Erfindergeist: „Willi Werkel baut ein Auto“ von George Johansson und Jens Ahlbom

willy werkelWir haben kein Auto. Wir sind leidenschaftliche Rad- und Bahnfahrer. Aber die Großeltern haben Autos. Und so interessiert sich unser Sohn plötzlich für Automarken und für das Buch „Willy Werkel baut ein Auto“, das wir in der Bibliothek gefunden haben. Zuerst war mir das Buch ein wenig suspekt, dann aber gefielen mir die Figuren und Ideen ganz gut. Aus gesammeltem Schrott und Krimskrams bastelt der Erfinder Willi ein Auto, sein Hund Buffo hilft ihm dabei. Die Leser können ihm zuschauen beim Montieren der Räder, Anbringen des Lenkrads, beim Einbau des Amaturenbretts und zuguterletzt dem Einsetzen eines Motors. Mit dem zusammengeschraubten Wagen entdecken dann die beiden Freunde die weite Welt.

In einer lebendigen Sprache mit schönen Bildern wird so tatsächlich der Aufbau eines Autos erklärt, wenn auch das fertige Gefährt sich schon deutlich von modernen Wagen unterscheidet und die Beschreibung ein wenig  romantisierend – rückwärtsgewandt erscheint. Da ich jedoch selbst einen „Erfinder-Vater“ habe, der früher gerne Computer gebastelt hat und mit großer Leidenschaft lötet, schraubt und Drähte verlegt (an seiner Modelleisenbahn) war mir die Idee vom Do-it-youself-Auto aus Recycling-Material sehr sympathisch.

Beim Recherchieren habe ich dann noch entdeckt, dass es neben den Fortsetzungen auch gut bewertete Computer-Spiele mit Willi Werkel gibt. Das ist dann aber doch ganz schön viel Technik für mich als  schöngeistige Philologiemutter!

George Johansson und Jens Ahlbom: Willi Werkel baut ein Auto. Carlsen Verlag 1994. ab 4 Jahren. Leider nur noch antiquarisch erhältlich.

Fortsetzungen: George Johansson und Jens Ahlbom: Willi Werkel baut ein Schiff. Carlsen Verlag 1999. ab 4 Jahren. Leider nur noch antiquarisch erhältlich. – George Johansson und Jens Ahlbom: Willi Werkel baut ein Flugzeug. Carlsen Verlag 1995. ab 4 Jahren. Leider nur noch antiquarisch erhältlich.

Computerspielreihe: Willy Werkel – Autos bauen mit Willy Werkel (PC+MAC) bei Quinto, für Windows 7/XP/Vista und Mac. CD-Rom für 12,01 Euro. Außerdem auch Flugzeuge bauen, Schiffe bauen, Häuser bauen, Raumschiffe bauen.

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Unsere Leben als Roboter: „Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt“ von Boy Lornsen

robbie tobbieIn den letzten Wochen habe ich ziemlich viel gearbeitet. Zwischen Arbeitsweg, Kita, Spülmaschine, Waschmaschine und Supermarkt spielte sich ein fremd bestimmter Alltag ein, den ich längere Zeit nicht hatte. Da brachten mir ein Vorlesebuch und Unterhaltungen mit unserem Sohn darüber eine schöne Metapher, die meinen Zustand in Worte fasste: Ich fühlte mich oft wie ein Roboter, ferngesteuert, ohne eigenen Antrieb, auf das Funktionieren für andere ausgerichtet.

Die Metapher kam durch „Robbi, Tobbi und das Fliewatüt“ von Boy Lornsen zu uns, einem Kinderbuchklassiker aus dem Jahre 1967, mit Zeichnungen des Jim-Knopf-Illustrators F.J.Tripp, die gleich ein vertrautes Gefühl vermittelten.

Tobias Findteisen, genannt Tobbi, besucht die dritte Klasse der Volksschule und ist Erfinder des Fliewatüüts, eines universalen Fortbewegungsmittels. Denn es kann wie ein Flugzeug fliegen, wie ein Schiff auf dem Wasser schwimmen und wie ein Auto als Landfahrzeug fahren – daher das tüüt. Angetrieben wird das Fliewatüüt mit dem Himbeersaft von Tante Paula, später wird dieser Treibstoff durch Lebertran ersetzt. Tobbi ist Kopilot des Fliewatüüts. Der Pilot heißt ROB 344–66/IIIa, wird aber aus verständlichen Gründen Robbi genannt. Robbi ist in der dritten Klasse der Robotschule. Gemeinsam machen sich die beiden im Fliewatüüt auf, um für Robbi drei Roboterprüfungsaufgaben zu lösen: 1. Aufgabe: Wie viele Treppenstufen hat der gelb-schwarz-geringelte Leuchtturm? 2. Aufgabe: Wer steht am Nordpol und fängt mit „Z“ an? 3. Aufgabe: Suche die dreieckige Burg mit den dreieckigen Türmen und ergründe ihr Geheimnis!

Durch die gemeinsame Lösung der Aufgaben wird Tobbis Traum vom Fliegen mit dem Fliewatüüt Wirklichkeit und Robbi kann in die nächste Roboterklasse versetzt werden. Die beiden Freunde ergänzen sich perfekt. Der kleine Roboter gleicht die Schwächen des Jungen aus. Er kann die weite Strecke vom Nordpol nach Schottland (wo die dreieckige Burg steht) weiter fliegen, wenn Tobbi müde ist. Er benötigt weniger Nahrung als das Menschenkind, nur ab und zu ein bisschen Öl.

Leider besitze ich nicht so viele Roboter-Qualitäten – ich brauche Schlaf und regelmäßige Nahrung ist wichtig. Und Teleskoparme habe ich leider auch nicht. Die hatte sich hingegen unser Sohn vorgestellt. Ein paar Tage lang fuhr er sie am Tisch aus und plötzlich konnte er wundersame Dinge, die vorher der Mama-Roboter erledigen musste, wunderbar selbst verrichten. Auch den Spiral-Hals hatte er von Robbie übernommen und war über Nacht 10cm gewachsen. Die „Ich-bin-ein-Roboter“-Phase dauerte nicht lange an (das Vergnügen am Buch hielt aber schon ein paar Wochen), worüber ich einerseits ein bisschen traurig war, denn Roboter sind irgendwie selbstständiger als Menschenjungen. Ich mich andererseits aber auch freute, denn die Kommunikation mit einem Maschinenkind ist schwierig. Die Maschine war noch eigensinniger als das normale Kind und das raubte der Roboter-Mama mehr Kräfte als der Alltag zwischen Arbeit, Haushalt und Kinderbetreuung.

Boy Lornsen: Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt. Thienemann Verlag 1967. 12,00 Euro. ab 8 Jahren (als Vorlesebuch ab 5 Jahren).