäre sie ein ganz normales Kind. Aber Hastchi ist eine Niesehexe, die beim Niesen hext und zwar immer lauter unvorhergesehene Dinge. Ihre Hexentante hilft ihr dann meist dabei, den Schaden aus den Hexereien wieder gut zu machen … Ich war noch nie von Bibi Bloxberg begeistert und musste bei diesen Geschichten immer gähnen.

In den nächsten Tagen folgt dann die Bekanntgabe meiner drei Favoriten.

Urzeitroboter 9. Teil: „Tatu und Patu und ihr verrückter Kindergarten“ von Aino Havukainen und Sami Toivonen

Diesem Buch bin ich mit einigen Vorurteilen begegnet. Es schien auf den ersten Blick überhaupt nicht meinem Geschmack zu entsprechen, denn es wirkte  sehr laut, sehr bunt, sehr wimmelbuchmäßig, irgendwie zu überdreht.

Beim ersten Lesen  war ich auch recht irritiert über die Geschichte und die Sprache: Die beiden verrückten Erfinder Tatu und Patu, comicartige Figuren, die zugleich kindlich und erwachsen wirken, haben einen Wellnesstag im Schwimmbad gewonnen. Statt in der „Nass-Oase“ landen die beiden in der „Kindergarten-Spaß-Oase“ nebenan. Dort gibt es die Schlammpackung aus dem Sandkasten und auf dem Spielplatz finden sich Fitnessgeräte. Die Brüder haben jede Menge Spaß und die anderen Kinder im Kindergarten auch. Die aus Werbeprospekten übernommenen Sprüche der beiden Erfinder befremden erst einmal niemanden, außer die erwachsenen Vorleser …

Hier liegt dann auch der Reiz des Buchs, denn dieses bietet viele humorvolle Einfälle für Erwachsene. So wird zum Beispiel der Bildungsehrgeiz in Kindertagesstätten auf die Schippe genommen. Ein Baby, das überall Sätze auf Latein hinkritzelt, begegnet den Lesern in mehreren Bildern. Solche Details gibt es noch mehr zu entdecken. Und auch die Grundidee der Geschichte, dass nämlich Kinder, die „Erwachsene“ spielen, in eine Kindergartenwelt kommen, erweist sich als recht interessant und originell.

„Tatu und Patu und ihr verrückter Kindergarten“ ist ein Fortsetzungsband zu „Tatu und Patu und ihre verrückten Maschinen“, den ich mir nun wahrscheinlich auch einmal ansehen werde, denn die Geschichte hat mich neugierig gemacht.

Fazit: Das Buch wirkt auf den ersten Blick recht schrill (negativ). Die Geschichte ist gespickt mit ironischen Spitzen, die zuerst einmal Erwachsene verstehen (aber auch Kindergartenkinder können durchaus schon Ironie erkennen, habe ich mal gelesen) (positiv). Die beiden verrückten Erfinder sind mir dennoch aber nicht so richtig sympathisch. (neutral)

Aino Havukainen und Sami Toivonen: Tatu und Patu und ihr verrückter Kindergarten. Aus dem Finnischen von Elina Kritzokat. Thienemann Verlag 2011. ab 4 Jahren. 12,95 Euro.

Urzeitroboter 8. Teil: „Herr Anders“ von Eva Schatz und Stefanie Reich

Eine Warnung vorne weg: Dieses Buch habe ich überhaupt nicht verstanden. Es hat mich ratlos gemacht, denn es wird als eine Geschichte über die Toleranz gegenüber Eigenarten von Menschen angekündigt, entpuppt sich dann aber als schnöde Liebesgeschichte, in der die Suche nach Gemeinsamkeiten und Gleichartigkeiten im Vordergrund steht. Beim Lesen habe ich mich gefragt, ob es sinnvoll ist, Kindern eine solche Geschichte, die das für Kinder total abstrakte Konzept von romantischer Liebe verhandelt, vorzulesen. Noch dazu in einer so kitschigen Form? Ist das nicht Erwachsenenkram, der Kinder sowieso nicht interessiert?  Werden die Ärmsten (vor allem Mädchen) nicht früh genug mit Schmalzgeschichten allerorten, die romantisierende Vorstellungen verbreiten, konfrontiert?

Hier der Klappentext für einen Einblick: „Herr Anders wünscht sich eine Freundin. Aber das ist gar nicht so einfach. Denn Herr Anders ist anders: er duscht morgens mit Himbeersirup, isst gern Telefon mit Quark und geht mit seiner Schnecke spazieren. Doch dann lernt Herr Anders eine Frau kennen, die genauso besonders ist, wie er selbst.“ … und die ihm seine Lieblingsspeise kocht.In dieser Geschichte stecken Klischees ohne Ende: die beiden verlieben sich auf den ersten Blick, die Frau erlöst den Mann aus seiner Traurigkeit und bringt mit ihrem geblümten Kleid neue Freude in sein Leben.

Eine merkwürdige Position nehmen dabei die Illustrationen ein: Die Figuren sehen mit ihren großflächigen Gesichtern wirklich zauberhaft aus und haben auch mich zuerst sehr angesprochen. Auf den zweiten Blick merkt man aber, dass Sie jedoch den sehr niedlichen Eindruck verstärken, der das Buch wie Kitsch wirken lässt. Hier ist alles viel zu dick aufgetragen, fehlen nur noch die rosaroten Wolken. Und worin der Witz und Humor der Geschichte bestehen soll, hat sich mir beim besten Willen nicht erschlossen.

Mein Fazit: Die Thematik scheint mir für Kinder nicht geeignet. (minus) Ich habe nicht verstanden, warum das Buch lustig sein könnte. (minus)

Eva Schatz und  Stefanie Reich: Herr Anders. Tulipan Verlag 2011. ab 4 Jahren. 14,95 Euro.

Urzeitroboter 7. Teil: „Ich bin der König“ von Leo Timmers

Halbzeit! Die Hälfte der Bücher des „Urzeitroboter“-Preises habe ich vorgestellt. Bis Ende Juli sollte ich mich für eine Rangfolge entschieden haben. Da muss ich mich ganz schön spurten, um noch alle Bücher vorzustellen. Jetzt kommen aber ein paar Titel, die mir nicht so gut gefallen haben, da „erledige“ ich mal schnell in den nächsten Tagen nebenbei die Verrisse …

Das Buch von Leo Timmers beschreibt, wie sich die Tiere um die Krone des Dschungelkönigs streiten. Jedes Tier möchte sein Anrecht auf die Anführerrolle durch seine hervorstechende Eigenschaft begründen. Am Ende geht der Löwe als der wahre König der Tiere aus dem Streit hervor. Zwar sind die Zeichnungen mit den verschiedenen Körperteilen, auf welche die Tiere die Krone stecken, ganz lustig – der Elefant zwängt sie zum Beispiel über ein Bein, dem Affen rutscht sie vor die Augen – ansonsten hat das Buch aber nichts Besonderes an sich, das mich besonders zum Lachen oder Nachdenken anregen würde.

Leo Timmers: Ich bin der König. Bohem Press 2011. ab 3 Jahren. 11,95 Euro.

Urzeitroboter 6. Teil: „Sieben Hamster“ von Alexis Deacon und Viviane Schwarz, übersetzt von Michael Gutzschhahn

Ich mag das „Hänschen-klein-Motiv“, also Geschichten, die vom Verlassen eines alten Zuhauses und dem Aufbruch in einer neue Welt handeln, sehr gerne. Und diese hier gefällt mir besonders gut. Der Untertitel fasst schon die Handlung zusammen: „Wie wir das Meer überquerten, den Berg bestiegen, die Wüste überlebten – und ein neues Zuhause fanden.“ Den kleinen Hamstern ist nämlich ihr dunkles Loch, in dem sie bisher gelebt haben, zu eng geworden. Bei ihrer Suche nach einem neuen Zuhause müssen sie einige Gefahren bestehen, werden am Ende aber mit einem wunderbaren neuen Zuhause belohnt.

Die Komik des Buches besteht in seiner Form und den Situationen, in die die kleinen Helden geraten. Die Geschichte ist comicartig gestaltet. Die Hamster haben eigene Stimmen, die in Sprechblasen eingefügt sind. Auf einer Doppelseite springen sie wie kleine Teenage Mutant Heroe Turtles durchs Bild. Dabei ist die Comic-Ästhetik aber nicht aufdringlich. Die Illustrationen bleiben klar und übersichtlich, sind nicht überfrachtet. Beim Vorlesen ist der Comicstil recht gewöhnungsbedürftig, weil man keine lineare Geschichte einfach so „runterliest“. Dafür hat es aber auch seinen Reiz, denn jeder kleine Hamster bekommt eine Stimme. Es werden verschiedene Perspektiven auf die einzelnen Situationen vermittelt. Und die drolligen, zuerst ängstlichen, etwas ungeschickten, dann aber sehr mutigen Hamster fanden wir sehr lustig.

Mein Fazit: Die Geschichte von den kleinen Hamstern macht Mut. (plus) Der Comic-Stil, in dem das Bilderbuch gestaltet ist, ist innovativ und zeigt sehr gut die komischen Situationen, in die die kleinen Helden geraten. (plus)

Alexis Deacon und Viviane Schwarz: Sieben Hamster. Wie wir das Meer überquerten, den Berg bestiegen, die Wüste überlebten – und ein neues Zuhause fanden. Gerstenberg Verlag 2011. ab 3 Jahren. 12,95 Euro.

Urzeitroboter 5. Teil: „Lieselotte macht Urlaub“ von Alexander Steffensmeier

Bauernhofgeschichten sind modern. Seit in allen Medien ständig beklagt wird, dass Kinder nicht mehr wissen würden, woher das Schnitzel auf ihrem Teller kommt, erfahren Berichte über Ferien auf dem Bauernhof, Schrebergärten und Landidyllen in Büchern eine besondere Aufmerksamkeit.

Ich bin zwar auf dem Dorf aufgewachsen und habe das Schicksal von Hühnern, Schweinen und Kaninchen erlebt, hatte aber immer ein sehr distanziertes Verhältnis zu Tieren. Hunde machten mir Angst, Katzen fand ich hinterhältig und der Gedanke daran, einen kleinen Hasen zu streicheln, verursachte Gänsehautschauer. Die einzigen Haustiere, die ich mir vorstellen kann, sind Fische. Insofern stehe ich Bauernhofgeschichten etwas skeptisch gegenüber. Wie im vorigen Beitrag zu Michel aus Lönnerberga schon erwähnt, hielt sich die Begeisterung für Traktoren bei unserem Sohn, der normalerweise alles liebt, was fährt, bisher ebenso in Grenzen. Auch ihn schien das Thema „Bauernhof“ nicht sonderlich zu interessieren.

Die sehr erfolgreiche Lieselotte-Reihe von Alexander Steffensmeier bedient sich des Bauernhoftrends und knüpft zudem an bewährte Kinderbücher aus Skandinavien an. Die Anleihen bei den „Pettersson und Findus“-Büchern sind meines Erachtens nicht zu übersehen: Hühner spielen eine wichtige Rolle und die Zeichnungen sind sehr detailreich.

So hatte sich bei mir eine sehr kritische  Haltung gegenüber der Reihe eingestellt. „Lieselotte macht Urlaub“ ist nicht der erste Reihentitel, den ich kennen gelernt habe und bisher fand ich die Geschichten immer ein bisschen mau: vor allem die Lösungen der Konflikte schienen mir oft an den Haaren herangezogen. Das für den „Urzeitroboter“ nominierte Buch wirkte auf mich beim ersten Blick darauf auch konventionell, aber dann habe ich mich in den Zeichnungen verloren, die sehr lustig sind. Eines Tages kommt eine Postkarte von ihrem Freund, dem Postboten, bei Lieselotte an. Daraufhin möchte die verrückte Kuh auch Urlaub machen, trabt zur Bushaltestellte und wartete vergeblich auf eine Möglichkeit, den Bauernhof zu verlassen. Eine Wiese daneben kommt dann genauso gut als Urlaubsort in Frage und der Spaß fängt nun richtig an.

Auf meiner Lieblingsseite liegt die Kuh Lieselotte auf ihrer Urlaubswiese und tut Dinge, die man so im Urlaub macht (oder gern machen möchte): in der Sonne liegen, die Natur entdecken, fotografieren, ungewohnte Sachen essen, exotische Tiere entdecken. Die Bewegungen und die Mimik der etwas unbeholfenen Kuh dabei sind köstlich gezeichnet. Bei Alexander Steffensmeier sieht man deutlich, welches humoristische Potential in Bildern und weniger in Sprache steckt. Ich kann mir seine Illustrationen auch ohne Worte sehr gut vorstellen.

Überhaupt ist der Illustrator sehr umtriebig. Buchvorstellungen mit ihm – an einer habe ich im letzten September teilgenommen – sind sehr interessant, denn er gibt spannende Einblicke in seine Arbeit. In einem Blog berichtet er ebenso über die Entstehung seiner Bilder. Da kann man dem Zeichner direkt über die Schulter schauen und ist beeindruckt von der sorgfältigen Recherche und Hingabe mit der seine leichtfüßig wirkenden Bilder entstehen.

Mein Fazit: Trotz des modischen Themas ist die Kuh Lieselotte unverwechselbar. (plus) Der Humor der Bilder basiert größtenteils auf den Unbeholfenheit der Kuh mit menschlichen Zügen. (plus) Wer „Pettersson und Findus“ mag, liegt mit der Lieselotte-Reihe richtig. (neutral)

Alexander Steffensmeier: Lieselotte macht Urlaub. Sauerländer Verlag 2011. ab 3 Jahren. 14,95 Euro.

Urzeitroboter 4. Teil: „Das bewegte Buch“ von Die Krickelkrakels

Nach der Schadenfreude und der Fröhlichkeit habe ich mit dem vierten Buch aus der „Urzeitroboter“-Serie eine neue Art von Humor bei unserem Sohn entdeckt: die Anarchie. Nicht dass anarchistische Anwandlungen nicht schon längst bei ihm zu Tage getreten wären. Aber dieses Buch zeigt spielerisch eine Seite von Drei- und Vierjährigen, die mal mehr, mal weniger ausgeprägt, den Alltag oft genug bestimmt: das nicht zu tun, was von ihnen verlangt wird, Grenzen auszutesten, Dinge auf den Kopf zu stellen. Was in diesem Buch tatsächlich wörtlich genommen werden kann.

„Das bewegte Buch“ des Illustratorenkollektivs „Die Krickelkrakels“ ist ein so genanntes Mitmachbuch, d.h. die kleinen Leser werden auf jeder Seite aufgefordert, etwas zu tun. Ein Lied singen, einen gezeichneten Frosch küssen, marsianisch sprechen, das Buch schütteln, in einem Labyrinth den richtigen Weg finden. Durch die Aktionen wird die „Handlung“ des Buches vorangetrieben. Unserem Sohn macht nun am meisten Spaß, die Anweisungen auf den Seiten demonstrativ zu verneinen und oder sie auf den Kopf zu stellen, nicht zu tun, was von ihm verlangt wird. Das erhöht den Spaßfaktor des Buches, der sowieso schon recht hoch ist, noch einmal ungemein, denn in diesem Fall sind es ja nicht meine Anweisungen, die missachtet werden. Und ein bisschen Anarchie tut im Alltag immer gut … Ein super Buch zum Verschenken übrigens, finde ich.

Mein Fazit: Macht Eltern und Kindern viel Spaß. (plus) Den Illustrationen merkt man an, dass sie von verschiedenen Zeichnern stammen, was aber viel Abwechslung bringt. (plus) Die Einfälle sind witzig und innovativ. (plus)

Die Krickelkrakels: Das bewegte Buch. Oetinger Verlag 2011. ab 4 Jahren. 12,95 Euro.

Urzeitroboter 3. Teil: „10 kleine Schafe“ von Franziska Gehm und Marina Rachner

Das nächste Buch auf der Nominierungsliste des „Urzeitroboters“ passt sehr gut in meine Überlegungen zum Blog. Es ist in Reimen geschrieben und über gereimte Bilderbücher denke ich schon länger nach.

Seit dem Erfolg des „Grüffelo“ scheint es ein Muss für erfolgreiche Werke in diesem Bereich zu sein, Geschichten in Verse zu verpacken – ohne lyrisch zu sein. Dabei finde ich die Inflation des Reimens ein wenig nervig, denn oft genug funktionieren die Verse nicht besonders gut. Der Rhythmus holpert, hässliche Wörter und Lautmalereien müssen Lücken büßen, die Geschichten verschwinden hinter der unbedingt gewollten Melodie.

Bei „10 kleine Schafe“ funktionieren die Reime jedoch ganz gut. Das Buch greift das vielfach verwendete Zehner-Motiv auf, um Kinder an das Zählen, kombiniert mit der Herausstellung von Farben, heranzuführen. Auf jeder Seite wird ein Schaf mit einer bestimmten Aktivität zu einer Gruppe hinzugefügt. Am Ende trennt sich das Schafgespann wieder und die Individualität jedes Tiers wird noch einmal hervorgehoben, um die Geschichte von vorn beginnen zu lassen.

Einige Reime bestätigten ansatzweise meine Vorurteile gegenüber diesem Bilderbuchprinzip, brachten mich aber auch zum Nachdenken über die Funktionsweise gereimter Bilderbücher, z.B. dieser: „Es waren mal 6 Schafe. Das 6. Schaf war pink. // Sein Lieblingsspiel war Bocksprung, denn es sprang weit und flink. // Mit großem Anlauf und viel Schwung, im schnellen Schafsgalopp, // sprang es über jedes Schaf, hü-hüpf, hü-hepp, hü-hopp.“

Ich fragte mich, was Kinder wohl mit dem Wort „Bocksprung“ anfangen? Oder „Schafsgalopp“? Da kommen dann die Illustrationen ins Spiel. Sie zeigen ja die Situation, zu der die Worte passen und so erschließt sich auch das Wort „Bocksprung“. In der Kombination von Text und Bild wird dann das lustige Potential von „10 kleine Schafe“ deutlich: Die Protagonisten sind sehr fröhlich, lachen viel, haben Spaß bei ihren Aktivitäten. Die Farben der Bilder sind sehr angenehm fürs Auge. Die Reime unterstützen den Eindruck des Spielerischen, der dem ganzen Buch anhaftet. Und so erklärt es sich, dass unser Sohn, der normalerweise recht sparsam mit wertenden Kommentaren umgeht, tatsächlich äußerte: „Mama, das ist lustig!“ – ohne dass ich eine Wertung durch Lachen oder das Verstellen der Stimme vorgegeben hätte.

Mein Fazit: „10 kleine Schafe“ spricht Kinder durch einen sehr spielerischen Eindruck perfekt an. (plus) Der Humor ist hier fröhlich, bunt, hell, freundlich. (neutral) Das Buch greift auf viele bewährte Rezepte zurück. (neutral) Es erschien 2011 in der zweiten Auflage. (neutral)

Franziska Gehm und Marina Rachner: 10 kleine Schafe. Von 1 bis 10 im Schafumdreh’n. Loewe Verlag 2011. ab 2 Jahren. 7,95 Euro.