Ein Faible für Kometen: „Im Weltraum“ vom Usborne Verlag

look_inside_space_cover_20mm_geEs scheint mir Lichtjahre her, dass ich zuletzt etwas für den Blog geschrieben habe. Nun kommt langsam die Zeit, um aufs Jahr zurück zu blicken. So möchte ich in den nächsten Wochen versuchen, mal wieder Kinderbücher vorzustellen, die uns in den letzten Monaten beschäftigt haben.

Den Anfang macht ein Sachbuch und ein aktuelles Ereignis: Am Mittwoch, dem 12. November, wird das erste Mal in der Geschichte der Raumfahrt eine Sonde auf einem Kometen landen. Philae begegnet 67P/Tschurjumow-Gerassimenko. Die Reise von Rosetta, der Muttersonde, und Philae, der Landeeinheit, zum Kometen dauerte 10 Jahre. Gesteinsproben sollen in den nächsten Monaten gesammelt werden. Die auf 67P gesammelten Daten sollen helfen, die Entstehung des Sonnensystems besser zu verstehen.

Einen ersten Einblick in das Verständnis des Weltraums bekommen Kinder ab 5  Jahren allerbestens mit dem Sachbuch „Im Weltraum“ vom Usborne Verlag, einer Übersetzung eines britischen Titels, geschrieben von Rob Lloyd Jones, illustriert von Benedetta Giaufret und Enrica Rusiná. Das Buch bedient sich des Klappenprinzips, um viele Informationen spannend aufzubereiten. Und es gibt wirklich viele Informationen zu entdecken! Mit über 70 Klappen sind die Fakten so verpackt, dass nicht der Eindruck entsteht, man müsste viel Text lesen. Hinter jeder Klappe verstecken sich zwei oder drei weitere Klappen. So wird das Prinzip des Wissenserwerbs sehr anschaulich. Als ich begann, das Buch vorzulesen, meinte ich, in 10 Minuten fertig zu sein. Pustekuchen! Eine Stunde dauerte der Spaß!

Und es machte viel Spaß, mein Wissen über Planeten und Sterne aufzufrischen, sowie Neues zu lernen. Beim Vorlesen der Fakten über die gigantischen und unbegreifbaren Dimensionen des Weltraums werde ich immer ganz ehrfürchtig und staune: Eine Rakete müsste sechs Monate fliegen, um zu unserem nächst gelegenen Planeten, dem Mars, zu gelangen! Die leuchtenden Farben der Planeten auf schwarzem Untergrund machen mir gute Laune.

Leider sind die Bilder aus dem wirklichen Weltraum meist eher grau in grau. Trotzdem werden wir uns am nächsten Mittwoch die Live-Übertragung des Ereignisses im Planetarium ansehen. Wir drücken den Wissenschaftlern fest die Daumen, dass die Misson gelingt!

Usborne Verlag / Autorenteam: Aufklappen und Entdecken: Im Weltraum. London 2014. 9,95 Euro. ab 5 Jahren.

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Vorurteile und Stereotype in Kinderklassikern: „Pippi Langstrumpf“ von Astrid Lindgren

Pippi LangstrumpfAls Vorlesebuch steht „Pippi Langstrumpf“ bei uns gerade hoch im Kurs. Der Klassiker fasziniert mich und meinen Sohn. Der fröhliche Non-Konformismus des rothaarigen Mädchens macht mir viel Spaß. Anknüpfend an die Debatte um Rassismus und Stereotype in Kinderbücher (meist am Beispiel von Otfried Preußler und Michael Ende) hatte ich bei der Lektüre an einigen Stellen aber auch Bauchschmerzen, denen ich heute mal auf den Grund gehen möchte.

Bei der Boell-Stiftung fand ich auch einige Argumente für mein Unbehagen. In einem Artikel beschreibt die Autorin Olenka Bordo fundiert, wie Vorurteile in der Kinderliteratur wirken.  Astrid Lindgrens Werk „Pippi Langstrumpf“, das 1944 in Schweden und 1949 erstmals in Deutschland erschien, wirft sie vor, es würde Vorurteile und Stereotype vermitteln, rassistische und unreflektierte Handlungen darstellen und wäre sehr unkritisch gegenüber der Verharmlosung von historischen Ereignissen wie der Kolonialisierung.

Um ihre Argumentation zu überprüfen, habe ich mir das erste Kapitel (bzw. die erste Geschichte) des ersten Buchs genauer angesehen. Tommy und Annika sprechen das erste Mal mit Pippi, nachdem sie darüber gestaunt haben, wie Pippi aussieht (abstehende Zöpfe, Sommersprossen, weiße Zähne, selbst genähtes Kleid,  zu große Schuhe) und was sie tut (die Straße entlang gehen, zuerst mit einem Bein im Rinnstein, mit dem anderen auf dem Bürgersteig und dann läuft sie rückwärts). In ihrer ersten Unterhaltung rechtfertigt Pippi ihr ungewöhnliches Verhalten. Sie sagt:  „Leben wir etwa nicht in einem freien Land? Darf man nicht gehen, wie man möchte? Übrigens will ich dir sagen, dass in Ägypten alle Menschen so gehen, und niemand findet das im Geringsten merkwürdig.“ (S. 16)

Mit dieser Antwort auf Tommys Frage, warum sie sich ungewöhnlich verhält, wird Pippis Logik eingeführt, die im weiteren Verlauf des Dialogs noch erläutert wird. Pippis Gedanken spielen dabei mit Vorurteilen und Stereotypen.  Sie spricht über Länder, in denen sie als Seeräubertochter angeblich schon war und wo sie beobachtet hat, was in anderen Kulturen aus ihrer Wahrnehmung heraus normal ist. Pippi benutzt die Andersartigkeit der Ägypter zur Rechtfertigung ihres Verhaltens gegenüber Annika und Tommy. Irgendwo hat das kleine rothaarige Mädchen scheinbar schon gelernt, dass Differenz begründet werden muss und dass der Rückgriff auf exotische Kulturen eine akzeptable Begründung darstellt. Schließlich können ihre Freunde die Behauptungen Pippis nicht überprüfen, denn sie haben Schweden noch nicht verlassen. Vielleicht regen Pippis Erzählungen aber ihre Neugier auf andere Länder an?

Bemerkenswert ist in Pippis Begründung der Satz: „Leben wir etwa nicht in einem freien Land?“ Das kleine rothaarige Mädchen erinnert Tommy und Annika daran, dass sich in Schweden jedeR so verhalten kann, wie er/sie möchte, egal woher dieses Verhalten kommt oder welcher Norm es entspricht. Der Rückgriff auf nicht-schwedische Hintergründe sollte nicht zu Diskriminierung führen.

Im weiteren Verlauf des Dialogs, der auch der Einführung der Charaktere von Tommy (der Skeptische) und Annika (die Vorsichtige) dient, wird Pippis Argumentation auf die Probe gestellt. Dabei wird das für Kinder zwischen fünf und acht Jahren sehr wichtige Thema „Wahrheit und Lüge“ aufgegriffen. Tommy bezichtigt Pippi der Lüge. Sie gibt daraufhin traurig zu, dass sie nicht die Wahrheit gesagt hat. Nach einer kurzen Entschuldigung für diese nicht-gesellschaftskonforme Redeweise fährt sie unbekümmert fort, weiter Geschichten von fernen Ländern zu erzählen: „Und übrigens […] will ich euch sagen, dass es im Kongo keinen einzigen Menschen gibt, der die Wahrheit sagt. Sie lügen den ganzen Tag. Sie fangen früh um sieben an und hören nicht eher auf, als bis die Sonne untergegangen ist.“ (S. 17) Mit dieser klar sowohl durch den Kontext als auch den Inhalt gekennzeichneten Lüge wird deutlich markiert, wie Pippi über andere Kulturen spricht: Sie erzählt Geschichten, spinnt Seemannsgarn. In ihrem Kopf regiert die Fiktion.

Ich denke somit nicht, dass das kleine rothaarige Mädchen Stereotype  oder Vorurteile über andere Länder vermittelt. Ihre Ausführungen sind in spielerische Kontexte eingebettet und als solche gekennzeichnet. Das Spielerische ihrer Gedanken können sich die Leser der Geschichten leicht bewusst machen. Es stellt sich für mich nur die Frage, wie die RezipientInnen diesen Leseeindruck thematisieren können? Vielleicht wäre die Frage spannend: Welche Geschichte würde Pippi wohl über die Menschen in Deutschland erzählen?

Astrid Lindgren: Pippi Langstrumpf. Hamburg: Verlag Friedrich Oetinger 1986. Übersetzung von Cäcilie Heinig. 8,90 Euro. ab 5 Jahren.

 

 

Sieben Fragen im Winter: „Kennys Fenster“ von Maurice Sendak

kennys fensterMein Sohn sagte vor kurzem: „Mama, dieser Winter ist voller Geheimnisse“. Warum? Geheimnisse sind etwas sehr Schönes, wie tanzende Schneeflocken im Straßenlaternenlichtkegel, wie Schneeschichten auf graubraunen Ästen und Zweigen, die die knorrigen Arme der Baumriesen leicht und luftig wirken lassen.

Sehr geheimnisvoll ist auch das Buch „Kennys Fenster“ von Maurice Sendak, dem laut Klappentext berühmtesten Kinderbuchillustrator des 20. Jahrhunderts, dessen Klassiker „Wo die wilden Kerle wohnen“ mich tief berührt hat. In „Kennys Fenster“ bekommt ein Junge während eines Traums die Aufgabe, Antworten auf sieben Fragen zu finden. Als er aufwacht, versucht Kenny zusammen mit seinem Teddy Bucky, seiner Hündin Baby, einer Ziege und zwei Zinnsoldaten die Fragen bzw. Rätsel zu beantworten. Die Lösungen, Antworten und weitere Fragen findet er und mit ihm der Leser ganz beiläufig, im Alltag, wie z.B. bei der Frage: „Was schaut nach drinnen und nach draußen?“

Kenny beobachtet vom Himmel fallende Schneeflocken am Fenster. „Ich möchte gerne wissen, warum Schnee da oben schmutzig aussieht und hier unten sauber.“ Das Fenster gibt dem Jungen die Möglichkeit, die Natur zu beobachten. Dann wendet er sich aber seinen Spielkameraden, dem Teddy und den Zinnsoldaten zu. Als es zum Streit beim Spiel kommt, bricht die Sonne durch die Wolken, das Fenster lässt die Winterluft ins Zimmer. Kenny sieht im Schnee spielenden Kinder zu und beobachtet ein Baby, dessen Vater ihm die Schneeflocken zeigen möchte. Schließlich kommt Kennys Freund vorbei und lädt ihn zum Spielen nach Draußen ein. Das Fenster bekommt in dieser Episode verschiedene Rollen: Spiegel der Wissbegierde des Jungen, Rahmen für die Neugierde auf die Welt, Ablenkungsinstrument, Mittel zur Kontaktaufnahme. Es schaut nach drinnen und nach draußen.

Ähnlich komplex wie diese geheimnisvolle Frage und doch immer mit einem Blick, der am Alltag von Kindern orientierten ist, werden auch die anderen sechs Aufgaben gelöst. Es geht dabei um Liebe, Konflikte mit Freunden, Wünsche und Träume.

Maurice Sendak: Kennys Fenster. Aladin Verlag Hamburg. ab 5 Jahren. 14,90 Euro.

Unsere Leben als Roboter: „Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt“ von Boy Lornsen

robbie tobbieIn den letzten Wochen habe ich ziemlich viel gearbeitet. Zwischen Arbeitsweg, Kita, Spülmaschine, Waschmaschine und Supermarkt spielte sich ein fremd bestimmter Alltag ein, den ich längere Zeit nicht hatte. Da brachten mir ein Vorlesebuch und Unterhaltungen mit unserem Sohn darüber eine schöne Metapher, die meinen Zustand in Worte fasste: Ich fühlte mich oft wie ein Roboter, ferngesteuert, ohne eigenen Antrieb, auf das Funktionieren für andere ausgerichtet.

Die Metapher kam durch „Robbi, Tobbi und das Fliewatüt“ von Boy Lornsen zu uns, einem Kinderbuchklassiker aus dem Jahre 1967, mit Zeichnungen des Jim-Knopf-Illustrators F.J.Tripp, die gleich ein vertrautes Gefühl vermittelten.

Tobias Findteisen, genannt Tobbi, besucht die dritte Klasse der Volksschule und ist Erfinder des Fliewatüüts, eines universalen Fortbewegungsmittels. Denn es kann wie ein Flugzeug fliegen, wie ein Schiff auf dem Wasser schwimmen und wie ein Auto als Landfahrzeug fahren – daher das tüüt. Angetrieben wird das Fliewatüüt mit dem Himbeersaft von Tante Paula, später wird dieser Treibstoff durch Lebertran ersetzt. Tobbi ist Kopilot des Fliewatüüts. Der Pilot heißt ROB 344–66/IIIa, wird aber aus verständlichen Gründen Robbi genannt. Robbi ist in der dritten Klasse der Robotschule. Gemeinsam machen sich die beiden im Fliewatüüt auf, um für Robbi drei Roboterprüfungsaufgaben zu lösen: 1. Aufgabe: Wie viele Treppenstufen hat der gelb-schwarz-geringelte Leuchtturm? 2. Aufgabe: Wer steht am Nordpol und fängt mit „Z“ an? 3. Aufgabe: Suche die dreieckige Burg mit den dreieckigen Türmen und ergründe ihr Geheimnis!

Durch die gemeinsame Lösung der Aufgaben wird Tobbis Traum vom Fliegen mit dem Fliewatüüt Wirklichkeit und Robbi kann in die nächste Roboterklasse versetzt werden. Die beiden Freunde ergänzen sich perfekt. Der kleine Roboter gleicht die Schwächen des Jungen aus. Er kann die weite Strecke vom Nordpol nach Schottland (wo die dreieckige Burg steht) weiter fliegen, wenn Tobbi müde ist. Er benötigt weniger Nahrung als das Menschenkind, nur ab und zu ein bisschen Öl.

Leider besitze ich nicht so viele Roboter-Qualitäten – ich brauche Schlaf und regelmäßige Nahrung ist wichtig. Und Teleskoparme habe ich leider auch nicht. Die hatte sich hingegen unser Sohn vorgestellt. Ein paar Tage lang fuhr er sie am Tisch aus und plötzlich konnte er wundersame Dinge, die vorher der Mama-Roboter erledigen musste, wunderbar selbst verrichten. Auch den Spiral-Hals hatte er von Robbie übernommen und war über Nacht 10cm gewachsen. Die „Ich-bin-ein-Roboter“-Phase dauerte nicht lange an (das Vergnügen am Buch hielt aber schon ein paar Wochen), worüber ich einerseits ein bisschen traurig war, denn Roboter sind irgendwie selbstständiger als Menschenjungen. Ich mich andererseits aber auch freute, denn die Kommunikation mit einem Maschinenkind ist schwierig. Die Maschine war noch eigensinniger als das normale Kind und das raubte der Roboter-Mama mehr Kräfte als der Alltag zwischen Arbeit, Haushalt und Kinderbetreuung.

Boy Lornsen: Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt. Thienemann Verlag 1967. 12,00 Euro. ab 8 Jahren (als Vorlesebuch ab 5 Jahren).

Mythologie einer Mutter-Kind-Beziehung: „Die Menschenfresserin“ von Valérie Dayre

Irgendwie bin ich gerade in eimenschenfresserinne kleine frankophile Phase hineingeraten (Ungerer (der aber nicht auf französisch schreibt), Comics aus Belgien, im Original auf französisch). Bei der Beschäftigung mit „Die Menschenfresserin“ von Valérie Dayre fiel mir mal wieder auf, wie verschieden doch die Einstellungen zu Kinderbüchern in unterschiedlichen Ländern sein können. Das Buch wird sehr kontrovers diskutiert, in Deutschland aber mehr kritisiert als in Frankreich.

Eine fürchterliche Frau, ein Monster, verspürt Appetit auf ein Kind. Sie sucht ein Opfer, erweist sich dabei jedoch als sehr wählerisch und sucht überall den größten Leckerbissen. Die Gier, die in ihren Augen steht, erkennen die Menschen sofort und verstecken ihre Kinder vor der Menschenfresserin. Sie wird wütend und trifft schließlich doch ein Kind, das ungeschützt spielt. Nachdem sie dieses Kind gefressen hat, merkt sie, dass es ihr eigenes war.

Im Nachbarland wird das Buch im Unterricht in der Grundschule behandelt, wie mir bei einer kleinen oberflächlichen Internetrecherche schien. In Deutschland ist das anscheinend nicht der Fall. Professionelle Literaturkritiker loben zwar „Die Menschenfresserin“, Eltern können aber nicht so viel damit anfangen. Dabei gehört der Illustrator, Wolf Erlbruch, zu den renomiertesten und anerkanntesten Künstlern seines Fachs in Deutschland.

Ein zentrales Problem, welches das Buch in Deutschland „ungenießbarer“ macht als in Frankreich ist die Sprache. „Die Menschenfresserin“ spielt mit dem Ausdruck „à croquer“, was man mit „etwas oder jemanden zum Fressen gern haben“ übersetzen kann. Zum Inhalt des Buchs passt diese Übersetzung auch gut, nur kommt so eine andere emotionale Ebene ins Spiel. „Croquer“ klingt viel harmloser, gemütlicher, scherzhafter als „zum Fressen“. „Knabbern“ und „Anbeißen“ wären korrekter, aber dann würde die Geschichte keinen Sinn mehr machen. Durch das Verb fressen im Deutschen wird das Furchteinflößende der Bilder betont. Alles ist nur noch düster, während der Text im Französischen viel spielerischer erscheint. Zwar wurden die meisten Wortspiele in der Übersetzung gut übertragen und auch die Binnenreime beibehalten, dennoch ist schon allein der Titel „Die Menschenfresserin“ viel direkter und eindeutiger als „L’ogresse en pleurs“ – eine ogresse verspeist nämlich nicht nur Menschen.

Und so verdeckt der Schock über den grausamen Akt des Fressens die wertvollen Botschaften, die das Buch in sich trägt, z.B. die dass alle Kinder, egal ob groß, klein, dick, dünn, schlau oder dumm, geschützt werden müssen. Oder der Gedanke, dass zu viel Liebe Kindern auch nicht gut tun kann, dass sie sich durch blinde Liebe nicht frei entfalten können. Wie in einem antiken Mythos wird ein Gleichnis der Mutter-Kind-Beziehung entfaltet, der nachdenklich macht und ein psychologisches Muster zum Vorschein bringt, das wahrscheinlich weiter verbreitet ist, als man zuerst einmal meinen könnte.

Valérie Dayre: Die Menschenfresserin. Peter-Hammer-Verlag 1997. ab 5 Jahren. 13,90 Euro.

Comics zur Einführung: Benni Bärenstark

Das neue Jahr hbenni bärenstark1at vor ein paar Tagen begonnen, ich wünsche euch alles Gute! Wie es sich für einen spannenden Jahresanfang gehört, möchte ich heute einen kleinen Ausblick geben – einen Ausblick auf eine Neuerscheinung, mit der ihr hoffentlich viel Spaß haben werdet.

Eigentlich bin ich kein großer Comic-Fan. Ich hatte nur eine ganz kurze „Lustiges-Taschenbuch-Phase“, habe die bunten Bildchen schnell hinter mir gelassen und war immer mehr von Bleiwüsten angezogen. Mir leuchtet aber ein, dass Comics sehr gut das Lesenlernen unterstützen und eine große Motivation für die Beschäftigung mit Büchern sein können. Das Vorlesen ist zwar etwas schwierig, aber die großen Buchstaben sind bestimmt interessant in Phasen, in denen Kinder sich gerne mit Buchstaben beschäftigen und diese für sich entdecken.

Also möchte ich mich gerne auf den Tipp einer Freundin einlassen, die mir den kleinen Benni Bärenstark ans Herz gelegt hat. Der Charakter wurde vom belgischen Comiczeichner Peyo, dem Erfinder der Schlümpfe, entwickelt. Im Februar 2013 erscheinen drei Bände aus der Serie neu und sie sind dann wieder lieferbar.

benni bärenstark2Benni ist ein kleiner, ganz normaler Junge – das heißt, er wäre es gern, ist er aber nicht, denn er ist unglaublich stark! Bäume ausreißen, höher als ein Haus springen, Autos mit bloßen Händen durch die Luft schleudern? Kein Problem für ihn – Schwierigkeiten bereitet ihm nur, seine Kräfte im Alltag richtig zu dosieren. Deshalb will auch niemand mit ihm spielen, denn alles, was er anfasst, geht nur allzu leicht kaputt. Zumindest solange er keinen Schnupfen hat, denn dann verlassen ihn seine Kräfte, und er ist wirklich nur ein braver, kleiner Junge, dem allerdings jede Art von schlechtem Benehmen oder gar kriminelle Machenschaften strikt zuwider sind. So gerät er stets aufs Neue in abenteuerliche Verwicklungen, bei denen er seine Superkräfte dann doch sinnvoll einsetzen kann, und wenn er schön darauf achtet, sich nicht zu erkälten, haben Schurken und Bösewichter gegen ihn kaum eine Chance.

Dieser kleine Held scheint mir viel Identifikationspotential für unseren fast Fünfjährigen zu bieten, der sich manchmal auch so gibt, als habe er Bärenkräfte. Erkältungen sind zwar im Moment nicht so das Thema, aber ein bisschen Gesundheitserziehung schadet bestimmt nicht.  Und so freue ich mich auf eine erste Begegnung mit Benni Bärenstark.

Peyo: Benni Bärenstark. Band 1: Die roten Taxis. Toonfish Verlag angekündigt ab Februar 2013. ab 5 Jahren. 11,95 Euro.

Peyo: Benni Bärenstark. Band 2: Madame Albertine. Toonfish Verlag angekündigt ab Februar 2013. ab 5 Jahren. 11,95 Euro.

Fünf Strategien zum Umgang mit dem „Kokosnuss“-Phänomen (und wie sie wirken)

kokosnuss weihnachtsmannIch leide gerade Höllenqualen. Aus dem Kindergarten wurde der „Kokosnuss-Bazillus“ bei uns eingeschleppt und es ist noch furchtbarer als ich befüchtet hatte.

Bei einer Lesung in Gießen hatte ich die Reihe vom kleinen Drachen Kokosnuss von Ingo Siegner schon kennen gelernt und war nicht begeistert. Zu holzschnittartig erschienen mir die Figuren, zu baukastenprinzipmäßig die einzelnen Geschichten. Ich habe nicht verstanden, warum die Reihe so erfolgreich ist. Damals war unser Sohn 2,5 Jahre alt und fand die Lesung genauso langweilig wie ich.

Nun ist es aber soweit, dass der kleine Bücherfreund leider Gefallen gefunden hat an dem kleinen roten Drachen und zwar ziemlich intensiv. Was soll ich tun als bildungsbeflissene Mama, die mit Unterhaltungskultur nicht so viel anfangen kann? In den letzten Wochen habe ich fünf Strategien entwickelt, um dem Phänomen zu begegnen. Sie funktionieren mehr oder weniger gut.

1) Entspannung durch Erinnerung an die eigene Kindheit: Der Gedanke an Parallelen zu anderen Kinderserien hilft mir sehr. Ich habe selbst recht viel „Benjamin Blümchen“-Geschichten gehört, die ja auch nicht unbedingt zur Hochkultur zu zählen sind. Aber ob sie so stereotyp aufgebaut waren?

2) Bücher nur aus der Bibliothek ausleihen: Diese Strategie entlastet ungemein. Man hat die Bände nicht im Bücherregal stehen und die Auswahl bleibt natürlicherweise eingeschränkt. Aufgrund der großen Nachfrage in den Bibliotheken hat man auch immer wieder eine gute Ausrede: Schade, alle Bücher ausgeliehen!

3) Unlust zum Vorlesen ausdrücken, Ablenkung und andere Lieblingsbücher hervorholen: Funktioniert leider gar nicht, bzw. nur sehr kurzfristig. Zum einen lese ich zu gern vor, als dass ich den kleinen Bücherfreund ständig vertrösten wollte. Seine Bücherfreude soll ja auch nicht getrübt werden. Zum anderen ist seine Neugier auf die Kokosnuss-Geschichten einfach zu groß, als dass andere Bücher gerade von großem Interesse wären.

4) Argumente sammeln und mit dem Kind diskutieren: Tröstlich ist der Gedanke, dass die Auseinandersetzung mit schlechter Literatur die Kritikkompetenz und Analysefähigkeit schult. Ich fasse meine Kritikpunkte zusammen (monotone Wortwahl, unlogische Geschichten mit unmotivierten Wendungen, platte Botschaften) und der kleine Drachenfreund versteht davon überhaupt nichts …

5) Verbesserungsvorschläge sammeln: Aus einer solchen kleinen Diskussion entwickelte sich neulich dennoch eine lustige Situation. Ich erklärte, dass ich den Namen Kokosnuss für einen kleinen roten Drachen blöd finde (Kokosnüsse sind braun, rund, hart, hängen an Bäumen – der Drachen ist rot, überhaupt nicht rund, kann fliegen) – was für meinem Sohn durchaus nachvollziehbar war. Daraufhin machten wir uns auf die lustige Suche nach einem anderen Namen. Wir hatten sehr viel Spaß dabei und sind auch fündig geworden. Wir würden Kokosnuss gerne umbenennen in „Feurich“.

Wenn der Autor sich auf diesen Vorschlag einlässt und gemeinsam mit dem Lektor noch nach Variationen zum Verb „sagen“ als Redeausleitung in Dialogen sucht, sind meine schlimmsten Höllenqualen fürs Erste gelindert. So richtig froh bin ich aber erst, wenn wir es endlich schaffen, zu „Winnie, the Puh“ im englischen Original, weiterzugehen.

Ingo Siegner: Der kleine Drache Kokosnuss besucht den Weihnachtsmann. cbj Verlag 2006. ab 6 Jahren. 7,99 Euro.

Eine Weihnachtsgeschichte mit viel Exotik: „Babar und der Weihnachtsmann“ von Jean de Brunhoff

In den letzten Tagen habebabar weihnachtsmann ich mir ein paar Gedanken über Weihnachtsbücher gemacht. Und dabei leider keine Ordnung in meine Gedanken bekommen. Ich hätte euch gerne eine Systematik präsentiert, aber die habe ich nicht  gefunden. Es gibt so viele Weihnachtsgeschichten und ich habe bisher nur eine Handvoll gelesen. So habe ich mich entschieden, mal zwei unterschiedliche Bücher vorzustellen, die das Spektrum der Weihnachtsgeschichten repräsentieren. Beide bedienen sehr unterschiedliche Geschmäcker und die „idealen Weihnachtsbücher“ sind sie für mich nicht unbedingt, sie bieten eher Stoff für Diskussionen.

Los geht’s mit einem sehr ausgefallenen, exotischen Buch und einer berühmten und umstrittenen Figur, nämlich Babar, der Elefant.

Einem breiten Publikum bekannt geworden ist der Elefant durch Fernseh- und Zeichentrickserien. Die erste Geschichte in Buchform erschien 1931 (L’histoire de Babar) in Frankreich und erzählt das Schicksal eines Elefantenwaisenjungen. Nach der Ermordung seiner Mutter durch Jäger landet Babar in einer Stadt. Dort nimmt ihn eine alte Frau unter ihre Fittiche und erzieht ihn wie ein Menschenkind. Als junger Mann kehrt er in den Urwald zurück. Da der alte König der Elefanten an einer Pilzvergiftung gestorben ist, nimmt Babar dessen Platz ein. Er macht seine Cousine Celeste zur Königin. Er gründet die Stadt Celesteville, wo die Elefanten nach dem Vorbild der menschlichen Zivilisation leben. Sieben Geschichten über den Elefantenkönig und seine Freunde schrieb Jean de Brunhoff bis 1941, später wurde die Serie durch seinen Sohn fortgesetzt.

In „Babar und der Weihnachtsmann“ hört der Affe Zephir von einem geheimnisvollen alten Mann, der Kindern Geschenke bringt. Er berichtet den Elefantenkindern in Celesteville davon und schlägt vor, diesen sogenannten Weihnachtsmann einzuladen. Leider bekommen die kleinen Elefanten keine Antwort auf ihren Einladungsbrief und so beschließt König Babar, sich auf die Suche nach dem Weihnachtsmann zu machen. Er fährt zuerst nach Paris und erfährt dort von einem Professor, dass der alte Mann mit dem weißen Bart in einem Ort namens PRIMNESTWE lebt. Babar macht sich auf die Reise dorthin und nimmt einen kleinen Hund mit, der gut schnüffeln und Spuren finden kann. Und tatsächlich findet  der Hund die richtige Spur und einige Bergzwerglein, die die Weihnachtshöhle bewachen. Durch einen dramatischen und gleichzeitig glücklichen Zufall landet Babar an seinem Ziel und er kann den Weihnachtsmann fragen, ob er ins Land der Elefanten mitkommen möchte. So ergibt es sich, dass der alte Mann einen Erholungsurlaub in Afrika unternimmt.

So exotisch diese Reise des Weihnachtsmannes anmutet, so ausgefallen erscheint das ganze Buch. Es kommt in einem großen Format daher, als Schriftart wurde eine Schreibschrift gewählt, eine Art Schulausgangssschrift mit französischen Buchstaben. Die sehr flächigen Illustrationen schaffen eine leichte und helle Atmosphäre, die sich stark abhebt von all den gemütlichen, anheimelnden, weich gezeichneten Bildern, die man sonst in Weihnachtsbüchern so findet. Gut gefällt mir dabei eine Doppelseite, auf der die Weihnachtshöhle mit viele Kammern und Aufzügen abgebildet ist.

Skeptisch bin ich, was die „Ideologie“ der Geschichte angeht. Es wird stark hervorgehoben, dass der Weihnachtsmann vor allem eingeladen wird, weil er Spielzeuggeschenke bringt. Zudem haftet den Babar-Geschichten ein bitterer Beigeschmack an, denn man kann ihnen durchaus den Vorwurf eines kolonialistischen Blicks machen. Der Elefantenkönig Babar bringt den armen Wilden in Afrika die Kultur aus Europa. Nun muss sogar der europäische und menschliche Weihnachtsmann das Fest der Elefanten bereichern. Da sollte ich mich mal noch nach einem Buch umschauen, in dem Weihnachtsbräuche aus verschiedenen Kulturen vorgestellt werden.

Jean de Brunhoff: Babar und der Weihnachtsmann. Diogenes Verlag 3. Auflage 2006. 19,90 Euro. ab 5 Jahren. 

Überraschungsmomente: „Mia schläft woanders“ von Pija Lindenbaum

Nun habe ich es endlich geschafft, den diesjährigen  Sieger in der Sparte Bilderbuch des Deutschen Kinder- und Jugendliteraturpreises 2012 zu besorgen. Im Buchhandel gab es Lieferengpässe, in den Berliner Bibliotheken waren alle Exemplare ausgehliehen. Der Preis hat also seine Wirkung gezeigt. Obwohl die Autorin eigentlich schon bekannt sein müsste. In ihrer Heimat Schweden hat sie zahlreiche Preise verliehen bekommen, ihre Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt. In Deutschland sind seit 2005 drei Bücher mit ihrer Heldin Franziska (so sollte aber eigentlich keine Heldin heißen, finde ich) erschienen. In bester Pippi-Langstrumpf-Tradition erzählt die Autorin Geschichten von starken Mädchen. So auch in „Mia schläft woanders“. Mia erlebt bei einem Übernachtungsbesuch recht gruselige Dinge und bewegt sich durch Furcht erregende Räume, von Angst ist im ganzen Buch aber niemals die Rede.

Dabei werden einige Kindererfahrungen in eine Geschichte und in Bilder verpackt, die sehr überraschend komponiert sind. Es geht um Gefühle der Fremdheit gegenüber unbekannten Menschen, Räumen und Gewohnheiten, um das Gefühl der Freundschaft, das auf eine Probe gestellt wird, um das Gefühl der Vorfreude und der großen Erwartungen an Ereignisse, die durch das Erleben selbst nicht eingelöst werden können, es geht um die Suche nach Schutz und Hilfe in der Dunkelheit. All diese Erfahrungen, die in „normalen“ Alltagsgeschichten für Kinder unter dem Begriff Angst zusammen gefasst sind, werden aufgedröselt und in einzelnen Szenen genauer betrachtet.

Es ergeben sich somit schöne Perspektivverschiebungen und Rätselhaftigkeiten. Was Cerisia, der Freundin von Mia, vertraut und lieb ist, erscheint der Besucherin unheimlich und abstoßend, wie der Hund der Gastgeberfamilie, der eine eklige Beule auf dem Kopf hat. Im Fokus bleibt dabei allerdings Mias Erleben. Ihre Freundin wird ganz schön abfällig geschildert. Auf einigen Bildern sieht ihre Nase doch sehr stark wie der Rüssel eines Schweins aus. Ihr Verhalten gegenüber dem Übernachtungsgast ist nicht gerade vorbildlich.

Die große Wohnung der Gastfamilie, die beim ersten Besuch sehr beeindruckt, auf den zweiten Blick aber einige Makel hat, wie z.B. Kaffeeflecken auf dem Sofa, erscheint als Kulisse, in der deutlich wird, wie sich Bilder von Menschen, die wir kennen lernen, ergänzen und verschieben, wenn wir in ihre Privatsphäre eingelassen werden. Diese Ergänzungen und Verschiebungen funktionieren auch wunderbar in der Korrespondenz von Text und Bild. Der Text ist an einigen Stellen ganz sparsam und  offen. Erst durch die Bilder wird deutlich, was mit den Worten gemeint sein könnte. Diese Text-Bild-Verbindung finde ich sehr gut gelungen.

So zeigt „Mia schläft woanders“ eine problematische Freundschaft, die durch Mias Fremdheitsgefühle auf eine Probe gestellt wird. Beiläufig wird dann erzählt, wie sich die Situation für Mia und Cerisia auflöst und wie die beiden Mädchen es doch noch schaffen, das Versprechen einer durchquatschten Nacht mit verrückten und gruseligen Geschichten im Dunkeln, einzulösen. Der Schlusssatz relativiert dieses positive Erlebnis sehr stark und holt eine pessimistische Sicht  in die Geschichte zurück. So habe ich als Leserin mich gefragt, wo das Mut machende Moment, das ich in der Literatur sehr schätze, versteckt ist. Ist die Geschichte nicht ein bisschen zu düster und vermittelt eine zu negative Sicht auf Freundschaft und Fremdheitserfahrungen?

Mit dieser sehr subjektiven Frage, möchte ich aber die Rezension nicht beschließen. Denn vom ästhetischen und künstlerischen Standpunkt betrachtet, denke ich, dass „Mia schläft woanders“ ein großartiges Bilderbuch ist, welches die Möglichkeiten des Genres wunderbar ausschöpft und gestaltet.

Pija Lindenbaum: Mia schläft woanders. Verlag Friedrich Oetinger 2011. ab 5 Jahren. 12,95 Euro.

Die großen Fragen des Lebens: „Mama, wo ist eigentlich das Gestern hin?“ von Maja Bohn

Noch befindet sich unser Sohn im Stadium der kurzen „Warum?“-Fragen, die einfach automatisch an jeden Satz angehängt werden. Das nervt manchmal, aber erfordert noch nicht allzuviel Gehirnschmalz, weil im Moment die Fragen vom Fragensteller und Antwortgeber eher als Routine wahrgenommen werden. Wenn die Antwort dann mal ein bisschen gedankenverloren ist, stellt das keinen Beinbruch dar. Noch verlässt sich der kleine Frager auf meine „Autorität“ und zweifelt meine Erklärungen nicht an.

Für die Zeit, in der sich das ändert, und in der sein eigener Entdeckergeist erwacht, er sich nicht mit meinen manchmal ratlosen Antworten zufrieden gibt, habe ich mich nun gewappnet und mir ein Buch mit einem sehr neugierigen Mädchen  angeschaut. Das Mädchen  trägt den abgedrehten und etwas überkandidelten Namen Loretta Koschke und sieht auch genauso aus: Sie trägt eine dicke, große Brille und hat ein sehr spitzes Näschen. Ihre Ohren schauen zwischen den langen, verwilderten Haaren hervor und sind an einen viel zu großen Kopf geklebt. Obwohl sie wie eine Karrikatur einer Studentin der Literaturwissenschaft aussieht, stellt Loretta doch eine sehr interessante Frage: „Mama, wo ist eigentlich das Gestern hin?“

Und noch interessanter ist ihre Suche nach der Antwort. Sie begegnet dabei nämlich verschiedenen Menschen und Tieren, die alle einen unterschiedlichen Umgang mit Vergangenheit verkörpern: eine Eintagsfliege, die gar kein Gedächtnis hat, eine Hamster, der keine Zeit hat, sich zu erinnern, einen Zauberer, der vergeblich versucht, das Gestern hervorzuzaubern, und noch viele mehr. Die schönste Antwort auf Lorettas Frage nach dem Gestern gibt ein alter Nachbar, der auf der Treppe des Nachbarhauses sitzt: „Das Gestern, Loretta, ist in dir drin, in deinen Gedanken und Erinnerungen. Und jeden Tag kommt ein neues Gestern dazu. Und wenn du so alt bist wie ich, ist aus allen Gestern ein ganzes Leben geworden.“ Diese drei Sätze sind so schön …

P.S. Meine Kolleginnen Ada Mitsou und Fräulein Wunder haben das Buch auch schon vorgestellt – habe ich festgestellt, als die Besprechung schon fast fertig war. Es gehört zu einem Genre von Bilderbüchern, die bestimmte Lebenslagen auf den Punkt bringen und auch oder vor allem erwachsene LeserInnen ansprechen, mit ihren poetischen Bildern und einfachen, aber sehr wahren Geschichten. Ich mag dieses Genre sehr gerne, daher die Vorstellung von „Mama, wo ist eigentlich das Gestern hin“.