Kinderbuchstars auf der Leipziger Buchmesse

DSCN0301„In Leipzig liegen die Autoren nicht in den Regalen, sondern sie laufen davor herum.“ So eröffnete der Moderator André Gutzschahn vom MDR die Aufzeichnung der Sendung Figarino, in deren Ausgabe vom 16. März die neuesten Bücher der Kinderbuchstars Martin Baltscheit, Ben Becker, Paul Maar und Sven Nordquist (in alphabetischer Reihenfolge) vorgestellt wurden. Nachzuhören soll die Sendung im Internet sein (www.figarino.de) – leider habe ich sie noch nicht gefunden.

Die Autoren lassen kurze Ausschnitte aus ihren Werken, Kinderreporter stellten Frage, die sich meist um das Verhältnis zwischen den Figuren in den Texten und ihren Schöpfern drehten. Verblüffend war dabei die tatsächliche Ähnlichkeit zwischen dem Auftreten der Autoren und ihren Kinderbuchhelden. Die Schöpfer schienen perfekt zu ihren Figuren zu passen. Sven Nordquist wirkte wie die Verkörperung des ein wenig müden, zuerst mürrischem Alten, der durch sein Lächeln aber Wärme und viel Verständnis ausstrahlt. Paul Maar gab selbst den Hinweis auf Herrn Taschenbier aus den Sams-Geschichten – ein zurückhaltender grau-melierter älterer Herr, der sich bescheiden mit den Worten einführt, er sei ja nur ein Autor.

DSCN0296Mit dieser Bemerkung ging er auf den Unterschied zu Ben Becker, der sich neben der Schauspielerei nun auch dem Verfassen von Kinderbüchern widmet, und Martin Baltscheit, der nicht nur schreibt, sondern auch illustriert und Hörbücher einspricht. Seine Vorstellung des Hörbuchs „Zorgamazoo“ von Robert Paul Weston begeisterte mich sehr. Es ist der 288 Seiten lange gereimte Roman von der tapferen Katrina Katrell und ihrem Freund, dem Zorgel Mortimer, die aufbrechen, um die verschollenen Einwohner der Stadt Zorgamazoo zu suchen.  Die Wandlungsfähigkeit und der Ausdruck in Martin Baltscheits Stimme brachten die Reime der Geschichte zum Leuchten. Und genauso großartig las er auch die neuste Geschichte aus seiner eigenen Feder vor – ein Bilderbuch mit dem Titel „Das Gold des Hasen“.

Marketingtechnisch geschickt ging Martin Baltscheit dann in seinem Interview auf die Frage, wie er zum Schreiben gekommen ist, auf die Bedeutung seiner Mutter für die Liebe zur Literatur ein: Er wollte als kleiner Junge seiner Mutter, die sehr gerne las, Lesenachschub verschaffen und habe darum selbst angefangen, Geschichten zu schreiben und zu zeichnen. Ben Becker antwortete ähnlich in seinem Interview. Wie gut, dass Mütter so viele Bücher kaufen und für rührende Geschichten empfänglich sind. Und so werde ich demnächst wahrscheinlich ein paar Abende mit „Zorgamazoo“ verbringen, denn mein Sohn ist noch zu jung für das Hörspiel.

Peter Paul Weston: Zorgamazoo. Hörbuch gelesen von Martin Baltscheit. Silberfisch 2012. ab 8 Jahren. 3 CDs 12,99 Euro.

Martin Baltscheit und Christine Schwarz: Das Gold des Hasen. Beltz und Gelberg 2013. ab 5 Jahren. 14,95 Euro.

Ben Becker: Bruno. Der Junge mit den grünen Haaren. Mit Illustrationen von Annette Swoboda. Rororo Rotfuchs 2009. ab 5 Jahren. 9,95 Euro.

Paul Maar: Lippel, träumst du schon wieder! Oetinger Verlag 2012. ab 9 Jahren. 13,95 Euro.

Sven Nordquist: Findus zieht um. Oetinger Verlag 2013. ab 4 Jahren. 12,95 Euro.

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Der Frühling lässt auf sich warten – hier ein kleiner Trost: Lesung mit Sebastian Meschenmoser

herr eichhornEs ist schon zwei Wochen her, aber im lang anhaltenden winterlichen Grau zehre ich immer noch davon: von einer Lesung mit Sebastian Meschenmoser in der Buchhandlung nimmersatt in Berlin Kreuzberg. Der Autor stellte die Bilder und Geschichten von „Herr Eichhorn und der erste Schnee“ sowie „Herr Eichhorn weiß den Weg zum Glück“ vor. Außerdem erfüllte er die Bilderwünsche aller anwesenden Kinder (und das waren ziemlich viele) und zeichnete jede Menge Tiger, Leoparden, Hunde.

Die feinen Bleistiftstriche lassen die verschiedenen Tiere sehr lebendig werden und geben ihnen einen unverwechselbaren Charakter. Wenn ich draußen Eichhörnchen durch die Bäume hüpfen sehe, kann ich mir nun gut einen Herr Eichhorn vorstellen, der immer sehr neugierig, aber auch patent und voller Tatendrang die Dinge in die Hand nimmt. Die Illustrationen von Sebastian Meschenmoser haben meist eine sehr leichte und luftige Atmosphäre, so dass ich mich an den Frühling erinnert fühle, fast egal, um welches Thema es geht.

Glücklicherweise ist sein Zeichenatelier bei nimmersatt noch einmal geöffnet, nämlich am Samstag, 16. März um 16 Uhr. Wenn der Frühling bis dahin noch nicht bei euch aufgetaucht ist, in Berlin-Kreuzberg ist er an diesem Nachmittag wahrscheinlich in der Buchhandlung zu finden!

Sebastian Meschenmoser: Herr Eichhorn und der Mond. / Herr Eichhorn und der Besucher vom blauen Planeten. / Herr Eichhorn und der erste Schnee. / Herr Eichhorn weiß den Weg zum Glück. Alle erschienen bei Esslinger. Ab 4 Jahren. 9,95 Euro.

Zwei Mal Kamishibai in Neukölln

Ende August hatte ich hier ein kleines Experiment angekündigt: Eine Freundin und ich, wir haben in Berlin-Neukölln einen Kamishibai-Workshop vorbereitet. Wir haben ein Theater gebastelt, eine Geschichte geschrieben und illustriert. Im Zuge unserer „Werbemaßnahmen“ zum Erzählnachmittag ergab sich spontan der Kontakt zur Pfarrerin der Genezareth-Kirche in Neukölln, die uns zum „Nachbarschaftsfest ‚WortReich‘ des interkulturellen Zentrum Genezareth“ einlud.

Diese Einladung nahmen wir gerne an und fanden uns am Freitag, 07. September auf dem Herrfurthplatz wieder, mit einem recht großen Stand und unserem kleinen Theater. Zuerst kamen wir uns ein bisschen verloren vor. Die anderen Stände boten jede Menge Sprachspiele, Bücher, Bilder und vor allem Süßigkeiten. Da kam uns unser Angebot nicht ganz konkurrenzfähig vor. Dann wurden wir jedoch sehr überrascht: Unsere Idee, die Kinder Bilder malen zu lassen, sie im Theater zu zeigen und zu erzählen, was darauf passiert, funktionierte nämlich prächtig. Ganz ohne Süßigkeiten! Wir sammelten so jede Menge schöne Bilder und Geschichten von Mondraketen, Fußballspielen, um die Welt reisenden Drachen, Sonnen in verschiedenen Farben und Autos. An den Themen seht ihr schon, dass vor allem Jungs bei unserem kleinen Theater vorbeikamen.

Der Stand beim Gemeindefest war also eine sehr gute Vorbereitung für unseren Workshop im Kulturcafé Fincan am Sonntag. Hier war unsere Teilnehmerzahl etwas kleiner, dafür waren die beiden Besucherinnen Merle und Hanna umso engagierter und begabter. Es klappte wunderbar, mit den beiden eine Geschichte zu entwickeln, Bilder dazu zu malen und das Ganze in Worte zu kleiden. Zwei Stunden arbeiteten wir konzentriert zusammen, bis wir uns eine Stärkung mit Kuchen und Tee verdient hatten. Den Höhepunkt des Nachmittags stellte die Aufführung der Geschichte vor den Eltern dar, die die beiden Kamishibai-Erzählerinnen wunderbar bewältigten.

Nun überlegen wir, ob und wie wir unseren Kamishibai-Erzählnachmittag verstetigen, wo und wie wir evtl. mit Grundschulen zusammenarbeiten, wo und wie wir finanzielle Unterstützung für unsere Materialkosten herbekommen. Der erste Probedurchgang des Experiments war also ganz erfolgreich, nun basteln wir an einer Fortsetzung, denn Kamishibai ist wirklich spannend.

Erzähl‘ mal – mit Kamishibai

Vor Kurzem hatte ich vom japanischen Erzähltheater Kamishibai berichtet. Eine Freundin und ich, wir wollen dieses Erzähltheater nun einmal in einem Workshop mit Kindern ausprobieren. Wir sind dafür zu Gast im Kulturcafé Fincan in Berlin-Neukölln und freuen uns über Anmeldungen von Kindern ab 8 Jahren. Zur Anmeldung könnt ihr einfach eine E-Mail schreiben an: wirlesenvor@googlemail.com. Wir basteln gerade am Theater und an unserer Vorführgeschichte und haben viel Freude daran. Hier die genauen Daten zum Workshop:

Wann? am Sonntag, 09. September, 13h30 bis 17h

Wo? Kulturcafé Fincan, Altenbrakerstr. 26, 12051 Berlin-Neukölln

Was? Beim Erzähl- und Bildertheater „Kamishibai“ sollen Kinder ihrer eigenen Kreativität freien Lauf lassen, um die Geschichten aus ihren Köpfen zu locken. Als Unterstützung dienen dazu Bilder anhand derer die Geschichten improvisiert erzählt werden. Die Veranstaltung gliedert sich in zwei Teile. Zuerst können die Kinder das Erzähltheater „Kamishibai“ in einer Beispielvorführung kennen lernen. Danach gibt es einen Workshop bei dem gemeinsam eine eigene Geschichte für das Erzähltheater entwickelt und gemalt wird. Das Ergebnis des Workshops wird am Ende von den Kindern vorgeführt.

Bilderbuchtage Gießen

Da ich im letzten Beitrag meine Verbindung zu Gießen herausgestellt habe, gleich noch ein Veranstaltungstipp hinterher: Vom 27.08. bis 09.09.2012 finden dort die  so genannten Bilderbuchtage statt – eine sehr schöne Veranstaltungsreihe mit Lesungen und Vorträgen für die ganze Familie.

Als Highlight kann ich die Eröffnung mit der Autorin und Illustratorin Ute Krause in der Stadtbibliothek empfehlen. Ihr Buch „Wann gehen die wieder?“ und die Mini-Fernsehserie „Luzie und die Moffels“, die beim Sandmännchen gezeigt wird, gefallen mir ganz gut. Ihre Illustrationen sind in einer Ausstellung zu sehen.

Lustig wird bestimmt auch die Lesung aus „Cowboy Klaus und das pupsende Pony“, einem derzeitigen Renner auf dem Kinderbuchmarkt.

Hier gibt es das ganze Programm der Bilderbuchtage mit allen Lesungen und genauen Informationen.