Mauergeschichte(n): „Von Kaisern und Barbaren. Der Bau der Großen Chinesischen Mauer“ von Cornelia Hermanns

Wir haben im FrüMauer2hjahr eine große Reise gemacht. Zuerst waren wir einige Tage in Hong Kong, dann sind wir im Süden Chinas gereist. Neben vielen Eindrücken und Geschichten haben wir auch ein großes Interesses für die chinesische Kultur und die Geschichte des riesigen Reiches mitgebracht.

Dazu passend habe ich dann im Museumsshop des Ethnologischen Museums in Berlin-Dahlem ein tolles Buch gefunden, das uns mehrere Wochen begleitet hat. Es erzählt die Geschichte der Großen Chinesischen Mauer – dieses Megabauwerks, das vom Weltall aus zu sehen sein soll. Eigentlich ist das Buch für einen Sechsjährigen zu komplex, dennoch hat mein Sohn es gern gehört, wenn ich vom ersten Kaiser von China Quin Shi Huangdi, von den Mongolen und anderen „barbarischen“ Völkern wie den Xiongnu und den Mandschu oder von der Ming-Dynastie vorgelesen habe.

Trotz der schwierigen Namen hat mir das Vorlesen große Freude bereitet, denn der Text ist spannend geschrieben und sehr übersichtlich gegliedert. Die Historikerin Cornelia Hermanns versteht es gut, die Daten und Fakten in Geschichten zu verpacken. Die Geschichten umklammert sie mit einer Systematik, die spannende Facetten aufdeckt. Sie erzählt nicht nur von der politik- und militärgeschichtlichen Entstehung der Mauer, sondern auch vom Leben und Sterben der Soldaten, die die Mauer bauen und bewachen mussten. Die immense Bedeutung und Grausamkeit des Bauwerks, das auch „Größter Friedhof der Welt“ genannt wird, zeigt sich so sehr anschaulich.

Der Text im Zusammenspiel mit wunderschönen Tuscheillustrationen von Gregor Körting schafft es, die fremde Kultur mit Phantasie zu verbinden. In Anlehnung an die traditionelle chinesische Malerei zeichnet der Illustrator mit sanften aber bestimmten Strichen faszinierende Bilder der fremden Kultur. Die unaussprechbaren Namen werden plötzlich vertraut und gehen fließend über die Lippen. Wer für die Namen und Begriffe Hilfe in Anspruch nehmen möchte, kann auf der Webseite des Drachenhaus-Verlags ein Glossar mit Audiodateien zur korrekten Aussprache finden. Die Autorin und der Illustrator fanden auch eine schöne Form für eine Überblickszeitleiste im Bucheinband: Ein verschlungener gemauerter Weg fasst die wichtigsten Stationen in der Geschichte der Großen Mauer zusammen.

Am letzten Wochenende stand die Berliner Mauer im Zentrum der Aufmerksamkeit. Wer sich weiter mit Mauern beschäftigen möchte, dem sei dieses Sachbuch wärmstens empfohlen. Die Große Chinesische Mauer steht noch immer und erinnert an die zahlreichen Funktionen, die Mauern in der Geschichte der Menschheit haben.

Cornelia Hermanns: Von Kaisern und Barbaren. Der Bau der Großen Chinesischen Mauer. Mit Illustrationen von Gregor Körting. Esslingen: Drachenhaus-Verlag 2012. ab 12 Jahren. 22,80 Euro.

P.S. Im Programm des Drachenhaus-Verlags gibt es noch weitere Titel zur chinesischen Geschichte von Cornelia Hermanns und Gregor Körting. Wenn ich die Cover sehe, werde ich wieder ganz neugierig und fühle wie das Reisefieber und der Wissensdurst in mir wach werden.

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Ein Faible für Kometen: „Im Weltraum“ vom Usborne Verlag

look_inside_space_cover_20mm_geEs scheint mir Lichtjahre her, dass ich zuletzt etwas für den Blog geschrieben habe. Nun kommt langsam die Zeit, um aufs Jahr zurück zu blicken. So möchte ich in den nächsten Wochen versuchen, mal wieder Kinderbücher vorzustellen, die uns in den letzten Monaten beschäftigt haben.

Den Anfang macht ein Sachbuch und ein aktuelles Ereignis: Am Mittwoch, dem 12. November, wird das erste Mal in der Geschichte der Raumfahrt eine Sonde auf einem Kometen landen. Philae begegnet 67P/Tschurjumow-Gerassimenko. Die Reise von Rosetta, der Muttersonde, und Philae, der Landeeinheit, zum Kometen dauerte 10 Jahre. Gesteinsproben sollen in den nächsten Monaten gesammelt werden. Die auf 67P gesammelten Daten sollen helfen, die Entstehung des Sonnensystems besser zu verstehen.

Einen ersten Einblick in das Verständnis des Weltraums bekommen Kinder ab 5  Jahren allerbestens mit dem Sachbuch „Im Weltraum“ vom Usborne Verlag, einer Übersetzung eines britischen Titels, geschrieben von Rob Lloyd Jones, illustriert von Benedetta Giaufret und Enrica Rusiná. Das Buch bedient sich des Klappenprinzips, um viele Informationen spannend aufzubereiten. Und es gibt wirklich viele Informationen zu entdecken! Mit über 70 Klappen sind die Fakten so verpackt, dass nicht der Eindruck entsteht, man müsste viel Text lesen. Hinter jeder Klappe verstecken sich zwei oder drei weitere Klappen. So wird das Prinzip des Wissenserwerbs sehr anschaulich. Als ich begann, das Buch vorzulesen, meinte ich, in 10 Minuten fertig zu sein. Pustekuchen! Eine Stunde dauerte der Spaß!

Und es machte viel Spaß, mein Wissen über Planeten und Sterne aufzufrischen, sowie Neues zu lernen. Beim Vorlesen der Fakten über die gigantischen und unbegreifbaren Dimensionen des Weltraums werde ich immer ganz ehrfürchtig und staune: Eine Rakete müsste sechs Monate fliegen, um zu unserem nächst gelegenen Planeten, dem Mars, zu gelangen! Die leuchtenden Farben der Planeten auf schwarzem Untergrund machen mir gute Laune.

Leider sind die Bilder aus dem wirklichen Weltraum meist eher grau in grau. Trotzdem werden wir uns am nächsten Mittwoch die Live-Übertragung des Ereignisses im Planetarium ansehen. Wir drücken den Wissenschaftlern fest die Daumen, dass die Misson gelingt!

Usborne Verlag / Autorenteam: Aufklappen und Entdecken: Im Weltraum. London 2014. 9,95 Euro. ab 5 Jahren.