(Nicht-) Urlaubslektüre: „Viegelchen will fliegen“ von Joke van Leuuwen

viegelchenIn Berlin (und fast überalle anderswo auch) ist Ferienzeit, Urlaubszeit. Mein Sommerprogramm sieht leider keinen Urlaub vor. Aber irgendwohin fliegen würde ich schon gerne.

So wie Viegelchen, ein kleines vogelähnliches Wesen, das der Vogelbeobachter Warre eines Tages unter einem Strauch findet.  Er nimmt es mit nach Hause und seine Frau Tine beschließt, dass das Wesen bei ihnen wohnen soll und sie für es sorgen möchten. Viegelchen lernt sprechen und wenn sie einen weiten Mantel trägt, sieht man ihre Flügel nicht. Man könnte meinen, sie wäre ein Menschenkind. Doch eines Tages fliegt sie davon. Warre und Tine suchen verzweifelt nach ihr – finden auch eine Spur und treffen sie, um Tschüss und Lebwohl sagen zu können.

Ich mag diese Geschichte sehr, sehr gerne – nicht nur, weil ich die Autorin einmal persönlich kennen lernen durfte, in einer guten Zeit. Die Geschichte ist so schön einfach, klar und witzig erzählt. Beim Lesen fühle ich mich auch immer ein bisschen kribbelig, zum Davonfliegen und gleichzeitig zum Zurückkommen. Denn das Engagement mit dem sich vor allem Tine um das Viegelchen kümmert, hat etwas sehr Rührendes und ich fühle mich in meinen Muttergefühlen erkannt. Tine schafft es dann sehr gut, ihr Viegelchen fliegen zu lassen – mit einem richtigen Abschied und guten Wünschen für den weiteren Weg.

P.S. Das ist kein Abschiedspost für den Blog … Die Ideen für Beiträge fließen noch, in den nächsten Wochen ist auch etwas mehr Zeit zum Schreiben (ohne jetzt zu viel versprechen zu wollen).

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Vorlesekapitulation?: „Urmel aus dem Eis“ von Max Kruse

Vor kurzem isurmelt der Kinderbuchklassiker „Urmel aus dem Eis“ zu uns gekommen und mutigerweise habe ich mich Hals über Kopf ins Vorlesen gestürzt. Und dann musste ich feststellen: Was für eine schwierige Aufgabe! Dieses Buch halbwegs adäquat vorzulesen, ist mir fast umöglich. Warum?

Hier der Hintergrund der Handlung: Auf der Insel Titiwu leben Professor Habakuk Tibatong, viele Tiere und Tim Tintenkleks glücklich und zufrieden. Das Schwein Wutz führt den Haushalt. Alle Tiere gehen freiwillig in die Sprachschule des Professors – doch alle haben ihre unverkennbare, individuelle Sprechweise. Der Waran Wawa lebt in einer Muschel am Strand von Titiwu. Er hat Probleme mit dem z und sagt stattdessen immer tsch. Ping, ein Pinguin, ist neidisch auf Wawas Muschel und möchte gerne auch eine haben. Sein Sprachproblem ist das sch; er sagt stattdessen pf – so streitet er sich mit Wawa um die „Mupfel“. Daneben gibt es Schusch, den Schuhschnabel, der ä statt dem i setzt. Außerdem ist da noch Seele-Fant, ein See-Elefant, der gerne und oft traurige Lieder singt. Wegen seines Sprachfehlers, statt einem i und e ein ö zu singen, klingt sein Lieblingslied so: „Öch weiß nöcht, was soll ös bedeuten …“

Diese individuellen Sprechweisen sind eine echte Herausforderung für mich als Vorleserin, sie verursachen mir Knoten in der Zunge. Ich habe das Gefühl, man muss den Tierstimmen einen bestimmten Klang geben, um ihre Sprache vorlesen zu können – ich bin allerdings nicht besonders begabt im Stimmen- und Spracheimitieren. Da ich zur Zeit Deutsch als Fremdsprache unterrichte, werde ich öfters nach deutschen Dialekten gefragt. Mein „Kölsch“, „Sächsisch“ oder „Bayrisch“ klingt dann aber immer sehr sehr ungelenk und noch irgendwie sehr hochdeutsch. Genauso geht es mir mit der Variation von Stimmen in Vorlesetexten. Alles klingt mehr oder weniger gleich und ich habe das Gefühl, ich stottere und stammle.

Dabei finde ich die Idee mit den Sprachfehlern sehr einleuchtend und kindgerecht. So können sich die kleinen Sprachlerner, die oft selbst noch manche Laute nicht standardsprachengerecht bilden, gut wiedererkennen. Und lustig sind diese Sprachfehler natürlich auch. Allerdings machen sie mir ein bisschen Probleme beim Verständnis der Geschichte. Vor lauter Zungenverknotung bekomme ich oft nicht mit, was denn eigentlich passiert im Text.

Daher habe ich mir mal eine Zusammenfassung gesucht, die ich euch nicht vorenthalten möchte: Eines Tages schmilzt ein angeschwemmter Eisblock und ein Urmel-Ei wird freilegt. Gemeinsam brüten die Tiere von Titiwu das Urmel aus. Leichtfertig teilt der Professor Habakuk Tibatong per Flaschenpost der Welt mit, dass es Urmels gibt. Das ruft König Futsch, der in der Demokratie eigentlich kein König mehr ist, auf den Plan. Er will das Urmel fangen und in sein Königreich tot oder lebendig bringen. Allerhand Aufregung und Turbulenz folgen.

Die Inhalte der Geschichte finde ich schon ganz spannend. Ein König, der eigentlich kein König mehr ist? Ein Forscher, dessen Forschungsergebnisse nicht anerkannt werden? Was hat das wohl zu bedeuten? Um diese Fragen zu beantworten, muss ich mich aber wohl noch einige Male durch die Sprachfehler durcharbeiten. Mal sehen, ob unser Sohn da mitmacht. Oder ob ich doch auf die Zeichentrickversion – oder auf die Augsburger Puppenkiste – oder auf ein Hörbuch mit Dirk Bach ausweiche?

Max Kruse: Urmel aus dem Eis. Thienemann-Verlag 1995. ab 8 Jahren. 9,95 Euro.

Erfindergeist: „Willi Werkel baut ein Auto“ von George Johansson und Jens Ahlbom

willy werkelWir haben kein Auto. Wir sind leidenschaftliche Rad- und Bahnfahrer. Aber die Großeltern haben Autos. Und so interessiert sich unser Sohn plötzlich für Automarken und für das Buch „Willy Werkel baut ein Auto“, das wir in der Bibliothek gefunden haben. Zuerst war mir das Buch ein wenig suspekt, dann aber gefielen mir die Figuren und Ideen ganz gut. Aus gesammeltem Schrott und Krimskrams bastelt der Erfinder Willi ein Auto, sein Hund Buffo hilft ihm dabei. Die Leser können ihm zuschauen beim Montieren der Räder, Anbringen des Lenkrads, beim Einbau des Amaturenbretts und zuguterletzt dem Einsetzen eines Motors. Mit dem zusammengeschraubten Wagen entdecken dann die beiden Freunde die weite Welt.

In einer lebendigen Sprache mit schönen Bildern wird so tatsächlich der Aufbau eines Autos erklärt, wenn auch das fertige Gefährt sich schon deutlich von modernen Wagen unterscheidet und die Beschreibung ein wenig  romantisierend – rückwärtsgewandt erscheint. Da ich jedoch selbst einen „Erfinder-Vater“ habe, der früher gerne Computer gebastelt hat und mit großer Leidenschaft lötet, schraubt und Drähte verlegt (an seiner Modelleisenbahn) war mir die Idee vom Do-it-youself-Auto aus Recycling-Material sehr sympathisch.

Beim Recherchieren habe ich dann noch entdeckt, dass es neben den Fortsetzungen auch gut bewertete Computer-Spiele mit Willi Werkel gibt. Das ist dann aber doch ganz schön viel Technik für mich als  schöngeistige Philologiemutter!

George Johansson und Jens Ahlbom: Willi Werkel baut ein Auto. Carlsen Verlag 1994. ab 4 Jahren. Leider nur noch antiquarisch erhältlich.

Fortsetzungen: George Johansson und Jens Ahlbom: Willi Werkel baut ein Schiff. Carlsen Verlag 1999. ab 4 Jahren. Leider nur noch antiquarisch erhältlich. – George Johansson und Jens Ahlbom: Willi Werkel baut ein Flugzeug. Carlsen Verlag 1995. ab 4 Jahren. Leider nur noch antiquarisch erhältlich.

Computerspielreihe: Willy Werkel – Autos bauen mit Willy Werkel (PC+MAC) bei Quinto, für Windows 7/XP/Vista und Mac. CD-Rom für 12,01 Euro. Außerdem auch Flugzeuge bauen, Schiffe bauen, Häuser bauen, Raumschiffe bauen.

Unsere Leben als Roboter: „Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt“ von Boy Lornsen

robbie tobbieIn den letzten Wochen habe ich ziemlich viel gearbeitet. Zwischen Arbeitsweg, Kita, Spülmaschine, Waschmaschine und Supermarkt spielte sich ein fremd bestimmter Alltag ein, den ich längere Zeit nicht hatte. Da brachten mir ein Vorlesebuch und Unterhaltungen mit unserem Sohn darüber eine schöne Metapher, die meinen Zustand in Worte fasste: Ich fühlte mich oft wie ein Roboter, ferngesteuert, ohne eigenen Antrieb, auf das Funktionieren für andere ausgerichtet.

Die Metapher kam durch „Robbi, Tobbi und das Fliewatüt“ von Boy Lornsen zu uns, einem Kinderbuchklassiker aus dem Jahre 1967, mit Zeichnungen des Jim-Knopf-Illustrators F.J.Tripp, die gleich ein vertrautes Gefühl vermittelten.

Tobias Findteisen, genannt Tobbi, besucht die dritte Klasse der Volksschule und ist Erfinder des Fliewatüüts, eines universalen Fortbewegungsmittels. Denn es kann wie ein Flugzeug fliegen, wie ein Schiff auf dem Wasser schwimmen und wie ein Auto als Landfahrzeug fahren – daher das tüüt. Angetrieben wird das Fliewatüüt mit dem Himbeersaft von Tante Paula, später wird dieser Treibstoff durch Lebertran ersetzt. Tobbi ist Kopilot des Fliewatüüts. Der Pilot heißt ROB 344–66/IIIa, wird aber aus verständlichen Gründen Robbi genannt. Robbi ist in der dritten Klasse der Robotschule. Gemeinsam machen sich die beiden im Fliewatüüt auf, um für Robbi drei Roboterprüfungsaufgaben zu lösen: 1. Aufgabe: Wie viele Treppenstufen hat der gelb-schwarz-geringelte Leuchtturm? 2. Aufgabe: Wer steht am Nordpol und fängt mit „Z“ an? 3. Aufgabe: Suche die dreieckige Burg mit den dreieckigen Türmen und ergründe ihr Geheimnis!

Durch die gemeinsame Lösung der Aufgaben wird Tobbis Traum vom Fliegen mit dem Fliewatüüt Wirklichkeit und Robbi kann in die nächste Roboterklasse versetzt werden. Die beiden Freunde ergänzen sich perfekt. Der kleine Roboter gleicht die Schwächen des Jungen aus. Er kann die weite Strecke vom Nordpol nach Schottland (wo die dreieckige Burg steht) weiter fliegen, wenn Tobbi müde ist. Er benötigt weniger Nahrung als das Menschenkind, nur ab und zu ein bisschen Öl.

Leider besitze ich nicht so viele Roboter-Qualitäten – ich brauche Schlaf und regelmäßige Nahrung ist wichtig. Und Teleskoparme habe ich leider auch nicht. Die hatte sich hingegen unser Sohn vorgestellt. Ein paar Tage lang fuhr er sie am Tisch aus und plötzlich konnte er wundersame Dinge, die vorher der Mama-Roboter erledigen musste, wunderbar selbst verrichten. Auch den Spiral-Hals hatte er von Robbie übernommen und war über Nacht 10cm gewachsen. Die „Ich-bin-ein-Roboter“-Phase dauerte nicht lange an (das Vergnügen am Buch hielt aber schon ein paar Wochen), worüber ich einerseits ein bisschen traurig war, denn Roboter sind irgendwie selbstständiger als Menschenjungen. Ich mich andererseits aber auch freute, denn die Kommunikation mit einem Maschinenkind ist schwierig. Die Maschine war noch eigensinniger als das normale Kind und das raubte der Roboter-Mama mehr Kräfte als der Alltag zwischen Arbeit, Haushalt und Kinderbetreuung.

Boy Lornsen: Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt. Thienemann Verlag 1967. 12,00 Euro. ab 8 Jahren (als Vorlesebuch ab 5 Jahren).

Welttag des Buches 2013

Zum Welttag des Buches habe ich bei einer Aktion meiner sehr fleißigen Blogkollegin von jungesbuch.de mitgemacht. Sie stellt heute pro Stunde ein Lieblingsbuch von befreundeten Bloggerinnen vor. Mein Tipp war um 17h dran – hier könnt ihr ihn euch anschauen. Viel Spaß beim weiteren Stöbern!

Poetisches Gärtnern für Kinder: „Das Tomatenfest“ von Satomi Ichikawa

tomatenfestZu Ostern haben wir die Großeltern besucht, die einen üppigen und großen Garten ihr eigen nennen. Meine Mutter ist eine sehr engagierte Gärtnern und bezieht ihren Enkel gerne in die Gartenarbeit ein, was ich sehr schön finde. So hatte unser Sohn im letzten Jahr ein eigenes kleines Beet mit Salat, Möhren, Radieschen und Erbsen. Im Gewächshaus liebt er es zu gießen und die kleinen Pflänzchen unter Wasser zu setzen. Die Tomaten wuchsen sehr gut im letzten Jahr.

Beim Moritzverlag bin ich nun auf eine Neuerscheinung gestoßen, die diese ersten Gärtnererfahrungen in eine schöne Geschichte und ein bisschen exotische, aber dennoch vertraute Bilder kleidet: „Das Tomatenfest“ von Satomi Ichikawa. Ein Tomatenpflänzchen aus dem Supermarkt findet bei dem Mädchen Hana ein neues Zuhause. Sie hegt, pflegt und beschützt es. Sogar in die Ferien zu ihrer Oma muss die Tomatenpflanze mit. Dort pflanzen sie sie in den Gemüsegarten und bald sieht Hana erste kleine Tomatenkugeln. Auch ein schlimmer Sturm kann ihnen nichts anhaben. Endlich sind die Tomaten rot und reif. Hana ist stolz und fühlt sich jetzt wie eine richtige Gärtnerin. Was wird sie wohl im nächsten Jahr pflanzen?

Mit dieser Geschichte können wir unsere eigenen Gartenerfahrungen wieder erkennen. Das Buch zeigt, dass man die Freude über die eigenen, gepflegten Gewächse mit anderen teilen kann und sie dadurch umso größer wird. Sehr interessant ist der Blick einer in Paris lebenden Japanerin auf das Thema – Pflanzt man in Japan auch Tomaten an? Welche Bedeutung hat das Gärtnern dort? – und ihre Umsetzung der Geschichte in Bildern, die zwischen leicht europäisierten Gesichtern und japanischen Zeichenstrichen schwanken. Gut gefällt mir außerdem, dass das Buch sachliche Informationen über eher alltägliche Handlungen mit einer poetischen Sprache verbindet. Kinder lernen darin etwas über die Welt, ohne mit einer trockenen Sachbuchsprache konfrontiert zu sein.

Mit „Das Tomatenfest“ kann nun wirklich der Frühling (oder gleich der Sommer) kommen!

Satomi Ichikawa: Das Tomatenfest. Aus dem Französischen von Eva Ziebura. Moritzverlag 2013. ab 4 Jahren. 12,95 Euro.

Kinderbuchstars auf der Leipziger Buchmesse

DSCN0301„In Leipzig liegen die Autoren nicht in den Regalen, sondern sie laufen davor herum.“ So eröffnete der Moderator André Gutzschahn vom MDR die Aufzeichnung der Sendung Figarino, in deren Ausgabe vom 16. März die neuesten Bücher der Kinderbuchstars Martin Baltscheit, Ben Becker, Paul Maar und Sven Nordquist (in alphabetischer Reihenfolge) vorgestellt wurden. Nachzuhören soll die Sendung im Internet sein (www.figarino.de) – leider habe ich sie noch nicht gefunden.

Die Autoren lassen kurze Ausschnitte aus ihren Werken, Kinderreporter stellten Frage, die sich meist um das Verhältnis zwischen den Figuren in den Texten und ihren Schöpfern drehten. Verblüffend war dabei die tatsächliche Ähnlichkeit zwischen dem Auftreten der Autoren und ihren Kinderbuchhelden. Die Schöpfer schienen perfekt zu ihren Figuren zu passen. Sven Nordquist wirkte wie die Verkörperung des ein wenig müden, zuerst mürrischem Alten, der durch sein Lächeln aber Wärme und viel Verständnis ausstrahlt. Paul Maar gab selbst den Hinweis auf Herrn Taschenbier aus den Sams-Geschichten – ein zurückhaltender grau-melierter älterer Herr, der sich bescheiden mit den Worten einführt, er sei ja nur ein Autor.

DSCN0296Mit dieser Bemerkung ging er auf den Unterschied zu Ben Becker, der sich neben der Schauspielerei nun auch dem Verfassen von Kinderbüchern widmet, und Martin Baltscheit, der nicht nur schreibt, sondern auch illustriert und Hörbücher einspricht. Seine Vorstellung des Hörbuchs „Zorgamazoo“ von Robert Paul Weston begeisterte mich sehr. Es ist der 288 Seiten lange gereimte Roman von der tapferen Katrina Katrell und ihrem Freund, dem Zorgel Mortimer, die aufbrechen, um die verschollenen Einwohner der Stadt Zorgamazoo zu suchen.  Die Wandlungsfähigkeit und der Ausdruck in Martin Baltscheits Stimme brachten die Reime der Geschichte zum Leuchten. Und genauso großartig las er auch die neuste Geschichte aus seiner eigenen Feder vor – ein Bilderbuch mit dem Titel „Das Gold des Hasen“.

Marketingtechnisch geschickt ging Martin Baltscheit dann in seinem Interview auf die Frage, wie er zum Schreiben gekommen ist, auf die Bedeutung seiner Mutter für die Liebe zur Literatur ein: Er wollte als kleiner Junge seiner Mutter, die sehr gerne las, Lesenachschub verschaffen und habe darum selbst angefangen, Geschichten zu schreiben und zu zeichnen. Ben Becker antwortete ähnlich in seinem Interview. Wie gut, dass Mütter so viele Bücher kaufen und für rührende Geschichten empfänglich sind. Und so werde ich demnächst wahrscheinlich ein paar Abende mit „Zorgamazoo“ verbringen, denn mein Sohn ist noch zu jung für das Hörspiel.

Peter Paul Weston: Zorgamazoo. Hörbuch gelesen von Martin Baltscheit. Silberfisch 2012. ab 8 Jahren. 3 CDs 12,99 Euro.

Martin Baltscheit und Christine Schwarz: Das Gold des Hasen. Beltz und Gelberg 2013. ab 5 Jahren. 14,95 Euro.

Ben Becker: Bruno. Der Junge mit den grünen Haaren. Mit Illustrationen von Annette Swoboda. Rororo Rotfuchs 2009. ab 5 Jahren. 9,95 Euro.

Paul Maar: Lippel, träumst du schon wieder! Oetinger Verlag 2012. ab 9 Jahren. 13,95 Euro.

Sven Nordquist: Findus zieht um. Oetinger Verlag 2013. ab 4 Jahren. 12,95 Euro.

Vorankündigungen: „Kiebich und Dutz“ in Frankfurt und Buchmesse in Leipzig

Vor einiger Zeit habe ich über meine Entdeckung des Theaterstücks (und des dazugehörigen Buchs und Films) „Kiebich und Dutz“ von F.K. Waechter berichtet. Bei meinen Recherchen bin ich auch auf den Spielplan des Schauspiels Frankfurt gestoßen. Dort wurde das Stück in einer Inszenierung von Lily Sykes angekündigt, gestern war die Premiere. Die Szenenfotos sehen sehr bunt aus. Ich würde es selbst so gern sehen, habe aber in den nächsten Monaten wahrscheinlich keine Zeit für den weiten Weg nach Hessen. Über Eindrücke und Berichte von Besuchern würde ich mich riesig freuen!

Nach Frankfurt schaffe ich es nicht, aber nach Leipzig! Am nächsten Donnerstag ist es so weit und ich habe zwei sehr beschäftigte Tage vor mir. Es stehen jede Menge interessante kinderliterarisches Programmpunkte auf meinem Plan und ich freue mich auf viele neue Entdeckungen, über die ich natürlich im Blog berichten werde.

(Fast) ohne Kommentar, einfach nur „Hurra, der Frühling ist da“ von Rose Pflock und Kazuo Iwamura

frühling iwamuraDer Frühling ist noch ganz zart und jung. Die ersten Frühblüher recken sich der zu Kräften kommenden Sonne entgegen. Die Bäume sind noch kahl, das Gras ist noch verhuscht braun-grün-welk. Die Sonne aber tut allen gut und weckt die Lebensgeister, die bald im Überschwang zu spüren sein werden. Zwei Ausdrücke für diese Lebensgeister möchte ich heute mit euch teilen, eine sprachlichen und einen bildhaften. Zwei Ausdrücke, in denen die Frühlingslebensfreude übersprudelt!

Los geht’s mit einem klassischen Frühlingskommentar von Astrid Lindgren, mit einer Textstelle aus „Ronja Räubertochter“, die beim Lesen immer wieder Gänsehaut hervorruft:

„Früher Morgen ist. Wie der erste Erdenmorgen so schön. Die Siedler der Bärenhöhle, hier kommen sie durch den Wald gewandert, und ringsum ist alle Herrlichkeit des Frühlings. In allen Bäumen und allen Wassern und allen grünen Büschen lebt es, es zwitschert und rauscht und summt und singt und plätschert. Überall erklingt das forsche, wilde Lied des Frühlings. Der Frühling ist neu, aber er ist, wie er immer war. ‚Erschrick nicht, Birk‘, sagte Ronja. ‚Jetzt kommt mein Frühlingsschrei!‘ Und sie schrie, gellend wie ein Vogel, es war ein Jubelschrei, den man weithin über den Wald hörte.“ (Astrid Lindgren, Ronja Räubertochter, deutsch von Anna-Liesa Kornittzky, Verlag Friedrich Oetinger)

Die passenden Bilder zum Frühlingsüberschwang gibt es bei „Hurra, der Frühling ist da. Matz, Fratz und Lisettchen im Blütenbaum“ von Kazuo Iwamura.  Drei Eichhörnchen klettern in einem Blütenbaum herum und finden ein Vogelbaby, das Hunger hat. Sie möchten ihm zu fressen geben, wissen aber nicht was. Da kommt die Vogelmutter angeflogen und bringt ihrem Kleinen einen Wurm. Die Bilder zu dieser sehr einfachen, in Reimen verfassten Geschichte, sind so fröhlich, so frühlingsüberschwänglich, dass man den Duft der tausend Blüten im Baum förmlich riechen kann und sich wie die Eichhörnchen fühlt. Na dann mal losgehüpft und losgeschrieen!

Ein Geburtstagsgeschenk und Glücksbringer: „Der schwarze Hund“ von Levi Pinfold

schwarze hundDer fünfte Geburtstag ist vorbei. Es war schön. Und es fing gut an am Morgen. Mit einem kurzen, aber umso wertvolleren Blick in ein Geburtstagsgeschenk – in ein wunderbares, etwas schräges, dafür aber Mut machendes Buch.

Die Geschichte geht so: Vor dem Haus der Familie Hoop steht ein schwarzer Hund. Vater Hoop sieht ihn zuerst, erschrickt und weiß nicht, was er tun soll. Seine Ratlosigkeit überträgt sich auf die anderen Familienmitglieder. In ihrer Panik wächst der Hund und nimmt gigantische Ausmaße an. Bis das jüngste Kind, Klein Hoop, nach draußen geht und mit dem Tier spricht. Als der Hund an ihr schnüffelt, läuft sie weg, denkt sich aber dabei Zaubersprüche aus, die das Ungetüm schrumpfen lassen. Es funktioniert tatsächlich, schließlich passt der Hund durch die Katzenklappe und kann der Familie vorgestellt werden.

Die Atmosphäre des Bilderbuchs erinnert zuerst an Edgar-Wallace-Filme. Auf dem Cover ist ein einsames, sehr spitzgiebliges Haus in einem Schneewald abgebildet. So sehen Spukhäuser aus. Die kleinen Vignetten in Sepia, die den Text begleiten, beschwören eine vergangene, märchenhafte Zeit. Dafür sind die ganzseitigen Bilder auf der rechten Seite gespickt mit Alltagsszenen: Die Mutter gießt sich einen Kaffee ein, ein Kind putzt die Zähne, ein anderes wacht aus dem Schlaf auf. Das jüngste Kind schließlich tritt dem riesigen Hund gegenüber und blickt in überdimensionale, feuchte, glänzende Nüstern und warme, treuherzige Augen.

Dieses Bild beeindruckt durch seine Größe. Der Betrachter soll den Hund aus der Perspektive von Klein Hoop wahrnehmen. Dennoch wurde das Kind in der Bild integriert, um die Größneverhältnisse zu verdeutlichen. Mich irritiert diese Perspektive ein wenig – aber egal, denn dann geht es gleich mit der aufregenden Verfolgungsjagd weiter und man kann zusehene, wie der schwarze Hund mehr und mehr schrumpft. Bis die beiden das Haus der Familie Hoop erreichen und sich am Ende alle gemütlich am Kamin versammeln.

Manchmal stehe ich Herauforderungen auch so gegenüber wie die Familie Hoop dem schwarzen Hund. Mit dem Mut, den auch Klein Hoop hatte, klappt es dann meistens ganz gut. Nur Zaubersprüche fehlen mir manchmal, da könnte ich noch mehr gebrauchen. Wie haltet ihr es mit Zaubersprüchen? Kennt ihr eine empfehlenswerte Sammlung oder denkt ihr euch lieber selbst welche aus?