Blogfütterung

vogelhäuschenWenn Blogleser Vöglein wären … im Winter auf der Suche nach etwas Nahrung für den Kopf … ein paar Körner, Ideen, Bücher für die langen, dunklen Winterabende … dann möchte der Pincchio gerne helfen und stellt sein Vogelhäuschen nach draußen.

Wie im Vogelhäuschen gibt es heute ein paar kleine Körner, denn für einen großen, leckeren Meisenknödel mit Haferflocken und Nüssen reicht die Zeit im Moment leider nicht. Wenn wir tiefer in die Kunst der  Vogelfütterung eingestiegen sind, dann gibt es ein paar leckere selbst gemachte Futterangebote – und kein industriell hergestelltes Massenfutter – das Internet hat dafür auch schon etwas bereit.

Hier aber erst einmal die kleinen Körner:

– Anfang des Jahres wurde die Blogbetreiberin gebeten, Ihren Blog in einer Reihe,  bei der buchaffine Blogs präsentiert werden, vorzustellen. Dazu habe ich ein kleines Interview gegeben, das hier nachzulesen ist.

– Eine weitere Interviewanfrage von einem befreundeten Blog wird mich in den nächsten Wochen noch ein bisschen beschäftigen. Ich sage euch Bescheid, wenn der Text fertig ist.

– Ich hatte von meinem Umgang mit der Koskosnuss-Reihe berichtet. Ich habe es geschafft, die Figur für eine Weile zu verdrängen … und zwar mit „Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt“. Ein großartiges Kinderbuch, über das ich demnächst gerne mehr schreiben möchte. Da es aber recht umfangreich ist, brauche ich für einen Bericht noch ein Weilchen.

– Eine schöne Lektüre hat uns vor kurzem unser Kindergarten beschert, mit einem so genannten Ich-Buch. Wir sollten Fotos mitbringen und unser Sohn hat der Erzieherin erzählt, was darauf zu sehen ist. Dieser kleine Text wurde aufgeschrieben, die Fotos dazu geklebt und das Ganze mit einem Klemmhosenbügel zusammengebunden. Es war für mich ein sehr rührender Moment, in dem kleinen Buch zu blättern.

– Und zum Schluss noch ein kleiner Berlin-Tipp: Im Zentrum für Kinder- und Jugendliteratur „lesart“ in der Weinmeisterstraße in Berlin-Mitte ist im Moment eine spannende Ausstellung zu Märchenillustrationen zu sehen.  Hier gibt es nähere Informationen dazu.

Viel Spaß beim Picken und Knabbern!

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Finstere Gestalten: „Die drei Räuber“ von Tomi Ungerer

drei räuberVor kurzem hatte ich schon den Band „Der Mondmann“ aus Tomi Ungerers Schatzkästlein vorgestellt. Das zweite Buch, das mir auf Anhieb gut gefallen hat, war „Die drei Räuber“. Die Geschichte hat mich sofort von ihrer Aussage her begeistert: Es geht nämlich darum, wie aus Menschen, die Böses tun, Wohltäter werden – also um die Wandlung vom Schlechten zum Guten. Die Räuber zeigen, dass Reichtum erst Sinn macht, wenn man damit für jemanden sorgen kann. Beim längeren Nachdenken über das Buch sind mir dann einige Aspekte aufgefallen, die mich erstaunt haben und die ich noch nicht richtig verstanden habe. Aber dazu später mehr, hier erst einmal die Geschichte in Kurzform:

Drei Räuber in weiten schwarzen Mänteln, mit hohen schwarzen Hüten rauben Kutschen aus und versetzen Reisende in Angst und Schrecken. Eines Nachts finden sie in einer Kutsche nicht Gold und Edelsteine, sondern ein trauriges Mädchen, das als Waisenkind auf dem Weg zu einer schrecklichen Tante ist. Die Räuber nehmen das Kind mit in ihre Räuberhöhle. Dort machen sie ihm ein weiches Bett. Das Mädchen entdeckt die angehäuften Schätze der Räuber und fragt, was mit all dem Reichtum passiert. Die Räuber sind erstaunt über die Frage, die sie sich noch nicht gestellt hatten. Weil ihnen das Mädchen so gut gefällt, machen sie sich auf die Suche nach anderen bedürftigen Kindern. Sie kaufen ein Schloss und sorgen für die Kinder.

Die Geschichte enthält zahlreiche Elemente, die die Fantasie anregen: Es geht um Schätze, um ein Waisenkind, es gibt ein Schloss, die Räuber benutzen außergewöhnliche Waffen (eine Donnerbüchse mit Pfefferspray). Das Buch bietet zudem die Quintessenz von Räubergeschichten, die in der Kinderliteratur öfters zu finden sind – man denke an den „Räuber Hotzenplotz“ von Ottfried Preußler. Räuber verletzen andere Menschen und müssen erzogen werden. Sie stellen mit diesem identitären Merkmal Identifikationsfiguren für Kinder dar, denn diese sollen ja schließlich auch erzogen werden.  Die Bilder des Buchs gefallen mir sehr gut. Sie bieten eine schöne Abwechslung zwischen großen Flächen und filigranen Scherenschnittelementen, zwischen bunten Seiten und viel Schwarz, zwischen Stilisierung und Detailtreue. Die Blicke der drei Räuber unter ihren schwarzen Hüten, wenn sie auf ihre erbeuteten Schätze schauen, finde ich großartig. Als Bilderbuchkino kann ich mir die Geschichte sehr gut vorstellen.

Ein bisschen ratlos hat mich die Entwicklung der Geschichte zum Ende hin gemacht.  Die von den Räubern versorgten Kinder werden nämlich alle in rote Uniformen gesteckt. Die kleine Stadt, die um das Schloss herum gebaut wird, wirkt viel zu harmonisch und konformistisch. Die Räuber erscheinen zwar als große Wohltäter, aber auch als Instanzen, die eine freie Entwicklung der Kinder behindern. Die Kinder müssen vorgeschriebenen Lebenswegen folgen, denn sie bleiben alle bis zur Hochzeit im Schloss, danach beziehen sie ein kleines Häuschen in der Stadt vor der Burgmauer. Auf diesen Seiten erschien mir der „Wohlfahrtsstaat“ der Räuber wie eine Diktatur, die die persönliche Entwicklung der Kinder ziemlich einschränkt, wo Dankbarkeit gegenüber den Wohltätern das oberste Gebot ist.  Dieses idyllische Ende erschien mir ein wenig zu dick aufgetragen – aber vielleicht gehört das zur Kinder- und Jugendliteratur dazu: Eine gehörige Portion Harmonie und Struktur mögen Kinder gern und sie sind ja auch die Zielgruppe und nicht unbedingt überreflektierte Erwachsene.

Tomi Ungerer: Die drei Räuber. Diogenes Verlag 2011. Enthalten in: Das Tomi Ungerer Kinderbuch Schatzkästlein. ab 4 Jahren. 19,95 Euro. 

Mythologie einer Mutter-Kind-Beziehung: „Die Menschenfresserin“ von Valérie Dayre

Irgendwie bin ich gerade in eimenschenfresserinne kleine frankophile Phase hineingeraten (Ungerer (der aber nicht auf französisch schreibt), Comics aus Belgien, im Original auf französisch). Bei der Beschäftigung mit „Die Menschenfresserin“ von Valérie Dayre fiel mir mal wieder auf, wie verschieden doch die Einstellungen zu Kinderbüchern in unterschiedlichen Ländern sein können. Das Buch wird sehr kontrovers diskutiert, in Deutschland aber mehr kritisiert als in Frankreich.

Eine fürchterliche Frau, ein Monster, verspürt Appetit auf ein Kind. Sie sucht ein Opfer, erweist sich dabei jedoch als sehr wählerisch und sucht überall den größten Leckerbissen. Die Gier, die in ihren Augen steht, erkennen die Menschen sofort und verstecken ihre Kinder vor der Menschenfresserin. Sie wird wütend und trifft schließlich doch ein Kind, das ungeschützt spielt. Nachdem sie dieses Kind gefressen hat, merkt sie, dass es ihr eigenes war.

Im Nachbarland wird das Buch im Unterricht in der Grundschule behandelt, wie mir bei einer kleinen oberflächlichen Internetrecherche schien. In Deutschland ist das anscheinend nicht der Fall. Professionelle Literaturkritiker loben zwar „Die Menschenfresserin“, Eltern können aber nicht so viel damit anfangen. Dabei gehört der Illustrator, Wolf Erlbruch, zu den renomiertesten und anerkanntesten Künstlern seines Fachs in Deutschland.

Ein zentrales Problem, welches das Buch in Deutschland „ungenießbarer“ macht als in Frankreich ist die Sprache. „Die Menschenfresserin“ spielt mit dem Ausdruck „à croquer“, was man mit „etwas oder jemanden zum Fressen gern haben“ übersetzen kann. Zum Inhalt des Buchs passt diese Übersetzung auch gut, nur kommt so eine andere emotionale Ebene ins Spiel. „Croquer“ klingt viel harmloser, gemütlicher, scherzhafter als „zum Fressen“. „Knabbern“ und „Anbeißen“ wären korrekter, aber dann würde die Geschichte keinen Sinn mehr machen. Durch das Verb fressen im Deutschen wird das Furchteinflößende der Bilder betont. Alles ist nur noch düster, während der Text im Französischen viel spielerischer erscheint. Zwar wurden die meisten Wortspiele in der Übersetzung gut übertragen und auch die Binnenreime beibehalten, dennoch ist schon allein der Titel „Die Menschenfresserin“ viel direkter und eindeutiger als „L’ogresse en pleurs“ – eine ogresse verspeist nämlich nicht nur Menschen.

Und so verdeckt der Schock über den grausamen Akt des Fressens die wertvollen Botschaften, die das Buch in sich trägt, z.B. die dass alle Kinder, egal ob groß, klein, dick, dünn, schlau oder dumm, geschützt werden müssen. Oder der Gedanke, dass zu viel Liebe Kindern auch nicht gut tun kann, dass sie sich durch blinde Liebe nicht frei entfalten können. Wie in einem antiken Mythos wird ein Gleichnis der Mutter-Kind-Beziehung entfaltet, der nachdenklich macht und ein psychologisches Muster zum Vorschein bringt, das wahrscheinlich weiter verbreitet ist, als man zuerst einmal meinen könnte.

Valérie Dayre: Die Menschenfresserin. Peter-Hammer-Verlag 1997. ab 5 Jahren. 13,90 Euro.

Comics zur Einführung: Benni Bärenstark

Das neue Jahr hbenni bärenstark1at vor ein paar Tagen begonnen, ich wünsche euch alles Gute! Wie es sich für einen spannenden Jahresanfang gehört, möchte ich heute einen kleinen Ausblick geben – einen Ausblick auf eine Neuerscheinung, mit der ihr hoffentlich viel Spaß haben werdet.

Eigentlich bin ich kein großer Comic-Fan. Ich hatte nur eine ganz kurze „Lustiges-Taschenbuch-Phase“, habe die bunten Bildchen schnell hinter mir gelassen und war immer mehr von Bleiwüsten angezogen. Mir leuchtet aber ein, dass Comics sehr gut das Lesenlernen unterstützen und eine große Motivation für die Beschäftigung mit Büchern sein können. Das Vorlesen ist zwar etwas schwierig, aber die großen Buchstaben sind bestimmt interessant in Phasen, in denen Kinder sich gerne mit Buchstaben beschäftigen und diese für sich entdecken.

Also möchte ich mich gerne auf den Tipp einer Freundin einlassen, die mir den kleinen Benni Bärenstark ans Herz gelegt hat. Der Charakter wurde vom belgischen Comiczeichner Peyo, dem Erfinder der Schlümpfe, entwickelt. Im Februar 2013 erscheinen drei Bände aus der Serie neu und sie sind dann wieder lieferbar.

benni bärenstark2Benni ist ein kleiner, ganz normaler Junge – das heißt, er wäre es gern, ist er aber nicht, denn er ist unglaublich stark! Bäume ausreißen, höher als ein Haus springen, Autos mit bloßen Händen durch die Luft schleudern? Kein Problem für ihn – Schwierigkeiten bereitet ihm nur, seine Kräfte im Alltag richtig zu dosieren. Deshalb will auch niemand mit ihm spielen, denn alles, was er anfasst, geht nur allzu leicht kaputt. Zumindest solange er keinen Schnupfen hat, denn dann verlassen ihn seine Kräfte, und er ist wirklich nur ein braver, kleiner Junge, dem allerdings jede Art von schlechtem Benehmen oder gar kriminelle Machenschaften strikt zuwider sind. So gerät er stets aufs Neue in abenteuerliche Verwicklungen, bei denen er seine Superkräfte dann doch sinnvoll einsetzen kann, und wenn er schön darauf achtet, sich nicht zu erkälten, haben Schurken und Bösewichter gegen ihn kaum eine Chance.

Dieser kleine Held scheint mir viel Identifikationspotential für unseren fast Fünfjährigen zu bieten, der sich manchmal auch so gibt, als habe er Bärenkräfte. Erkältungen sind zwar im Moment nicht so das Thema, aber ein bisschen Gesundheitserziehung schadet bestimmt nicht.  Und so freue ich mich auf eine erste Begegnung mit Benni Bärenstark.

Peyo: Benni Bärenstark. Band 1: Die roten Taxis. Toonfish Verlag angekündigt ab Februar 2013. ab 5 Jahren. 11,95 Euro.

Peyo: Benni Bärenstark. Band 2: Madame Albertine. Toonfish Verlag angekündigt ab Februar 2013. ab 5 Jahren. 11,95 Euro.