Fünf Strategien zum Umgang mit dem „Kokosnuss“-Phänomen (und wie sie wirken)

kokosnuss weihnachtsmannIch leide gerade Höllenqualen. Aus dem Kindergarten wurde der „Kokosnuss-Bazillus“ bei uns eingeschleppt und es ist noch furchtbarer als ich befüchtet hatte.

Bei einer Lesung in Gießen hatte ich die Reihe vom kleinen Drachen Kokosnuss von Ingo Siegner schon kennen gelernt und war nicht begeistert. Zu holzschnittartig erschienen mir die Figuren, zu baukastenprinzipmäßig die einzelnen Geschichten. Ich habe nicht verstanden, warum die Reihe so erfolgreich ist. Damals war unser Sohn 2,5 Jahre alt und fand die Lesung genauso langweilig wie ich.

Nun ist es aber soweit, dass der kleine Bücherfreund leider Gefallen gefunden hat an dem kleinen roten Drachen und zwar ziemlich intensiv. Was soll ich tun als bildungsbeflissene Mama, die mit Unterhaltungskultur nicht so viel anfangen kann? In den letzten Wochen habe ich fünf Strategien entwickelt, um dem Phänomen zu begegnen. Sie funktionieren mehr oder weniger gut.

1) Entspannung durch Erinnerung an die eigene Kindheit: Der Gedanke an Parallelen zu anderen Kinderserien hilft mir sehr. Ich habe selbst recht viel „Benjamin Blümchen“-Geschichten gehört, die ja auch nicht unbedingt zur Hochkultur zu zählen sind. Aber ob sie so stereotyp aufgebaut waren?

2) Bücher nur aus der Bibliothek ausleihen: Diese Strategie entlastet ungemein. Man hat die Bände nicht im Bücherregal stehen und die Auswahl bleibt natürlicherweise eingeschränkt. Aufgrund der großen Nachfrage in den Bibliotheken hat man auch immer wieder eine gute Ausrede: Schade, alle Bücher ausgeliehen!

3) Unlust zum Vorlesen ausdrücken, Ablenkung und andere Lieblingsbücher hervorholen: Funktioniert leider gar nicht, bzw. nur sehr kurzfristig. Zum einen lese ich zu gern vor, als dass ich den kleinen Bücherfreund ständig vertrösten wollte. Seine Bücherfreude soll ja auch nicht getrübt werden. Zum anderen ist seine Neugier auf die Kokosnuss-Geschichten einfach zu groß, als dass andere Bücher gerade von großem Interesse wären.

4) Argumente sammeln und mit dem Kind diskutieren: Tröstlich ist der Gedanke, dass die Auseinandersetzung mit schlechter Literatur die Kritikkompetenz und Analysefähigkeit schult. Ich fasse meine Kritikpunkte zusammen (monotone Wortwahl, unlogische Geschichten mit unmotivierten Wendungen, platte Botschaften) und der kleine Drachenfreund versteht davon überhaupt nichts …

5) Verbesserungsvorschläge sammeln: Aus einer solchen kleinen Diskussion entwickelte sich neulich dennoch eine lustige Situation. Ich erklärte, dass ich den Namen Kokosnuss für einen kleinen roten Drachen blöd finde (Kokosnüsse sind braun, rund, hart, hängen an Bäumen – der Drachen ist rot, überhaupt nicht rund, kann fliegen) – was für meinem Sohn durchaus nachvollziehbar war. Daraufhin machten wir uns auf die lustige Suche nach einem anderen Namen. Wir hatten sehr viel Spaß dabei und sind auch fündig geworden. Wir würden Kokosnuss gerne umbenennen in „Feurich“.

Wenn der Autor sich auf diesen Vorschlag einlässt und gemeinsam mit dem Lektor noch nach Variationen zum Verb „sagen“ als Redeausleitung in Dialogen sucht, sind meine schlimmsten Höllenqualen fürs Erste gelindert. So richtig froh bin ich aber erst, wenn wir es endlich schaffen, zu „Winnie, the Puh“ im englischen Original, weiterzugehen.

Ingo Siegner: Der kleine Drache Kokosnuss besucht den Weihnachtsmann. cbj Verlag 2006. ab 6 Jahren. 7,99 Euro.

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Urzeitroboter 9. Teil: „Tatu und Patu und ihr verrückter Kindergarten“ von Aino Havukainen und Sami Toivonen

Diesem Buch bin ich mit einigen Vorurteilen begegnet. Es schien auf den ersten Blick überhaupt nicht meinem Geschmack zu entsprechen, denn es wirkte  sehr laut, sehr bunt, sehr wimmelbuchmäßig, irgendwie zu überdreht.

Beim ersten Lesen  war ich auch recht irritiert über die Geschichte und die Sprache: Die beiden verrückten Erfinder Tatu und Patu, comicartige Figuren, die zugleich kindlich und erwachsen wirken, haben einen Wellnesstag im Schwimmbad gewonnen. Statt in der „Nass-Oase“ landen die beiden in der „Kindergarten-Spaß-Oase“ nebenan. Dort gibt es die Schlammpackung aus dem Sandkasten und auf dem Spielplatz finden sich Fitnessgeräte. Die Brüder haben jede Menge Spaß und die anderen Kinder im Kindergarten auch. Die aus Werbeprospekten übernommenen Sprüche der beiden Erfinder befremden erst einmal niemanden, außer die erwachsenen Vorleser …

Hier liegt dann auch der Reiz des Buchs, denn dieses bietet viele humorvolle Einfälle für Erwachsene. So wird zum Beispiel der Bildungsehrgeiz in Kindertagesstätten auf die Schippe genommen. Ein Baby, das überall Sätze auf Latein hinkritzelt, begegnet den Lesern in mehreren Bildern. Solche Details gibt es noch mehr zu entdecken. Und auch die Grundidee der Geschichte, dass nämlich Kinder, die „Erwachsene“ spielen, in eine Kindergartenwelt kommen, erweist sich als recht interessant und originell.

„Tatu und Patu und ihr verrückter Kindergarten“ ist ein Fortsetzungsband zu „Tatu und Patu und ihre verrückten Maschinen“, den ich mir nun wahrscheinlich auch einmal ansehen werde, denn die Geschichte hat mich neugierig gemacht.

Fazit: Das Buch wirkt auf den ersten Blick recht schrill (negativ). Die Geschichte ist gespickt mit ironischen Spitzen, die zuerst einmal Erwachsene verstehen (aber auch Kindergartenkinder können durchaus schon Ironie erkennen, habe ich mal gelesen) (positiv). Die beiden verrückten Erfinder sind mir dennoch aber nicht so richtig sympathisch. (neutral)

Aino Havukainen und Sami Toivonen: Tatu und Patu und ihr verrückter Kindergarten. Aus dem Finnischen von Elina Kritzokat. Thienemann Verlag 2011. ab 4 Jahren. 12,95 Euro.

Was lesen ErzieherInnen im Kindergarten vor? „‚Oma‘ schreit der Frieder!“ von Gudrun Mebs

Im Alltag erfährt man als Eltern von 3-Jährigen recht selten, was im Kindergarten vorgelesen wird. Meist gibt es „wichtigere“ Angelegenheiten, die es mit den Erzieherinnen zu besprechen gibt und die Kinder selbst können sich noch nicht so gut artikulieren, als das sie von den Büchern berichten könnten. In den Ferien sind wir nun zufällig auf eine Kindergartenlektüre unseres Sohnes gestoßen, die uns schmunzeln ließ, denn sie passt hervorragend zu „unserer“ Erzieherin. Es handelt sich um den Band „’Oma‘ schreit der Frieder!“ von Gudrun Mebs, der 1984 erstmals erschien und kurze Geschichten aus dem Alltag des Jungen Frieder, der bei seiner Großmutter lebt, enthält.

Jede Episode beginnt mit dem Satz: „’Oma‘ schreit der Frieder und zupft an Omas Rock.“ Dann hat Frieder meist eine Bitte, die die Großmutter mit einem Hinweis auf die noch zu erledigende Hausarbeit abweist. Der Konflikt zwischen den Interessen der beiden wird dann durch eine pfiffige Idee der Oma aufgelöst. So vermittelt jede Geschichte eine erzieherische Botschaft, was mich als Vorleserin etwas ermüdet. Nur bei einer Episode habe ich mich halb tot gelacht. Sie heißt „Mensch, ärgere dich nicht“ und Frieder sperrt seine Oma aus. Die wartet geduldig auf der Flurtreppe bis der Enkel sich Sorgen macht und bereitwillig die Tür wieder öffnet.

Ihre pfiffigen Ideen machen die Oma sympathisch, auch wenn sie ansonsten recht ruppig mit ihrem Enkel umgeht. Ihre Sprache mutet ein wenig seltsam an, denn sie spricht vorzugsweise in Redewendungen wie „Eine alte Frau ist kein D-Zug.“ oder „Bub, hat dich denn der wilde Watz gebissen?“. Außerdem beschimpft sie das Kind ständig mit Worten wie „Dreckspatz“, „Lauser“, „Schlüssellochgucker“ oder „Frechdachs“. Daher scheinen mir die Geschichten in pädagogischer Perspektive etwas altmodisch, aber zum Vorlesen im Kindergarten zwischen Mittagessen und Zähneputzen, wenn der Waschraum von einer anderen Gruppe noch besetzt ist, sind sie auch wegen ihrer Kürze bestens geeignet.

P.S.: Rotraut Susanne Berner, bekannt für ihre Wimmelbücher, hat die Geschichten illustriert.

Gudrun Mebs: „Oma“, schreit der Frieder. Carlsen Verlag 2009. ab 5 Jahren. 5,95 Euro (Taschenbuch).

Das Struwelpeterprinizp: „Räuberkinder“ von Antje Damm und „Das Mohrrübensuppen-Abenteuer“ von Julia Friese

Diese beiden Bilderbücher sind sehr besonders: Erstens wegen ihrer Illustrationen. Antje Damms „Räuberkinder“ ist mit einfachen, etwas krakeligen Strichen gezeichnet und mit einer Art Collagentechnik ergänzt. Ein florales, nostalgisches Tapetenmuster wurde z.B. in ein Bild eingefügt. Julia Frieses Bilder im „Mohrrübensuppen-Abenteuer“ sehen aus, wie durch ein Druckverfahren, z.B. Linolschnitt oder Holzdruck, hergestellt. Sie verwenden ein geringes Farbspektrum – orange, rot, gelb, schwarz, ein wenig grün – und sind deshalb sehr expressiv.

Zweitens sind die beiden Bücher auch wegen ihres Inhalts besonders. Zuerst hat mich dieser sehr verblüfft, aber ich glaube, jetzt habe ich verstanden, wie sie funktionieren. In Antje Damms Buch lernen wir einen Jungen und ein Mädchen kennen: „Das sind zwei Räuberkinder und sie sind wirklich sehr, sehr böse.“ Sie ärgern Hunde, belästigen Passanten auf der Straße, verwüsten das Badezimmer und treiben anderen Unsinn. Aber keine Angst, am Ende zeigen auch die Räuberkinder ihre liebenswerte Seite. In Julia Frieses Buch geht es um das Mittagessen im Kindergarten. Statt der ersehnten Hefeknödel mit roter Sauce gibt es Mohrrübeneintopf. Jedes Kind geht anders mit seiner Portion um: In Moritz‘ Suppenschüssel schwimmt ein Engel, Pauline malt ein Gruppenbild aus Möhrensuppe, Leander isst mindestens zehn Teller leer.

In beiden Büchern werden Erwachsene nervende Verhaltensweisen thematisiert. Ein Hauch von Anarchie durchweht sie. Das irritierte mich zuerst, denn ich fürchtete einen Nachahmungseffekt. Eigentlich scheint sich dahinter aber ein traditionelles Prinzip von Kinderbüchern zu verstecken: Das Vorgehen erinnerte mich an die Struwelpetergeschichten, wo ja auch „schlechtes“ Verhalten gezeigt wird. Der gravierende Unterschied zwischen dem Struwelpeter, dem Suppenkaspar, dem Daumenlutscher oder dem Hans-Guck-in-die-Luft sowie den „Räuberkindern“ und dem „Mohrrübensuppen-Abenteuer“ besteht in den Konsequenzen, die die betroffenen Kinder erfahren. Im 19. Jahrhundert wurden sie grausam bestraft, im modernen Kinderbuch wird dem unerwünschten Verhalten ein positives Beispiel gegenübergestellt. Die Kinder verstehen dann schon, dass sie ihre Kindergartenfreunde nicht mit Suppe bewerfen sollen.

Antje Damm: Räuberkinder. Gerstenberg Verlag 2009. ab 2 Jahren. 7,90 Euro.

Julia Friese: Das Mohrrübensuppen-Abenteuer. Bajazzo Verlag 2004. ab 4 Jahren. 13,90 Euro.

Kinderbücher bodenständig und praktisch: Die Conni-Reihe

Manchmal schleichen sich Kinderbuchfiguren in den Alltag ein und man weiß nicht, wo sie herkommen. Dann sind sie da und gehen nicht wieder weg. Dann ist man wohl den Marketing-Strategen der Verlage auf den Leim gegangen.

Conni ist so eine Figur, die sich, vor allem in der Form von Pixie-Büchern, bei uns eingeschlichen hat. Die Conni-Reihe bietet eine Rundum-Versorgung mit Webseite für Kinder, Kuschelkissen und Arzttasche. Angefangen hat es bei uns mit der Geschichte „Conni feiert Weihnachten“. Und weil die so praktisch die Abläufe und Begriffe rund um das Weihnachtsfest erzählt, folgte „Conni und der Osterhase“. Und dann ergeben sich für viele weitere Alltagserlebnisse und -ereignisse Anlässe, um mal bei Conni vorbeizuschauen: „Conni kommt in den Kindergarten“, „Conni geht zum Arzt“, „Conni zieht um“ und so weiter und so weiter.

Dabei mag ich die Figur eigentlich ganz gerne: Das Mädchen ist sehr bodenständig, legt nicht viel Wert auf Klamotten und Konsumgüter, weiß sich in allen Situationen zu helfen. In ihrer praktischen und zupackenden Art bleibt sie aber dennoch blass, denn sie hat keine Ecken und Kanten. Conni ist das Gegenteil von Juli, den ich in einem früheren Artikel vorgestellt habe, und in dessen Welt es manchmal etwas chaotisch zu geht. Bei Conni hingegen ist immer aufgeräumt, haben die Eltern stets gute Laune und erklären mit Geduld den Alltag im Vorstadthäuschen. Dabei ergeben sich für die Vorleser noch praktische Tipps, wie man selbst Weihnachtskugeln bastelt oder ein Ostergärtchen mit Häuschen anlegt. Das hilft, den Familienalltag zu strukturieren, es beschleicht mich aber das Gefühl, dass die Bücherwelt meines Kindes nicht nur aus Conni-Geschichten bestehen sollte, in denen alles aufgeräumt ist, Konflikte sich in null-komma-nichts lösen und die Welt nur aus Alltagsbegebenheiten besteht.

Liane Schneider, Eva Wenzel-Bürger: Das große Conni-Buch. Carlsen 2010. ab 2 Jahren. 12,90 Euro.

P.S. Im Moment könnten wir den Band „Conni hilft Mama“ gebrauchen, denn die Erkältungszeit hat mich und unseren Papa erwischt und wir sind etwas eingeschränkt arbeitsfähig. Der Papa kommt in den Conni-Geschichten allerdings nur am Rande vor. Er macht auch keine Arbeit im Haushalt. Wobei wir bei einem weiteren Ärgernis der Conni-Geschichten wären: Die Rollenverteilung zwischen den Eltern ist steinzeitlich. Aber das ist ein Problem, das in zahllosen Kinderalltagsbüchern, besteht.

Kinderalltagsliteratur: „Juli“

Es müssen nicht immer die tollsten phantastischsten Welten, die lustigsten Monster und verrücktesten Ritter sein. Juli ist ein Junge zwischen vier und fünf, der in sieben Geschichten von Kirsten Boie (Text) und Jutta Bauer (Illustration) kleine und große Alltagsprobleme bewältigen muss. Er erlebt einen schrecklichen Tag, an dem alles schief geht, verzettelt sich auf dem Heimweg vom Kindergarten,trifft einen Jungen im Rollstuhl, muss Spielsachen für einen Wohltätigkeitsbasar abgeben, lernt Rad fahren, begegnet einem Monster auf dem Klo und findet eine neue Kindergartenliebe.

Dabei sind die Geschichten in einem mir aus Kinderbüchern bisher unbekannten Ton, einer für Vorleser ungewohnten Perspektive geschrieben: wie in einem inneren Monolog werden alle Erlebnisse aus Julis Blickwinkel geschildert. In wunderbaren Assoziationsketten, mit herrlich übertriebenen Zeitangaben, in Wendungen, die sich ums Wetten, Miteinandermessen und Vergleichen drehen, wird die Gefühlswelt von Juli anschaulich. Seine Gefühle und Gedanken werden konkret erfahrbar, denn sie sind mit verschiedenen Sinnes- und vor allem Körperwahrnehmungen verknüpft. Juli haut, schubst, prügelt sich, boxt, wenn er sich ärgert. In seinem Bauch kribbelt es, wenn er sich freut oder aufgeregt ist. Diese Schilderungen machen großen Spaß beim Vorlesen und zeigen eine kindliche Logik, die Erwachsenen oft verschlossen ist.

In den Juli-Geschichten geschieht alles innerhalb der dem Vierjährigen eigenen Logik. Kein erhobener Zeigefinger löst die Geschichten auf, die Probleme werden von den Figuren allein bewältigt, ohne das Eingreifen von Menschen, die für diese Probleme gewöhnlicherweise zuständig sind oder sich fühlen (Erzieherinnen, Eltern). Damit vermitteln die Geschichten eine wichtige Botschaft, auch für die Vorleser: schwierige Situationen lassen sich gut mit kindlicher Eigenlogik meistern, die nicht immer zur Elternlogik passen muss, aber trotzdem funktioniert.

Spannend ist für Vorleser aber nicht nur diese „Botschaft“. Auch die selbstironischen Zeichnungen eines urbanen, „grünen“ Milieus machen Spaß, auch wenn diese in den 1980er Jahren verhaftet sind, denn die Geschichten stammen aus den Jahren 1991 bis 1999. Einige Aspekte dieses Milieus sind heute noch aktuell, manches könnte man hinzufügen oder weglassen. Die unterschiedlichen Erscheinungsdaten der Geschichten, die 2005 in einem Sammelband in der Gulliver-Reihe im Beltz&Gelberg Verlag erschienen sind, erklären auch die recht disparat wirkenden Illustrationen. In jeder Geschichte sehen Juli und seine Freunde, seine Eltern und seine Umgebung ein bisschen anders aus. Die Figuren wandeln sich in Details, sind nicht fließbandreproduziert und transportieren in jeder Situation etwas sehr Besondere. In den Einzelbänden zu den Geschichten wird diese spezifische Atmosphäre auch noch deutlicher, denn dort sind noch mehr Bilder eingearbeitet als im Sammelband.

In den Juli-Geschichten finden sich viele Zutaten, die die Texte für Vorleser und Zuhörer interessant machen: Alltagsprobleme von Kindern werden aufgegriffen, eine Welt erzählt, die Kindergartenkinder gut kennen, zu der es viele Anknüpfungspunkte gibt. Dem Vorleser vermitteln die Geschichten ungewohnte Sichtweisen, regen an zum Nachdenken über Alltagssituationen und über die kindliche Logik. Für mich sind die Juli-Geschichten echte Literatur, gar nicht so weit entfernt von „erwachsener“ Literatur, mit viel Stoff zum Nachdenken und Diskutieren.

  Jutta Bauer / Kirsten Boie: Juli! Geschichten zum Vorlesen. Beltz&Gelberg 2008. ab 4 Jahren. 9,95 Euro.