(Fast) ohne Kommentar, einfach nur „Hurra, der Frühling ist da“ von Rose Pflock und Kazuo Iwamura

frühling iwamuraDer Frühling ist noch ganz zart und jung. Die ersten Frühblüher recken sich der zu Kräften kommenden Sonne entgegen. Die Bäume sind noch kahl, das Gras ist noch verhuscht braun-grün-welk. Die Sonne aber tut allen gut und weckt die Lebensgeister, die bald im Überschwang zu spüren sein werden. Zwei Ausdrücke für diese Lebensgeister möchte ich heute mit euch teilen, eine sprachlichen und einen bildhaften. Zwei Ausdrücke, in denen die Frühlingslebensfreude übersprudelt!

Los geht’s mit einem klassischen Frühlingskommentar von Astrid Lindgren, mit einer Textstelle aus „Ronja Räubertochter“, die beim Lesen immer wieder Gänsehaut hervorruft:

„Früher Morgen ist. Wie der erste Erdenmorgen so schön. Die Siedler der Bärenhöhle, hier kommen sie durch den Wald gewandert, und ringsum ist alle Herrlichkeit des Frühlings. In allen Bäumen und allen Wassern und allen grünen Büschen lebt es, es zwitschert und rauscht und summt und singt und plätschert. Überall erklingt das forsche, wilde Lied des Frühlings. Der Frühling ist neu, aber er ist, wie er immer war. ‚Erschrick nicht, Birk‘, sagte Ronja. ‚Jetzt kommt mein Frühlingsschrei!‘ Und sie schrie, gellend wie ein Vogel, es war ein Jubelschrei, den man weithin über den Wald hörte.“ (Astrid Lindgren, Ronja Räubertochter, deutsch von Anna-Liesa Kornittzky, Verlag Friedrich Oetinger)

Die passenden Bilder zum Frühlingsüberschwang gibt es bei „Hurra, der Frühling ist da. Matz, Fratz und Lisettchen im Blütenbaum“ von Kazuo Iwamura.  Drei Eichhörnchen klettern in einem Blütenbaum herum und finden ein Vogelbaby, das Hunger hat. Sie möchten ihm zu fressen geben, wissen aber nicht was. Da kommt die Vogelmutter angeflogen und bringt ihrem Kleinen einen Wurm. Die Bilder zu dieser sehr einfachen, in Reimen verfassten Geschichte, sind so fröhlich, so frühlingsüberschwänglich, dass man den Duft der tausend Blüten im Baum förmlich riechen kann und sich wie die Eichhörnchen fühlt. Na dann mal losgehüpft und losgeschrieen!

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Bilder, Bilder, Bilder: Die Lange Nacht der Illustration

Diese Galerie enthält 4 Fotos.

Am 31. August fand in Berlin die „Lange Nacht der Illustration“ statt. Mehr als 100 Illustratoren öffneten ihre Ateliers oder brachten ihre Werke in Buchläden, um sich einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. In den Stadtteilen Prenzlauer Berg, Kreuzberg, Friedrichshain, Neukölln, Pankow, Mitte und Schöneberg befanden sich Stationen. Ich machte mich zuerst auf den recht weiten … Weiterlesen

Urzeitroboter 3. Teil: „10 kleine Schafe“ von Franziska Gehm und Marina Rachner

Das nächste Buch auf der Nominierungsliste des „Urzeitroboters“ passt sehr gut in meine Überlegungen zum Blog. Es ist in Reimen geschrieben und über gereimte Bilderbücher denke ich schon länger nach.

Seit dem Erfolg des „Grüffelo“ scheint es ein Muss für erfolgreiche Werke in diesem Bereich zu sein, Geschichten in Verse zu verpacken – ohne lyrisch zu sein. Dabei finde ich die Inflation des Reimens ein wenig nervig, denn oft genug funktionieren die Verse nicht besonders gut. Der Rhythmus holpert, hässliche Wörter und Lautmalereien müssen Lücken büßen, die Geschichten verschwinden hinter der unbedingt gewollten Melodie.

Bei „10 kleine Schafe“ funktionieren die Reime jedoch ganz gut. Das Buch greift das vielfach verwendete Zehner-Motiv auf, um Kinder an das Zählen, kombiniert mit der Herausstellung von Farben, heranzuführen. Auf jeder Seite wird ein Schaf mit einer bestimmten Aktivität zu einer Gruppe hinzugefügt. Am Ende trennt sich das Schafgespann wieder und die Individualität jedes Tiers wird noch einmal hervorgehoben, um die Geschichte von vorn beginnen zu lassen.

Einige Reime bestätigten ansatzweise meine Vorurteile gegenüber diesem Bilderbuchprinzip, brachten mich aber auch zum Nachdenken über die Funktionsweise gereimter Bilderbücher, z.B. dieser: „Es waren mal 6 Schafe. Das 6. Schaf war pink. // Sein Lieblingsspiel war Bocksprung, denn es sprang weit und flink. // Mit großem Anlauf und viel Schwung, im schnellen Schafsgalopp, // sprang es über jedes Schaf, hü-hüpf, hü-hepp, hü-hopp.“

Ich fragte mich, was Kinder wohl mit dem Wort „Bocksprung“ anfangen? Oder „Schafsgalopp“? Da kommen dann die Illustrationen ins Spiel. Sie zeigen ja die Situation, zu der die Worte passen und so erschließt sich auch das Wort „Bocksprung“. In der Kombination von Text und Bild wird dann das lustige Potential von „10 kleine Schafe“ deutlich: Die Protagonisten sind sehr fröhlich, lachen viel, haben Spaß bei ihren Aktivitäten. Die Farben der Bilder sind sehr angenehm fürs Auge. Die Reime unterstützen den Eindruck des Spielerischen, der dem ganzen Buch anhaftet. Und so erklärt es sich, dass unser Sohn, der normalerweise recht sparsam mit wertenden Kommentaren umgeht, tatsächlich äußerte: „Mama, das ist lustig!“ – ohne dass ich eine Wertung durch Lachen oder das Verstellen der Stimme vorgegeben hätte.

Mein Fazit: „10 kleine Schafe“ spricht Kinder durch einen sehr spielerischen Eindruck perfekt an. (plus) Der Humor ist hier fröhlich, bunt, hell, freundlich. (neutral) Das Buch greift auf viele bewährte Rezepte zurück. (neutral) Es erschien 2011 in der zweiten Auflage. (neutral)

Franziska Gehm und Marina Rachner: 10 kleine Schafe. Von 1 bis 10 im Schafumdreh’n. Loewe Verlag 2011. ab 2 Jahren. 7,95 Euro.

Begegnungen mit Jim Knopf

Herzlich willkommen im Blog-Jahr 2012. Auf spannende und fröhliche zwölf kommende Monate mit vielen Entdeckungen beim Vorlesen. 

Und nun geht es los:

Seit nun schon vier Monaten herrscht bei uns die „Jim-Knopfo-Manie“. Es fing mit zwei Bilderbuchausgaben von einzelnen Episoden – „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer machen einen Ausflug“ sowie „Wie Jim Knopf nach Lummerland kam“ – an. Dann wurde es durch eine kleine Theateraufführung im Kindergarten, bei der die großen Jungs die Piratentruppe namens „Die Wilde 13“ spielen durften, aufgegriffen. Die Jungs nannten ihre Erzieherin plötzlich „Frau Mahlzahn“ und ich hatte keine Ahnung, was das zu bedeuten hatte …

Außerdem wurde die Manie unterstützt durch Hörbücher, die ich irgendwann mal günstig gekauft hatte. Auf den CDs liest Michael Ende die Geschichte selbst vor und ich bin immer wieder fasziniert von der Art, wie er das tut. Den Mittagspausen am Wochenende, in denen wir die CDs hören, fieberte ich immer entgegen, um der tollen Stimme lauschen zu können. Schließlich habe ich den Band „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ besorgt und nun steht jeden Abend ein Kapitel zum Vorlesen an. In den Ferien sind es auch öfters mal mehr geworden.

Zwischenzeitlich habe ich mir ziemliche Sorgen gemacht: Zum einen weil bei der Hartnäckigkeit und Ausdauer, mit der mein Sohn nach dem Buch verlangt, jegliche sonstige Lektüreerfahrung, die im Blog dokumentiert werden könnte, unmöglich wird. Zum anderen weil mir immer wieder ein Lied von der Band Tocotronic, die ich in meiner Jugend sehr verehrt habe, in den Sinn kam. Es heißt: „Michael Ende, du hast mein Leben zerstört“, erschien 1995 auf der Platte „Nach der verlorenen Zeit“. Hier ist der Text:

Ein Lied mehr zur Lage der Nation, // und zur Degeneration meiner Generation. // Zur Unentschlossenheit der Jugend, // zur Verdrossenheit der Tugend. // Zu meiner aussichtslosen Lage, // und zur Klärung der Schuldfrage. // Und darum klag ich an:

Michael Ende, nur du bist schuld daran, // Daß aus uns nichts werden kann. // Du hast uns mit deinen Tricks, // aus der Gesellschaft ausgeixt. // Mit den Eltern aller Schichten, // willst du uns vernichten.

Der Song ironisiert Diskussionen über den Einfluss von Büchern auf junge Menschen. Michael Endes Werken, insbesondere auch den beiden Jim-Knopf-Bänden, wurde immer vorgeworfen, sie seien eskapistisch und würden gesellschaftlichen Fragen ausweichen, weil sie Fantasiewelten entwerfen und das Verschwinden von Fantasie anprangern. Seine Bücher seien „Opium für Kinder“.

Diese Kritik ist auf der inhaltlichen Ebene unberechtigt. „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ nimmt mehrere gesellschaftliche Debatten auf und thematisiert wichtige Fragen, wie ich in einem späteren Blogeintrag noch ausführlich erläutern möchte. Diese sind freilich relativ eng an den Entstehungszeitraum des Buches, also die 1950er Jahre und an den Nationalsozialismus gebunden.

Auf der Ebene des Gebrauchs ist die Kritik jedoch nachvollziehbar, denn bei der Sogwirkung, die das Buch bei unserem Sohn bisher entfaltet hat, frage ich mich schon, ob Lesen manchmal vielleicht doch schadet. Weil es von anderen wichtigen Erfahrungen abhält. Weil manche Geschichten den ganzen Verstand einzunehmen scheinen und kaum noch Platz für andere Gedanken bleibt. Das Lesen hat ein sehr positives Image, aber gibt es nicht auch hierbei manchmal ein Zuviel des Guten?

Ich hoffe, es wird euch in den nächsten Wochen nicht zuviel Jim Knopf, denn ich habe noch mindestens zwei Blogeinträge zu Michael Endes Roman in der Schublade. Dabei bin ich auch gespannt auf eure Erfahrungen mit Michael Endes Werk. Welchen Einfluss hatte Michael Ende auf euer Leben?

Michael Ende: Wie Jim Knopf nach Lummerland kam. Thienemann 2010. ab 2 Jahren. 6,95 Euro. (Pappbilderbuch)

Michael Ende: Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer machen einen Ausflug. Thienemann 2007. ab 2 Jahren. 5,95 Euro. (Pappbilderbuch)

Michael Ende: Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer. Thienemann 2004. ab 6 Jahren. 14,90 Euro. (Gebunden mit Halbleinen)

Von der Schwierigkeit, Büchergeschenktipps zu geben

Eigentlich hatte ich geplant, kurz vor Weihnachten noch ein schönes, neues Bilderbuch, was vielen Menschen gefallen könnte, als last-minute-Geschenk sozusagen, zu empfehlen. Ich hatte auch schon einen Favoriten, den ich mir extra bestellt habe. Nun bin ich etwas enttäuscht. Die Figur aus der Geschichte mag ich überhaupt nicht und die Erzählung arbeitet mit Techniken und Konzepten, die mir erst für Kinder ab 5 oder 6 Jahren begreifbar scheinen. Das Buch werde ich trotzdem im Blog vorstellen, aber als Super-Weihnachtstipp kommt es nicht in Frage.

Aber gibt es den überhaupt, den Super-Weihnachtsbuchtipp? Ein Bilderbuch, das als Geschenk garantiert wie eine Bombe einschlägt? Ein neuer Bilderbuchlassiker, der überall Begeisterung hervorruft? Auf den ersten Blick erscheinen diese Fragen ein bisschen abwegig, denn Geschenke sind meistens nur dann gut, wenn die Vorlieben und Interessen des zu Beschenkenden berücksichtigt werden. Das ist bei einem Tipp in einem Blog mit unbekannten Lesern schwierig. Beim Bilderbuch scheint es aber dennoch Ausnahmen von der Geschenk-Regel zu geben: „Der Grüffelo“ von Axel Scheffler und Julie Donaldson z.B. hat sich als moderner Klassiker etabliert, mit dem man als Schenkender nichts falsch machen kann.

Als Regel gilt dabei natürlich: Je jünger das zu beschenkende Kind, desto einfacher, denn die Interessen sind ja noch nicht allzu ausgeprägt. Und Themen, die alle Kinder (und Eltern) betreffen gibt es genug. Beliebt sind z.B. im Moment aufwändige Liederbuchausgaben, die auch nett im Wohnzimmerregal aussehen. Als ein schöner Tipp für kleine Kinder bietet sich das im letzten Jahr erschienene „Meine große kleine Welt“ von Marianne Dubuc an, das ab einem Alter von 2 Jahren gut funktionieren müsste. Für 3- bis 4-Jährige ist mir in den letzten Monaten kein neues Superbuch mit Klassikerqualitäten untergekommen. Wenn ich demnächst einem begegne, dann sage ich euch Bescheid …

Marianne Dubuc: Meine große kleine Welt. Carlsen 2010. ab 2 Jahren. 12,90 Euro

Das Struwelpeterprinizp: „Räuberkinder“ von Antje Damm und „Das Mohrrübensuppen-Abenteuer“ von Julia Friese

Diese beiden Bilderbücher sind sehr besonders: Erstens wegen ihrer Illustrationen. Antje Damms „Räuberkinder“ ist mit einfachen, etwas krakeligen Strichen gezeichnet und mit einer Art Collagentechnik ergänzt. Ein florales, nostalgisches Tapetenmuster wurde z.B. in ein Bild eingefügt. Julia Frieses Bilder im „Mohrrübensuppen-Abenteuer“ sehen aus, wie durch ein Druckverfahren, z.B. Linolschnitt oder Holzdruck, hergestellt. Sie verwenden ein geringes Farbspektrum – orange, rot, gelb, schwarz, ein wenig grün – und sind deshalb sehr expressiv.

Zweitens sind die beiden Bücher auch wegen ihres Inhalts besonders. Zuerst hat mich dieser sehr verblüfft, aber ich glaube, jetzt habe ich verstanden, wie sie funktionieren. In Antje Damms Buch lernen wir einen Jungen und ein Mädchen kennen: „Das sind zwei Räuberkinder und sie sind wirklich sehr, sehr böse.“ Sie ärgern Hunde, belästigen Passanten auf der Straße, verwüsten das Badezimmer und treiben anderen Unsinn. Aber keine Angst, am Ende zeigen auch die Räuberkinder ihre liebenswerte Seite. In Julia Frieses Buch geht es um das Mittagessen im Kindergarten. Statt der ersehnten Hefeknödel mit roter Sauce gibt es Mohrrübeneintopf. Jedes Kind geht anders mit seiner Portion um: In Moritz‘ Suppenschüssel schwimmt ein Engel, Pauline malt ein Gruppenbild aus Möhrensuppe, Leander isst mindestens zehn Teller leer.

In beiden Büchern werden Erwachsene nervende Verhaltensweisen thematisiert. Ein Hauch von Anarchie durchweht sie. Das irritierte mich zuerst, denn ich fürchtete einen Nachahmungseffekt. Eigentlich scheint sich dahinter aber ein traditionelles Prinzip von Kinderbüchern zu verstecken: Das Vorgehen erinnerte mich an die Struwelpetergeschichten, wo ja auch „schlechtes“ Verhalten gezeigt wird. Der gravierende Unterschied zwischen dem Struwelpeter, dem Suppenkaspar, dem Daumenlutscher oder dem Hans-Guck-in-die-Luft sowie den „Räuberkindern“ und dem „Mohrrübensuppen-Abenteuer“ besteht in den Konsequenzen, die die betroffenen Kinder erfahren. Im 19. Jahrhundert wurden sie grausam bestraft, im modernen Kinderbuch wird dem unerwünschten Verhalten ein positives Beispiel gegenübergestellt. Die Kinder verstehen dann schon, dass sie ihre Kindergartenfreunde nicht mit Suppe bewerfen sollen.

Antje Damm: Räuberkinder. Gerstenberg Verlag 2009. ab 2 Jahren. 7,90 Euro.

Julia Friese: Das Mohrrübensuppen-Abenteuer. Bajazzo Verlag 2004. ab 4 Jahren. 13,90 Euro.

Mehr Maulwürfe! „Paula und Paula“ von Roslyn Schwartz

Vor einiger Zeit wurden beim „Sandmännchen“ mehrere Monate lang wöchentlich Episoden mit den Abenteuern der zwei kleinen Maulwürfe „Paula und Paula“ gezeigt, die wir sehr mochten. Die beiden Krabbler und Wühler hatten einen guten Blick für Naturerscheinungen, erklärten natürliche Phänomene, stellten alltagsphilosophische Fragen und zeigten, wie viele Entdeckungen man in der Natur machen kann. Die TV-Cartoons basieren auf den Erzählungen „The Mole Sisters“ der kanadischen Autorin Roslyn Schwartz. Auf englisch gibt es eine Sammlung mit vielen Abenteuern von „Paula und Paula“, leider nicht auf deutsch. Wir warten sehnsüchtig darauf … Normalerweise werden Fernsehformate in den verschiedensten Kanälen vermarktet. Zu jeder Kinderfernsehserie gibt es auch Bücher. Leider nicht von „Paula und Paula“. Warum?

Roslyn Schwartz: The complete adventures of the mole sisters. Annick Press 2004. ab 2 Jahren. 15,99 Euro.

Ups … jetzt ist es passiert ..: „Der Kackofant“

Gegen diese Bücher habe ich mich lange gewehrt, denn mit ihrem Humor kann ich nichts anfangen. Beim Vorlesen sträuben sich mir die Nackenhaare. Ihre Faszination leuchtet mir ein, doch die Abneigung gegen das Thema ist zu groß: Es geht um Bücher, die das „große Geschäft“ in Handlung und Illustrationen einbinden, wie „Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“ von Werner Holzwarth und Wolf Erlbruch. Wahrscheinlich bin ich zu verklemmt und psychologisch ließen sich aus dieser Abneigung sicher einige Defekte bei mir ergründen, aber ich finde, es gibt schönere Themen für Bücher. Bisher kam bei unserem Sohn dieser Bereich mit seinen lautmalerischen und pikanten Wörtern, denen etwas reizvoll Verbotenes anhaftet, auch noch nicht in exzessivem Ausmaß zur Sprache. Und das Trockenwerden und Toilettebenutzen klappte irgendwann auch ohne ewige Töpfchen-Geschichten …

Vor kurzem stieß ich mal wieder auf dieses Thema, als ein Bekannter von einer Neuerscheinung auf diesem Gebiet schwärmte: „Der Kackofant“, geschrieben von Klaus Zehrer und illustriert von FIL. Zur Recherche für den Blog lieh ich das Buch in der Bücherei aus. Nun habe ich es in Reichweite unseres Sohnes liegen gelassen und wir haben es vorgelesen. Ein Elefant, der statt eines Rüssels eine Klopapierrolle mit sich herumträgt, – wie kann er dann seinen Popo abputzen? – hinterlässt überall seine Haufen. In Reimen wird gezeigt, wie nützlich diese Haufen sein können, als Wegmarkierung, als Torwand, als größte Sandburg am Strand, als Mittagessen für Fliegen etc. Sehr originell finde ich diese Systematik nicht. Außer dem Spaß am Wort „Kackofant“, das mit dem pikanten Wort spielt und sich prima zum Reimen eignet, bleibt bei mir aber nichts hängen von diesem Buch. Das ist einfach nicht mein Humor. Auch bei meinem Sohn ist es nicht so richtig „eingeschlagen“. Vielleicht ist er schon zu groß für dieses Thema. So sind wir nicht diejenigen, die im Kindergarten den „Kackofanten“ einführen, den ich dann den Erziehern erklären muss. Puh … nochmal Glück gehabt.

Werner Holzwarth / Wolf Erlbruch: Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat. Peter Hammer Verlag 2001. ab 2 Jahren. 9,99 Euro.

Klaus Zehrer: Der Kackofant. Klett Kinderbuch 2011. ab 2 Jahren. 13,90 Euro.

P.S.: Es gibt sogar ein „Kackofanten“-Lied bei Youtube: http://www.youtube.com/watch?v=tH7UZN9qWLY

Kinderbücher bodenständig und praktisch: Die Conni-Reihe

Manchmal schleichen sich Kinderbuchfiguren in den Alltag ein und man weiß nicht, wo sie herkommen. Dann sind sie da und gehen nicht wieder weg. Dann ist man wohl den Marketing-Strategen der Verlage auf den Leim gegangen.

Conni ist so eine Figur, die sich, vor allem in der Form von Pixie-Büchern, bei uns eingeschlichen hat. Die Conni-Reihe bietet eine Rundum-Versorgung mit Webseite für Kinder, Kuschelkissen und Arzttasche. Angefangen hat es bei uns mit der Geschichte „Conni feiert Weihnachten“. Und weil die so praktisch die Abläufe und Begriffe rund um das Weihnachtsfest erzählt, folgte „Conni und der Osterhase“. Und dann ergeben sich für viele weitere Alltagserlebnisse und -ereignisse Anlässe, um mal bei Conni vorbeizuschauen: „Conni kommt in den Kindergarten“, „Conni geht zum Arzt“, „Conni zieht um“ und so weiter und so weiter.

Dabei mag ich die Figur eigentlich ganz gerne: Das Mädchen ist sehr bodenständig, legt nicht viel Wert auf Klamotten und Konsumgüter, weiß sich in allen Situationen zu helfen. In ihrer praktischen und zupackenden Art bleibt sie aber dennoch blass, denn sie hat keine Ecken und Kanten. Conni ist das Gegenteil von Juli, den ich in einem früheren Artikel vorgestellt habe, und in dessen Welt es manchmal etwas chaotisch zu geht. Bei Conni hingegen ist immer aufgeräumt, haben die Eltern stets gute Laune und erklären mit Geduld den Alltag im Vorstadthäuschen. Dabei ergeben sich für die Vorleser noch praktische Tipps, wie man selbst Weihnachtskugeln bastelt oder ein Ostergärtchen mit Häuschen anlegt. Das hilft, den Familienalltag zu strukturieren, es beschleicht mich aber das Gefühl, dass die Bücherwelt meines Kindes nicht nur aus Conni-Geschichten bestehen sollte, in denen alles aufgeräumt ist, Konflikte sich in null-komma-nichts lösen und die Welt nur aus Alltagsbegebenheiten besteht.

Liane Schneider, Eva Wenzel-Bürger: Das große Conni-Buch. Carlsen 2010. ab 2 Jahren. 12,90 Euro.

P.S. Im Moment könnten wir den Band „Conni hilft Mama“ gebrauchen, denn die Erkältungszeit hat mich und unseren Papa erwischt und wir sind etwas eingeschränkt arbeitsfähig. Der Papa kommt in den Conni-Geschichten allerdings nur am Rande vor. Er macht auch keine Arbeit im Haushalt. Wobei wir bei einem weiteren Ärgernis der Conni-Geschichten wären: Die Rollenverteilung zwischen den Eltern ist steinzeitlich. Aber das ist ein Problem, das in zahllosen Kinderalltagsbüchern, besteht.

Farbenfrohe afrikanische Tiergeschichten gegen herbstliches Grau

Da der Herbst sich gerade von seiner ungemütlichen Seite zeigt, hier zwei Bücher-Tipps, die an grauen Tagen bestimmt viele Vorleser und Kinder aufmuntern und in bunte Welten entführen. Leider sind die Bücher nur auf Englisch erhältlich. Aber die tollen farbenfrohen Bilder sind die Mühe sicher wert. Es gibt noch mehr dieser afrikanisch-folkloristisch Geschichten zu entdecken …

Tinga Tinga Tales: Why Elephant has a Trunk. Penguin Books U.K. (Puffin Books) 2010. ab 2 Jahren. 5,99 £.

Tinga Tinga Tales: Why Monkeys swing in the Trees. Penguin Books U.K. (Puffin Books) 2010. ab 2 Jahren. 5,99 £.