Besuche in unserer Stadtbücherei

Seit 2009 ist die Gießener Stadtbibliothek im neuen Rathaus untergebracht und verfügt seither über helle, freundliche und großzügige Räume, die den Besuch in der Bücherei zu einem Vergnügen machen. Mit einem Veranstaltungsprogramm und einem großen Lesebereich für Kinder – mit Piratenschiff! – wird in besonderem Maße die junge Zielgruppe angesprochen. Wir nutzen diese Angebote gern und häufig und werden hoffentlich bald zu Büchereiprofis.

Zur Zeit üben wir noch bisschen: Da sind zum Beispiel die Büchervorlieben meines Sohnes, die nicht immer bibliothekskompatibel sind. Er sucht sich bevorzugt die Bücher aus, die wir schon einmal ausgeliehen haben und die sich meistens um das Thema „Eisenbahnen“ drehen. So haben wir nun zum vierten Mal „Wo ist mein Koffer? Peter am Bahnhof“ mit nach Hause genommen. Und beim letzten Besuch gab es einen Beinahe-Wutanfall, weil „Auf der Reise“ leider immer noch von einem anderen Kind ausgeliehen ist. Ein paar mehr Bücher mit ICEs, Bahnhöfen oder Dampflokomotiven würden mir als Mutter das Leben erleichtern. Glücklicherweise erweitert sich langsam das Interessenspektrum meines Sohnes, inzwischen akzeptiert er auch Bücher über die Feuerwehr mit denen unsere Stadtbücherei bestens ausgestattet ist.

Bei der Ausbalancierung zwischen dem, was in der Bibliothek vorhanden ist, und dem, was mein Kind      interessiert, hilft mir und behindert mich zugleich das Sortiersystem der Bilder- und Kinderbücher. In unserer neuen Stadtbücherei sind die Bücher nicht in Regalen aufgestellt, sondern in quadratischen Kisten, deren Systematik sich mir nach etlichen Besuchen noch nicht erschlossen hat. Ich denke, es gibt keine, was ja auch Sinn macht, wenn Kinder stöbern sollen. Gleichzeitig verstecken sich die Eisenbahnbücher aber immer dummerweise in der allerletzten Kiste, die ich durchsuche, egal in welcher Ecke des Lesebereichs ich anfange. So viel Geduld und Übersicht, aus über 100 Büchern, ein richtiges herauszusuchen, kann man von Dreijährigen noch nicht verlangen. Und so rutsche ich auf Knien über den Teppichboden, sortiere stapelweise Bücher aus, die ich interessant finde und dann wieder zur Seite lege, weil keine Eisenbahnen vorkommen, und versuche gleichzeitig, das Seeräuberschiff im Auge zu behalten, wo mein wilder Pirat seinen Platz auf der Kommandobrücke vehement verteidigt. So führt diese etwas anstrengende Kombination aus Stöbern und Suchen manchmal zu neuen Entdeckungen, ruft aber gleichzeitig die Sehnsucht nach der aus der Uni-Bibliothek bekannten Regensburger Verbundklassifikation (eine Systematik zur Erfassung von wissenschaftlichen Bibliotheksbeständen) hervor – da kann dann „Henriette Bimmelbahn“ von James Krüss neben „Thomas, die kleine Lokomotive“ von Wilbert Vere Awdry und Sachbüchern über Lokomotiven stehen und die Wünsche meines Sohnes nach Eisenbahnbüchern leichter erfüllt werden.

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